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Das Auge - Eye of the Beholder
Das Auge - Eye of the Beholder
© Kinowelt Filmverleih GmbH

Kritik: Das Auge - Eye of the Beholder (1999)


Freunden ungewöhnlicher Kinokost ist Stephan Elliott ("Priscilla, die Königin der Wüste") ein wohlklingender Begriff. In seinem ersten US-Film hält der Australier das Niveau konstant hoch und verwöhnt mit einer anspruchsvollen, betörenden und hintergründigen Liebesgeschichte. Die ist nicht neu. Schon 1983 adaptierte der Franzose Claude Miller die Vorlage von Marc Behms Roman zu einem eleganten Krimi. Doch Elliott versieht das Thema nicht nur mit eigenständigen, reizvollen Bilden, sondern auch mit inhaltlichen Neuerungen, die den Aspekt der unvollendeten Liebe stärker betonen. Elliott erzählt vom Voyeurismus - "das Auge" beobachtet die Mörderin, das Publikum sie beide - nur an der Oberfläche. Unter dem Krimigeschehen verbirgt sich die tragische Liebesgeschichte zweier vereinsamter Menschen, ohne dass sie sich ein einziges Mal begegnen. Die wahren psychologischen Motive der Figuren bleiben im Unklaren - eine der großen Stärken: das Unerklärliche wird nicht erklärt und somit banalisiert, sondern regt die Fantasie eines jeden Romantikers an. In wohltuender Konsequenz fehlt dem Melodram ein verklärendes Happy-End. Gerade die dadurch vollzogene Todessehnsucht hinterlässt blutende Zuschauerherzen, die sich der traurigsten (und verkanntesten) Kinoromanze des Jahres geöffnet haben. Fazit: Kunstvolles Melodram mit Krimi-, Psychothriller- und Romantikelementen, die zum anspruchsvollen, außergewöhnlichen Erlebnis legiert wurden. Robert Knapp
Zwei Jahre lang lag "Eye of the Beholder" auf Eis, ehe ihn jetzt doch ein deutscher Verleih herausbringt. Das Genre heißt Erotik-Observations-Thriller und Ashley Judd ist auch die richtige Wahl. Ewan McGregor spielt einen britischen Agenten, der auf eine Frau angesetzt wird, da diese unter Verdacht steht, den Sohn eines hohen Regierungsbeamten zu erpressen. Es stellt sich schließlich heraus, dass er es mit einer lupenreinen Serienkillerin zu tun hat, die nach jedem Männermord die Kleidung und den Staat wechselt. Langsam aber sicher verliert sich McGregor in tiefer Obsession zu seinem Beobachtungsobjekt.
Die Geschichte, die uns hier erzählt wird, ist altbekannt und es gibt mehrere Möglichkeiten, den Schwerpunkt zu setzen. Zum einen hätte Regisseur Elliott das Portrait eines einsamen Mannes, der sich immer weiter in seiner einzigen Aufgabe verliert und schließlich das Beobachten als einzigen Lebenszweck empfindet, zeichnen können. Das schöne Abbild eines Seelenkrüppels wäre das gewesen. Es hätte aber auch einfach nur ein wunderbarer Suspense-Thriller mit prickelnden Erotik-Einlagen werden können oder aber die Studie über eine soziopathische Psychokillerin. "Eye of the Beholder" ist eine Mischung aus eins und drei geworden. Ganz zart entwickelt sich eine Beziehung zwischen dem Beobachter und der Killerin, die seine Gegenwart irgendwie zu spüren scheint. Stephan Elliott setzt weniger auf echte Spannung als auf die Obsession der beiden. Das ständige Beobachten auf Seiten McGregors, ohne dass es zu einer Interaktion zwischen ihm und der Killerin kommt, baut eine magische Atmosphäre der Sehnsucht auf.
"Eye of the Beholder" besitzt eine Vielzahl an Szenen, die mal die Obsession des Beobachters, mal die psychische Situation seitens der Killerin ausloten, und immer stellt er eine Verbindung her. So zum Beispiel, wenn der Detektiv von einem Kirchturm beobachtet wie die Killerin sich einem alten, fast blinden Mann annähert, schließlich zum Schicksal für das folgende wird. Das häufig verwendete Bild der Schneekugel scheint auf ein imaginäres Traumland hinzudeuten, in dem das verzehrende Warten ein Ende hat, erweist sich dann aber als schwebender Gedankenfetzen, der dem Ende einen Teil seiner Bedeutung gibt. Eigentlich überflüssig ist es zu erwähnen, dass hitchcockgleich der Zuschauer in die Rolle des Voyeurs gedrängt wird.
"Eye of the Beholder" ist eine geheimnisvolle, düster melancholische Romanze über zwei "Lost Souls" im Niemandsland der Träume und Sehnsüchte.




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