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Kritik: Taxi (1998)


Das Action- Kino der 90er wird von Jahr zu Jahr komplizierter. Um dem Publikum immer wieder vermeindlich Neues zu bieten, werden die grundsätzlich gleichen Klischee- Storys immer mehr mit billigem Pathos, hochstilisierten Zeitlupen- Explosionenen und dümmlichen Dialogen aufgebauscht. Der Mangel an wirklicher Rasanz und Originalität wird dann durch eine großangelegte Werbekampange, die den Film zu einem Event erhebt, wieder wett gemacht.
Nun wartet man schon seit Jahren auf einen guten Action- Film aus Hollywood. Nur John Woo zeigte den Amis mal kurz, wie Action aussehen kann, wenn man nur von Schnitt und Choreographie Ahnung hat. Sein Film "Im Körper des Feindes" war der einzige Lichtblick. Wo Hollywood trotz seiner finanziellen Mittel schon Jahre versagt hat, zeigt jetzt das französische Kino, wie es geht. Unter der sicheren Regie Gérard Pirès' kommt mit "Taxi" endlich mal wieder ein mitreißender Actionfilm in deutsche Kinos.

Die einfache Prämisse des Films ist es, ein paar Autos mit 200 km/h durch die stark befahrene Innenstadt Marseilles zu jagen. Keine großen Bomben, keine aufwendigen Computereffekte. Reine Stunts mit zeitweise bis zu 50 Autos, das ist das einfache Rezept dieses Films. Dabei gerät das funktionelle Drehbuch des französischen Starregisseurs Luc Besson ("Das Fünfte Element", "Leon, der Profi") gleich in den Hintergrund, obwohl es mit den grundverschiedenen Hauptfiguren Daniel (Samy Nacéri) und Emilien (Frédéric Diefenthal) fast vergessen geglaubte Elemente der lockeren französischen Action- Komödie aus den 80er Jahren bietet. Sie kabbeln sich wie seinerzeit Gérard Depardieu und Pierre Richard und bieten dem Publikum viele Lacher. Der Film will nie spannend sein, er verläßt sich auf seine altmodischen, komischen Elemente und geht damit einen lockeren und wirklich amüsanten Weg.

Obwohl "Taxi" weder über das Budget noch über die Lautstärke eines Hollywood Action- Krachers verfügt, wirkt er dennoch um einiges rasanter. Denn im Gegensatz zu den Sommerblockbustern der Traumfabrik verläßt er sich auf seine Stärken und versucht nicht von Allem etwas zu bieten. Er ist mit 85 Minuten erstaunlich kurz. Dabei bietet er von der ersten bis zur letzten Sekunde atemberaubende Stunts und witzige Situationskomik wie vom Band. Die Action wirkt einfach aufgrund des hervoragenden Schnitts und der einfallsreichen Choreographie. Nicht ein einziges Mal wird den Szenen durch eine plakative wie überflüssige Zeitlupe die Rasanz genommen. Große Explosionen und erstaunliche CGI- Effekte werden da gänzlich überflüßig. Ein passender Vergleich wären die wuchtigen Karambolagen aus "Blues Brothers" oder die genialen Stunts aus "Mad Max". Wenn die böse Mercedes- Gang vom guten Peugeot durch Marseille gejagt wird, springt einfach der Funke über. Man geht mit der Action mit und lacht bei der nicht unbedingt sehr originellen Komik.
Die Technik ist aber, trotz der "fehlenden" Effekte, mit Sicherheit nicht als rückständig zu betrachten. Neben dem perfekten Schnitt, der sich mehr am Rythmus des Films, denn an Musikvideos orientiert, überzeugt auch die Kamera, die neben rasanten Fahrten durch Marseille auch sehr schöne Bilder der französischen Metropole bietet. Auch der Ton könnte einem teuren Hollywood- Werk entstammen. Die Kugeln der diversen Maschinenpistolen und das Krachen der zerschellenden Autochasis' ertönt im feinsten THX- Sound und ist gut abgemischt.
Dies alles bewirkt, daß der Film Rasanz mit einer wunderbar- lockeren, typisch französichen Atmosphäre verbindet. Man wird nach dem Film zwar vieles wieder vergessen, aber man hat einen atemberaubenden und witzigen Trip hinter sich, der keine Sekunde langweilig wird.
Geradlinig, rasant, charismatisch und komisch: Klasse Action aus dem Nachbarland!





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