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Kritik: Das Leben ist schön (1997)


"Das Leben ist schön", schrieb Trotzki einst an seine Frau, während er im Bunker eingesperrt auf Stalins Auftragskiller wartete. Robert Benigni inspirierte das zu einer riskanten Komödie über den Holocaust - einer cineastischen Gratwanderung, die der italienische Schauspieler, Regisseur und Komiker zur Verblüffung des kritischen Publikums mit solch traumwandlerischer Sicherheit bewältigt hat, daß es einem schier den Atem verschlägt.

Slapstick- und Screwball-Elemente sind die Grundzutaten dieses clownesken Parforceritts - Benignis urkomisches Alter ego Guido aber besitzt auch die Melancholie und subtile Weisheit eines Charles Chaplin und schafft so die Voraussetzung für eine erschütternde Farce über die dunkelste Periode dieses Jahrhunderts. Die kunstvolle KZ-Parabel demaskiert die Absurdität des Faschismus, dem Guido Liebe, Witz und Mitgefühl entgegensetzt.

"Das Leben ist schön" ist eine klassische Komödie mit einem entwaffnend naiven Helden, dessen stärkste Waffe das Lachen ist. Im Gegensatz zu "Schindlers Liste" benötigt die sprichwörtlich fabelhafte Fiktion eines namenlosen Konzentrationslagers keinen plakativ-grausamen Realismus, um die Leiden ihrer Protagonisten zu illustrieren - die surrealen Qualitäten des Films wirken mindestens genauso wahrhaftig. Es ist den schauspielerischen Leistungen von Benigni und seiner Filmpartnerin und Ehefrau Nicoletta Braschi zu verdanken, daß die Komödie trotz der Brüche, die ihre tragischen Wendungen zwangsläufig mit sich bringen, der Sensibilität des Themas gerecht wird und bei Vorführungen in Israel sogar von Holocaust-Überlebenden mit großer Dankbarkeit aufgenommen wurde.

Denn obwohl sich der in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnete Film oft selbst am Rande des Abgrunds bewegt, lacht er dem Tod voller Hoffnung ins Gesicht.

Es lebe der Clown!





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