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Überall, nur nicht hier (1999)

Anywhere but Here

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

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Sommer 1995: Ein goldener 78er Mercedes gleitet über den Highway nach Westen - wie in "Thelma & Louise", nur ist die Beifahrerin diesmal kein "Naivchen", sondern eine schmollende 14-Jährige, die gegen ihren Willen vom Provinznest Bay City nach Beverly Hills ziehen muß, weil ihre Mutter dort auf ein besseres Leben hofft. Während also Adele im Auto munter Beach Boy Songs trällert, sitzt ihre Tochter Ann August mit langem Gesicht auf dem Beifahrersitz. Dabei ist die schrille Vorstadtdiva davon überzeugt, ihre Tochter aus einer Sackgasse befreit zu haben und ihr eine aufregende Zukunft zu bieten.
In Los Angeles angekommen, heißt die erste Anlaufstelle Beverly Hills Hotel, denn die Nobelherberge ist das Stein gewordene Zentrum von Adeles Visionen. Die, wie es sich bald rausstellt, lassen sich nicht ohne weiteres verwirklichen. Dass das Leben in Beverly Hills nur dann aufregend sein kann, wenn man das nötige `Kleingeld` besitzt, wird dem Mutter-Tochter-Gespann nämlich bereits bei der Ankunft deutlich gemacht.
Für die realistische Ann, der Adeles Hirngespinste von einem Leben in der High Society ein Greuel sind, ist es keine allzu große Enttäuschung. So übernimmt sie so manches Mal eher unfreiwillig die Mutterrolle, und bringt die zu theatralischen Auftritten neigende Adele wieder auf den Boden der Tatsachen zurück - am Anfang eher unsanft, bis beide voneinander lernen, Zuneigung und Respekt zu zeigen.



Filmkritik

Mütter-und-Töchter-Filme Marke Hollywood sind irgendwie alle gleich: Mami will voll im Leben stehen und sich die Welt zu Füßen legen – und lässt die Tochter dabei glatt im Stich. Na klar: Wer schon den ganzen Tag damit beschäftigt ist, das Leben in vollen Zügen zu genießen, kann schon einmal vergessen, die Stromrechnung fürs schäbige Apartment zu bezahlen. Das arme Töchterchen dagegen ist mental schon beinahe erwachsen und muss die Eskapaden der eindimensionalen Mom erdulden.

Solche Klisches und Stereotypen sind ganz typisch für ein Genre, das sich vor ein paar Jahren stillschweigend dazu verpflichtet hat, in jeden Frauenfilm mit Mutter-Tochter-Thema mindestens eine Karaoke-Nummer einzubauen. „Überall nur nicht hier“ bildet da keine Ausnahme: Bereits in der ersten Szene singt Mutter Adele zu den im Autoradio eingestellten Beach Boys. Dem Kenner wird damit signalisiert: Von nun an geht's bergab.

Natalie Portman ist dann auch der eigentliche Lichtblick dieses konstruierten Films. Die Jungschauspielerin zeigt eindrucksvoll, dass sie nicht nur als steife Star-Wars-Queen, sondern genauso gut in menschlichen und überaus subtilen Rollen große Klasse ist. Susan Sarandon wiederum agiert solide, kann ihre völlig unglaubwürdige Figur damit jedoch nicht retten.

Mona Simpsons umfangreiche Buchvorlage reduziert sich hier auf knapp zwei Stunden Mutter-Tochter-Streit. Sie zoffen und sie zanken sich – und brechen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Tränen aus. Darauf kann man an sich getrost verzichten – überall, nur nicht in Hollywood.




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Land: USA
Jahr: 1999
Genre: Drama
Länge: 113 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 30.03.2000
Regie: Wayne Wang
Darsteller: Natalie Portman, Ray Baker, Susan Sarandon
Verleih: 20th Century Fox

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