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Kritik: Psycho (1998)


Wer einen Rembrandt auf einen Farbkopierer legt und das Ergebnis dem Original vorzieht, gehört zweifellos zur Zielgruppe dieser eingefärbten Kopie des 1960 entstandenen Hitchcock-Klassikers mit Anthony Perkins und Janet Leigh. Tatsächlich ist Gus van Sants ("Good Will Hunting") Pseudo-Remake so originalgetreu ausgefallen, daß man sich schon auf Details wie eine kurze Masturbationsszene, den Walkman einer Protagonistin, die inflationsbedingte Verzehnfachung der entwendeten Geldsumme, eine zusätzliche Kamerafahrt zu Beginn des Films und ein paar in die legendäre Duschszene eingeschnittene Wolkenbilder stürzen muß, um die letzen Endes minimalen Unterschiede zwischen Original und Kopie herauszustellen – und dabei die Hauptsache aus den Augen zu verlieren.

Tatsächlich nämlich vereint van Sants wertlose Kopie die Schwächen des Originals mit den Schwächen eines Remakes, indem sie die nach beinahe 40 Jahren bestenfalls milde schockierende Ästhetik und das für heutige Verhältnisse beinahe lähmende Tempo des Hitchcock-Originals in einen Film transplantiert, der zwar im Jahr 1998 spielen soll, dabei aber nicht die veränderten Sehgewohnheiten des heutigen, abgehärteten Kinopublikums berücksichtigt. Durch den Einsatz von Farbfilm wiederum verliert die Kopie auch noch den Charme und den düsteren Schattenwurf des Originals – und schließlich wäre da noch Vince Vaughn, der es mit einem Anthony Perkins ebenso wenig aufnehmen kann wie Anne Heche mit einer Janet Leigh.

Echte Überraschungen oder gar Wendungen hat der neue, alte "Psycho" demnach nicht zu bieten. Der Versuchung, im Kinosessel einzuschlafen, dürften folglich nur jene Zeitgenossen widerstehen, die das Original weder im Kino, noch im Fernsehen, noch auf Video gesehen haben – doch denen ist wohl ohnehin nicht mehr zu helfen.




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