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Kritik: Hollow Man (2000)


Nach einem furiosen Beginn und einem sehr klug inszenierten Mittelteil kann Verhoevens Unsichtbarenthriller nicht ganz einhalten, was er anfangs versprochen hat. Das Finale bleibt konturlos, zum Glück aber noch immer mitreißend spannend.

Das für Paul Verhoeven typische Dreieck aus Provokation, sicher inszenierter Unterhaltung und zwischen den Zeilen aufblitzender Intelligenz funktioniert bei "Hollow Man" nur teilweise. Die Provokation scheint Verhoeven vollkommen außen vor zu lassen, es sei denn, man zählt die recht eklig gemachten, aber superb umgesetzten Effekte dazu. Hier scheint eher die Unterhaltung das Ruder zu übernehmen, die teilweise hochintelligent aufgebauten Ideen überwalzt sie jedenfalls im Finale.

Dabei hätte "Hollow Man" ungeheuer viel Potential. Nach einem perfekten Teaser, der dem Zuschauer erst einmal so richtig zeigt, wohin hier alles gehen wird, zeigt sich Paul Verhoeven erstaunlich ruhig. Mit Ruhe und Bedacht baut er die Handlung auf, stellt die Figuren vor und weist immer wieder in Nebensätzen auf die Gefahren der Unsichtbarkeit hin. Mit Hilfe des wie immer sehr gut aufgelegten Kameramanns Jost Vacano und einem brillant arbeitenden Score von Jerry Goldsmith baut Verhoeven eine wunderbar gruselige Atmosphäre auf, die im zweiten Drittel sogar richtig grandios wird. In diesem zweiten Drittel scheint Verhoeven nämlich wirklich an dem, was mit seinem unsichtbaren Hauptcharakter passiert, interessiert zu sein. Er baut ein psychologisch stimmiges Bild auf, dass alleine schon die Spannung tragen kann. Nur dann kommt der eine Moment, in dem alles irgendwie zunichte gemacht wird...

Warum, so frage ich mich, musste Verhoeven denn plötzlich seinen bisher so stimmig aufgebauten Charakter zum amok laufenden Liebhaber herunterstilisieren? Genau hier verliert "Hollow Man" nämlich seine Glaubwürdigkeit. Es ist schon erstaunlich, dass pünktlich zum dritten Akt der komplette Film abstürzt, als hätte hier ein anderes Drehbuchteam gearbeitet. Nach hervorragenden ersten zwei Dritteln bleibt hier nur noch Genrekost von der Stange übrig. Diese ist freilich hervorragend inszeniert, denn Vacano, Goldsmith und Verhoeven arbeiten immer noch großartig zusammen. Dazu kommen jetzt - zur Action - auch noch die Stärken von Cutter Mark Goldblatt (Starship Troopers, Terminator) zum Tragen.

"Hollow Man" ist und bleibt ein effektiv gemachter Horrorstreifen, der dank eines eingespielten Teams um Paul Verhoeven auch als Effektfilm mehr als überzeugend ist. Leider hätte der Film viel mehr sein können. Dadurch, dass Verhoeven hier Erwartungen schürt, die er nicht einhalten kann, wirkt "Hollow Man" wohl enttäuschender, als er ist. Vielleicht hat Verhoeven einfach viel zu viel Talent, um nur einen Horrorfilm zu drehen, wie es seine Drehbuchautoren zweifellos vorhatten.

Knut Brockmann


Paul Verhoeven bleibt Hollywoods agent provocateur - auch über ein Jahrzehnt nach seiner Immigration. Quasi unbehelligt von Zensurbehörden führt er fort, was "Türkische Früchte" oder "Flesh and Blood" etablierten: Sex und Gewalt als Form der Gesellschaftskritik. Tabulos und drastisch. Mit dem Geld amerikanischer Produzenten erst konnte der Niederländer brutale Satiren wie "Robocop" oder "Starship Troopers" verwirklichen. Die Perfektion dieser kontroversen Meilensteine erreicht "Hollow Man" leider nur auf der technischen Ebene.

Dort versetzen faszinierende Spezialeffekte in Staunen, der schlichte Plot gewissermaßen auch. Verhoevens erster Ausflug ins Horrorgenre bedient sich der klassischen Idee des unsichtbaren Mannes und lässt einen waschechten mad scientist (Kevin Bacon) Amok laufen. Dem sieht man freilich seine Heimtücke an der Nasenspitze an und der Grund für seinen Affekt - Eifersucht auf die Ex-Freundin - wird gleich mitgeliefert. Damit ist der Großteil des Films exakt absehbar.

Tatsächlich interessiert sich Verhoeven für mehr, als nur die Replik alter Motive mit den modernsten Mitteln. Mit dem Körper löst sich auch jede moralische Schranke auf - der transparente Caine mordet und vergewaltigt, dass es eine wahre Freude ist. Schließlich muss er sich selbst nicht mehr im Spiegel betrachten. Die Sanktionierung seiner Untaten bleibt aus. Trotz angedeuteter psychischer Veränderungen sind - wie so oft - die Körper der Figuren wie eine Versuchsanordnung: deformierbar, zerstörbar oder Zelle für Zelle auflösbar. Die Schauspieler haben dem wenig Eigenständigkeit entgegenentgegenzusetzen. Sie sind lediglich Maionetten in einem schematischen Gut-gegen-Böse-Thriller.

Fazit:
Effektvoller Thriller-Zauber nach altem Rezept, mit schwachen Figuren und einer Prise Sadismus.





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