VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Ghost Dog - Der Weg des Samurai (1999)


Dass Jim Jarmusch das Genre-Kino mag wurde spätestens mit seinem Western "Dead Man" augenfällig. Denn wie für die meisten Cinéasten spiegeln sich auch für ihn die wahren Kino-Mythen schon immer in den Topoi der Genres. Und mit denen hat Jarmusch auch in früheren Filmen stets gespielt. Nach dem Western nun also mit "Ghost Dog" ein Gangsterfilm. Einmal mehr gilt, nur wer die Regeln des Spiels (des Genre) beherrscht, kann sich stimmig darüber hinwegsetzen und sie variieren. "Ghost Dog" hat beim flüchtigen Hinsehen alles, was ein klassischer Gangsterfilm haben muss: den einsamen, gebrochenen Helden (hier ein Profikiller), auf der Gegenseite eine verzweigte Mafiafamilie, diverse Schiessereien und den dazugehörigen Waffenkult sowie einen Freund des Helden (hier mit einem kleinen Mädchen und einem französischen Budenbesitzer gleich deren zwei). Aus diesem Spannungsfeld ergibt sich für Jarmusch eine Geschichte, die von ihrem erzählerischen Gestus und von ihrer visuellen Gestaltung wieder einmal so ganz anders ist, als die meisten Werke der Gattung. Wie stets bei Jarmusch lebt auch "Ghost Dog" weniger vom dramatischen Ablauf einer nacherzählbaren Geschichte, als vielmehr von der magischen Stimmung, die sich schon nach wenigen Minuten einstellt, vorausgesetzt man lässt sich darauf ein. "Ghost Dog" nennt sich ein farbiger Auftragskiller, der in einer Hütte auf einem verlassenen Gebäude lebt. Dort, gewissermaßen über der Welt, teilt er den häuslichen Alltag mit seinen Brieftauben. Sie sind es auch, die seinen Kontakt zur Außenwelt bzw. potentiellen Auftraggebern darstellen. Ist er mit einem Mordauftrag versehen, kann sich Ghost Dog unbemerkt im Dunkel der Nacht durch die Stadt bewegen. Seine "Freizeit" widmet er ganz dem mentalen Training und hier dem Verhaltenskodex der Samurai, dem er mit spiritueller Inbrunst folgt. Als musikalischer Teppich für die Meditationen dient ihm Hip Hop Musik. Als eines Tages die Mafiasippe, für die er gelegentlich arbeitet, seinen Ehrenkodex mit Füßen tritt, reagiert Ghost Dog ganz im Sinne und im Einklang mit dem Weg eines Samurai.
Die jarmusch’sche Meditation über den Gangsterfilm funktioniert sogar noch besser als seiner Westernübung. Das liegt zum einen an dem überragenden Forest Whitaker, dessen brillante Ausleuchtung des archetypischen Charakters sich jederzeit mit Alain Delon messen kann. Zum anderen passt die sprichwörtliche Lakonie des Regisseurs offenbar besser zum klassischen Krimi als zum Western. Einige Gags sind hierbei so finster, daß man mehr über die Unverfrorenheit mit der sie daherkommen lacht, als über deren eigentlichen Humorgehalt. Vor allem, wie Jarmusch mit der hoffnungslos überalterten Mafiafamilie, die einen Generationenwechsel bitter nötig hätte, umgeht, das ist an Köstlichkeit kaum zu überbieten. Freilich, die Beiläufigkeit mit der die Geschichte erzählt wird, mit der wird auch aus vollen Rohren geschossen, und das hinterlässt denn doch eine gewisse Beklemmung. Wobei natürlich die Abwesendheit von Moral durchaus auch zum Genre gehört. Wie auch immer: "Ghost Dog", eine weiterer Kultfilm des Kultregisseurs Jim Jarmusch.
p.s.: Was ist eigentlich aus Jarmuschs Dokumentation über N. Young geworden?





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.