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Anna und der König
Anna und der König
© 20th Century Fox

Kritik: Anna und der König (1999)


Manchmal wirkt Kino wie eine Zeitmaschine, wirft uns zurück in eine totgeglaubte Filmepoche, wärmt alte Bilder, Dramen und Gefühle wieder auf. "Anna und der König" ist bereits die dritte Hollywood-Verfilmung des Romans von Margaret Landon über die Abenteuer einer englischen Gouvernante, die 1862 am Hof des Königs von Siam – dem heutigen Thailand – dessen 58 Kinder unterrichtete. 1946 brachte John Cromwell die Geschichte mit Irene Dunne und Rex Harrison auf die Leinwand, zehn Jahre später folgte das berühmte Musical von Walter Lang, mit dem Yul Brynner und Deborah Kerr sich in die Herzen von Millionen tanzten.

Ausstattung, Flair und manipulative Hollywood-Dramaturgie – so lautete vor 44 Jahren das Erfolgsrezept. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Politische Korrektheit gehört inzwischen zwar zum guten Ton, in "Anna und der König" können die hinzugefügten emanzipativen Elemente jedoch nicht verbergen, dass wir es hier mit einem herrlich altmodischen Melodram zu tun haben – einem mitunter arg simplifizierenden Ausstattungsepos, das nach allen Regeln der Kunst die Gefühlsklaviatur des Publikums bearbeitet.

Das Ganze hat, gerade weil wir es so leicht durchschauen, durchaus seinen Reiz – auch wenn der Film am Ende viel zu lang geraten ist und wenig inspirierte Nebenhandlungen den Kern der Story oft ins Abseits drängen. Der Kern, das ist die zarte, unerfüllte Liebe zwischen Anna und dem König, gespielt von Jodie Foster und dem Hongkong-Import Chow Yun-fat. Der zweifachen Oscarpreisträgerin auf der Leinwand zuzusehen, versöhnt mit vielen Drehbuchschwächen dieses nicht gerade temporeichen Melodrams. Fosters subtile Manierismen verwandeln Anna Leonowens in eine Filmfigur, deren schiere Präsenz dem Film mehr Tiefe und mehr Klasse gibt, als man von Andy Tennants ("Auf immer und ewig") Inszenierung eigentlich erwarten dürfte.

In Thailand hat man für Hollywoods Sicht der Dinge freilich wenig übrig: Bereits die Dreharbeiten wurden von den Originalschauplätzen nach Malaysia verbannt, und der Film schließlich – wie seine beiden Vorgänger – von der thailändischen Zensur nach langem Hin und Her verboten.





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