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Kritik: Thirteen Days (2000)


13 Tage lang am Abgrund der atomaren Apokalypse - ein 1962 Realität gewordener Schrecken mitten aus dem Epizentrum des kalten Krieges. Der in den Annalen diskret vermerkte Beinahe-GAU des Atomzeitalters starrt einem so harmlos als Fußnote des 20ten Jahrhunderts entgegen, dass mit Roger Donaldsons Rekonstruktion der Kuba-Krise Terror und Paranoia von damals völlig unvorbereitet wieder ausbrechen. Wenn der Wind weht: "Dante's Peak"-Regisseur Donaldson leitet nach "No Way Out" den gebeutelten Star Kevin Costner durch einen packenden Politthriller, der wie kein anderer Hollywood-Ausflug in die jüngste Vergangenheit seinen Inhalt gebührend ernst nimmt. Ausnahmslos fehlen Actioneffekte, plakative Helden-Verklärung und pro-amerikanisches Pathos. Dadurch wird "Thirteen Days" erst richtig spannend: alles Taktieren, die Unsicherheit, die hinterhältigen Fallen der eigenen Militärs und Falken, fehlende Informationen, riskante Entscheidungen, all das zeichnet die Kamera nüchtern auf. Das ergibt kein erfreuliches Bild der amtierenden Machthaber und weckt erst recht kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten, über das Wohl der Menschheit zu entscheiden. Am Tag danach: Weil jeder Darsteller des üppigen Ensembles seine Geltungssucht hinter die Authentizität des Films stellt, gewinnt dieser einen enormen, beklemmenden Druck - wie manche Reportagen über die unglaublichen Praktiken hinter den Kulissen der Macht. Selbst der bekannte Verlauf und Ausgang des Ost-West-Konflikt schmälert die lähmende Wirkung nicht im geringsten: als am Morgen nach dem Albtraum die Sonne aufgeht, grenzt es dennoch an ein Wunder. Kein Schulbuch mag vermitteln, mit wie viel Glück statt Verstand der dritte Weltkrieg doch noch um Haaresbreite abgewandt wurde. So aufrichtig und aufklärend sollte eine Geschichtsstunde sein - man möge sich ihrer erinnern, wenn diesen Sommer die Kitschfanfaren zu "Pearl Harbour" ertönen.





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