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Kritik: Goya in Bordeaux (1999)


"Glücklich unverheiratet", "Präsident der Holland Park Schadenfreude Gesellschaft"- John Cleese` Angaben über sich selbst in der Kurzbiographie auf der offiziellen Monty Python-Site. Geboren wurde der britische Scherzkeks als John Marwood Cleese, am 27. Oktober 1939 in Weston-Super-Mare (Somerset), England. Fast hätte er "Cheese" mit Nachnamen geheissen, aber sein Vater änderte den Namen, bevor er zur Armee ging.
In Cambridge erwarb John nicht nur den Magister in Jura (1963), sondern trat auch in der angesagten "Footlights"-Theatergruppe auf. Dort traf er Graham Chapman, mit dem er 1966 für die BBC engagiert wurde. Hinzu stießen die drei Oxford-Graduierten Michael Palin, Eric Idle und Terry Jones, sowie der Amerikaner Terry Gilliam: "Monty Python`s Flying Circus"- die Erfolgs-Comedy-Serie läuft seit 1969 ständig irgendwo auf der Welt im Fernsehen. Seit der Sketch "Ministry of Silly Walks" das erste mal gesendet wurde, wird John immer wieder von Passanten aufgefordert, ein paar blödsinnige Gangarten zu demonstrieren...Auf die Serie folgten Filme der Truppe: "Ritter der Kokosnuss" (1975, John gibt den unverfrorenen Recken Lancelot) und "Das Leben des Brian" (1979). John trat später auch in Filmen anderer Ex-Pythons auf, in "Time Bandits" von Terry Gilliam (1981, John ist der leutselige Robin Hood) und "Eric der Wikinger" von Terry Jones (1989). Sein eigener erster Erfolg außerhalb der Pythons war die Comedyserie "Fawlty Towers" (1975). Hollywood-Ruhm gab`s dann 14 Jahre später, mit "Ein Fisch namens Wanda"- eine Oscar-Nominierung fÜr das beste Drehbuch (gemeinsam mit Charles Chrichton). Diesem Hit folgte ein recht lahmer zweiter Film, mit exakt derselben Besetzung, "Wilde Kreaturen" (1997). John hat auch stets andere interessante Projekte am Laufen: er war als Co-Autor an zwei psychologischen Ratgebern beteiligt- "Families- and how to survive them" (1984) und "Life and how to survive it" (1996). Außerdem gründete John die Firma "Video Arts", die Filme für Management-Training produziert. Einige Titel: "Meetings, bloody Meetings", "Who sold you this, then". Und er ist Dozent an der Cornell University in Ithaca (Staat New York), für die Fächer Psychologie und Comedy. Seit 1992 ist er mit der Therapeutin Alyce Faye Eichelberger verheiratet. Aus zwei vorangehenden Ehen hat er die Töchter Cynthia und Camilla. Thomas Goya zählt mit Sicherheit zu den wichtigsten und interessantesten Malern Spaniens. Mit Carlos Saura hat nun ein umstrittener, aber auch hoch geachteter Künstler Spaniens versucht, diesem Maler mit dem Medium Film ein Denkmal zu setzen, ihn gleichzeitig zu ehren und auseinanderzunehmen. Mit gut einem Jahr Verspätung kommt Sauras Film "Goya" nun in deutsche Kinos. Natürlich sind die Erwartungen sehr hoch. Meine Erwartungen hat Saura enttäuscht, oder besser: er hat meine Befürchtungen bestätigt.
Um dem Leben Goyas entgegenzutreten, wählt Saura einen vielleicht unkonventionellen Weg. Er stellt die letzten Tage Goyas im Exil in Bordaux nach, wo er mit seiner Frau und Tochter von Fieberträumen geschüttelt sein Leben noch einmal Revue passieren läßt. So entsteht eine Kollage aus Szenen, die teilweise die Gegenwart, die Vergangenheit oder auch Goyas (Alb-)Traumwelten nachempfinden. Dabei nimmt Saura die Bilder Goyas als eine Art Ausgangspunkt, von dem aus sich die Außenwelt, wie das Innere des Künstlers wiederspiegeln sollen.
Dementsprechend wirkt "Goya" sehr episodenhaft. Carlos Saura hat wohl bewußt eine kreisförmige Struktur als das Symbol des Lebens Goyas genommen: Sein Film kreist um die Figur des Künstlers, dreht sich mal hierhin, mal dahin, versucht, die Gesamtfigur durch kurze Momentaufnahmen spürbar zu machen. Dies gelingt auch mitunter, aber aufgrund seiner sehr durchdachten und komponierten Form, vermag "Goya" keine emotionale Bindung aufzubauen, die ein durchgehendes Interesse aufkommen ließe. Trotz zeitweise grandioser Bilder von Kameramann Vittorio Storaro und aufpeitschender Musik von Roque Banos mag selten eine wirkliche Bindung zur Leinwand entstehen. Zu virtuos wirkt das Ganze, zu gewollt künstlerisch.
Hier wären wir bei der großen Schwäche von "Goya", die - so muss ich zugeben – fürmich auch dadurch aufkommt, dass ich mit den Klischees des Kunstkinos, vor allem des europäischen, so meine Probleme habe. So frage ich mich, ob die runde, zyklische Struktur wirklich gewählt wurde, um der Figur Goyas entgegenzukommen, oder ob hier eher eine Modeerscheinung des Avandgardismus zum tragen kam. Dazu frage ich mich, wieso die an sich sehr starken und mitreißenden Bilder immer wieder von der Tonebene durch bewußt bedeutungsschwer vorgetragenen Dialog zerstört werden mussten. Das Gefühl, hier wieder eine Art Künstler-Legetimierung zu sehen, ist und bleibt ein absolut toter Punkt beim Filmschauen. Dazu komponiert Saura Dinge zueinander, die nicht unbedingt passen. So empfindet die berühmte Theatertruppe La Fura dels Baus in einer an sich mitreißenden Sequenz die Radierungen "Schrecken des Krieges" nach. Doch das Ganze passt nicht auf die Leinwand. So etwas muss man live sehen, Kino hat andere Qualitäten, wie etwa in der Sequenz deutlich wird, als Goya seiner Tochter von den Hofintrigen erzählt und dabei im Hintergrund die passenden Gemälde eingeblendet werden, die Goya zu dieser Zeit von den dortigen Menschen malte.
In einer Szene sagt Goya, dass es die große Qualität von Velasquez gewesen sei, dass er seine Bilder immer etwas unfertig gelassen hätte. Goya übernahm- dem Film nach - deswegen auch diese Art und Weise des Malens. Ich hätte mir gewünscht, dass sich auch der Filmemacher Carlos Saura daran gehalten hätte. Sein Film wirkt bei all der Bildgewalt etwas zu geleckt und komponiert – dabei hält sich Saura sonst auch an die Bilder des Meisters.




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