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Kritik: O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee (2000)


Die weltweit zuverlässigsten Lieferanten geistreicher cinéastischer Feinkost waren in den 90er Jahren die Brüder Joel und Ethan Coen. Stets hatten sie ihre vielschichtigen Geschichten mit gradlinigen Plots versehen und diese in z.T. recht kuriose Genrezwitter gekleidet. Mannigfaltig waren dabei die Verbeugungen der versierten Kenner der Filmgeschichte gerade vor dem klassischen Hollywoodkino. Zitieren ist für Cinéasten wie die Coens dabei gewissermaßen Ehrensache, kopieren gleichwohl verpönt für die überzeugten Independent-Regisseure. Ihre bisherigen acht Filme sind ausnahmslos Meisterwerke, denen allein ihre gelegentlich kalte Perfektion hin und wieder vorgeworfen wurde. Vor allem auf die bislang einzige Großproduktion der Coens, " Hudsucker", mag dies zutreffen. Und in gewisser Weise gilt es auch dem neuesten Streich der Brüder.
"O Brother, Where Art Thou?" ist ein Film von erlesener Schönheit. Grandiose Bilder in Cinémascope und eine gewohnt virtuose Inszenierung vermitteln fast so etwas wie eine Lehrstunde in Sachen Geschichtenerzählen in bewegten Bildern. Aber irgendwie ist es genau diese atemberaubende Perfektion, das absolut lückenlos korrespondierende Ineinandergreifen des gesamten filmsprachlichen Vokabulars, die eine Barriere schafft und auf Distanz hält. Das bewundernde Staunen über diesen in vielerlei Hinsicht sagenhaften Film konstituiert sich allein im Kopf des Zuschauers, sein Herz wird kaum angesprochen.
Dabei ist "O Brother..." ein zum Brüllen komischer Film. Erzählt wird eine freie Version von Homers Odyssee. Bei den Coen Brüdern ist es eine skurrile Reise durch die Mythen des amerikanischen Südens. Unterwegs sind, in den 30er Jahren zur Zeit der Depression, drei Kettensträflinge auf der Flucht vor dem Gesetz. Die einzelnen Stationen der Flucht, jeweils Episoden in denen auf das köstlichste die Mythen der Südstaaten veralbert werden, sind mit einer unglaublichen Fülle stimmiger Gags ausgestattet. Das Manko von "O Brother..." besteht wohl darin, dass der Film ein wenig in seine einzelnen Sequenzen zerfällt. Dass der große erzählerische Bogen fehlt, mag u.U. an gravierenden Kürzungen liegen. Man hat teilweise den Eindruck, die vorliegende Kinofassung, wäre eher die Aneinanderreihung der Highlights eines viel längeren Films. Aber trotz derlei Einschränkungen bleibt "O Brother..." ein Musterbeispiel für intelligente Unterhaltung auf höchstem Niveau und, nicht zu vergessen, mit famosen Darstellern.

Thomas

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Filme von Joel und Ethan Coen sind meist so bizarr und einzigartig wie ihre Titel. "O Brother, Where Art Thou" ist da keine Ausnahme – die Anspielung auf Preston Sturges "Sullivans Reisen" ist für deutsche Titelschmieden einfach nicht zu übersetzen. Homers Odyssee als Vorlage für eine lose, mit vielen Filmzitaten gespickte Anthologie – gerade solche Unvereinbarkeiten sind die Hauptinspiration der Coens ("The Big Lebowski"), die sich hier zwanglos auf eine absurde Reise mit absurden Zwischenstopps begeben.

Neben George Clooney (mit Bleistiftbärtchen und Pomadenhaar) feiern die Fans ein Wiedersehen mit den üblichen Verdächtigen, die jeden Film der Coen-Brüder zieren. Anhänger ihrer früheren vertrackten Kriminalkonstrukte werden diesmal jedoch enttäuscht: Die amüsanten Episoden sind an eine Handlung angebunden, die diesen Namen eigentlich nicht verdient. Der Zufall führt Regie – dazwischen liegt viel Zeit zum Trödeln, Schmunzeln und Wohlfühlen.

Die ausgefeilte Optik, farblich dezent ausgebleicht, bannt das weite Land des Südens auf die Leinwand. Dessen Lebensrhythmus spiegelt sich im Tempo dieses Streifens wider, in zahlreichen Details und in der musikalischen Mixtur aus Soul, Country und Bluegrass, die Clooney, Nelson und Turturro lippensynchron zum Besten geben. Mit ihrer altgriechischen Südstaaten-Exkursion haben die Coens ihren ersten Feel-Good-Streifen abgeliefert. Aber gerade das ist diesmal die Entdeckung.

Fazit: Chain-Gang-Odyssee: entrückte, zitatenreiche Reise in die Südstaaten der großen Depression – mit dem besonderen Humor der Coen-Brüder.






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