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Kritik: The Man Who Wasn´t There (2001)


Wer an den letzten beiden "Coen"-Filmen ("The big Lebowski", "O Brother, where art thou?") die Fülle bizarrer Typen sowie Situationseinfälle geschätzt hat, der muss gedanklich einen Gang zurückschalten, um auch bei "The Man who wasn‘t there" auf seine Kosten zu kommen. Die schrägen komödiantischen Elemente sind der tragischen Geschichte um einen Friseur gewichen, der Ende der 40er Jahre in einer kalifornischen Kleinstadt lebt. Seine Frau betrügt ihn mit ihrem Chef, einem Kaufhausbesitzer, und berufliche Ambitionen hat er längst nicht mehr, so dass ihn die Tristesse des Alltags fest im Würgegriff hat. Als ihm ein windiger Vertreter das Angebot macht, in ein Trockenreinigungsgeschäft einzusteigen, sieht der Barbier seine Chance gekommen. Da er vom Seitensprung seiner Frau weiß, erpresst er anonym ihren Chef um die erforderliche Investitionssumme. Als der jedoch herausfindet, wer hinter dem Drohbrief steckt, kommt es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Kaufhausbesitzer getötet wird. Unter Mordverdacht landet jedoch nicht der Friseur im Gefängnis, sondern seine Frau, da sie für ihren Chef die Bücher frisiert hatte.

Im eleganten Gewand des "Film Noir" widmet sich "The Man who wasn’t there" der Konsistenz des amerikanischen Jedermanns. Auf einem scheinbar abgegrasten Feld (der Wunsch des Durchschnittsbürgers nach einem anderen Leben) entfaltet sich nicht nur eine, in stimmungsvollen schwarz-weiss-Bildern erzählte, Hommage an Vorbilder aus den 50er Jahren, sondern eine philosophische Hinterfragung ihres gängigen Hauptfigurtypus. Konsequent steigert sich die Gewöhnlichkeit dieses Jedermanns bis zur Durchsichtigkeit. Er befindet sich zwar im Zentrum der Handlung, existiert quasi aber nicht, da ihn niemand bei seinem schändlichen Tun bemerkt. Ironischerweise wirft man ihm jedoch etwas vor, mit dem er nichts zu tun hat. So entwickelt sich ein tragikomisches Vexierspiel um eine Gesellschaft, in deren festgefügter Welt der Einzelne untergeht.






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