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A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn
A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn
© United International Pictures

Kritik: A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn (2001)


Selbst wenn einem Zuschauer "A Beautiful Mind" nicht besonders liegen mag, muss dieser in jedem Fall zugeben, dass nach dem ungezählten "Ey Mann, wo is mein Auto"-Mist, den Hollywood besonders 2001 auf die ins Kino gehende Menschheit losgelassen hat, "A Beautiful Mind" ein Stück bester Hollywood-Tradition in Sachen Drama, Schauspielkunst und intelligente Unterhaltung darstellt. Im Mittelpunkt steht dabei ein Anti-Held, der mit Russell Crowe hervorragend besetzt worden ist, denn so wie sich Nash im Film der Mathematik verschrieben hat, alles Andere dieser unterordnet, und dessen soziale Fähigkeiten völlig unterentwickelt sind, so ist Crowe als Schauspieler bekannt, der bei seinen Darstellungen keine Kompromisse macht und der Presse mit einer groben Herablassung begegnet. Hier hat eine Rolle ihren perfekten Schauspieler gefunden oder umgekehrt - in jedem Fall mit grandiosem Ergebnis: Crowe zeigt eine unglaubliche Palette mimischer Ausdrücke, Gestiken und Ticks, nicht nur über den ganzen Film gesehen, sondern oft in einer Szene, einer einzigen Einstellung gar. Er hält "A Beautiful Mind" von Beginn an zusammen, denn eigentlich gibt es nicht viel, was den Zuschauer für die Figur Nash interessieren könnte: Keine Vergangenheit und keine besonders sympathische Ausstrahlung. Als Mathematiklaie kann man darüber hinaus auch weder abschätzen, was Nash erreichen will, noch würdigen, was er erreicht hat. Aber Crowe vermag es, Mitleid für diesen Charakter zu erwecken, der trotz seiner fachlichen Triumphe stets einsam und traurig wirkt. Die Liebesgeschichte mit Jennifer Connelly überzeugt für sich genommen nicht besonders, ist als Erzählelement aber unverzichtbar, denn wenn Nash der Schizophrenie anheimfällt, braucht der Zuschauer eine neue Identifikationsfigur, eine "gesunde" Person, deren Blick das Publikum nicht täuscht wie der von Nash. Es ist dann auch dieser Mittelteil des Films, der einen wirklich fesselt, wenn die Perspektive auf einmal wechselt und man mit Schrecken - ähnlich wie mit Shelley Duvall in "The Shining" - feststellen muss, dass die Hauptfigur wahnsinnig geworden ist. Der Kampf gegen die Schizophrenie und die Krankheit selbst sind von Regisseur Ron Howard ähnlich minimalistisch gezeichnet wie der erste Teil von "A Beautiful Mind", und das ist gut so, damit die Geschichte nicht zu einer verfilmten Krankenakte gerät, sondern sich weiter um den Kampf eines Mannes um einen Platz im Leben im Einklang mit der Zahlenwelt dreht. Die Spannung im Mittelteil wird nicht nur durch die phantastischen Darstellerleistungen von Crowe und Miss Connelly getragen, sondern auch den hervorragenden Nebendarstellern wie Ed Harris, Paul Bettany und Christopher Plummer. Leider kann die letzte halbe Stunde da nicht mehr mithalten und wirkt nur noch wie das Bemühen, das unvermeidliche Happy End hinauszuzögern, damit es nicht zu aufgesetzt wirkt. Leider tut es das doch, weil es wirklich mit einem Anlauf von 100 Metern angekündigt scheint, wie zum Beispiel in der "ergreifenden" Szene, in der Nash von seinen Kollegen geehrt wird. Hier nimmt Hollywood und der Wunsch, auf die Tränendrüse zu drücken, dann bedauerlicherweise wieder mal überhand, und das Ganze wirkt doch arg durchschaubar. "A Beautiful Mind" überzeugt insgesamt aber als ein gut gemachtes und stets interessantes Drama, das sich erfolgreich bemüht, die Grenze von Genie und Wahnsinn in Szene zu setzen und dabei das Glück hat, mit Russell Crowe einen Darsteller in Hochform aufbieten zu können.





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