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Iris (2001)

US-Drama über das Leben der irischen Autorin Iris Murdoch, die an Alzheimer erkrankte, und ihren Mann John Bailey, der sie bis zu ihrem Tod begleitet. Superb gespielt und ohne Rührseligkeit inszeniert, aber nur phasenweise wirklich packend...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

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"Es ist, als lebe man in einem Märchen. Ich bin der junge Mann, der sich in die schöne Jungfrau verliebt hat, die ab und zu in eine unbekannte und geheimnisvolle Welt entschwindet... aber doch immer wieder zurückkehrt." - John Bayley über (die wirkliche) Iris Murdoch. Die gefeierte Literatin und Denkerin Iris Murdoch ist seit mehr als 40 Jahren mit dem Literaturkritiker John Bayley verheiratet. Schon in den frühen Tagen ihrer Romanze war die überlegene Autorin diejenige, die das Sagen hatte. John stand stets in ihrem Schatten und musste akzeptieren, dass Iris ihre Freiheit auch mit anderen Männern und Frauen zelebrierte. Und doch blieben die beiden ein Paar und wuchsen im Lauf der Jahre immer näher zusammen. Bis zu jenem schicksalhaften Tag im Jahr 1997, als ihr Leben auf den Kopf gestellt und ihre Beziehung einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt wird: Die Ärzte diagnostizieren Alzheimer bei Iris. Doch John ist nicht bereit, die Liebe seines Lebens kampflos aufzugeben... Der Film basiert auf dem Leben der erfolgreichen irischen Autorin und Philosophin Iris Murdoch.

Filmkritik

Die irische Schriftstellerin Iris Murdoch lebte von 1919 bis 1999. Sie war eine unabhängige, scharfsinnige Frau, die mit ihren Romanen und Essays zu den bedeutendsten englischsprachigen Autoren des letzten Jahrhunderts gehörte. Aber 1994 wurde Alzheimer bei Miss Murdoch diagnostiziert, und die einstmals so redegewandte Frau verlor bald ihre Sprache und sämtliche geistige Fähigkeiten. Ihr Mann, der Literaturprofessor John Bailey, schrieb zwei Bücher über seine Frau, ihr Zusammenleben und die letzten Jahre, bis die geistig Erkrankte in einem Altenheim starb: "Iris: A Memoir" und "Elegy for Iris". Theaterregisseur Richard Eyre adaptierte zusammen mit Charles Wood die Bücher für die Leinwand und führte auch Regie.

Und er fällte die Entscheidung, die Geschichte nicht stringent zu erzählen, sondern zwischen Vergangenheit - Iris und John lernen sich im Oxford der Fünfziger kennen und lieben - und der Gegenwart - Iris verliert sich mehr und mehr in der Alzheimer-Krankheit - hin und her zu springen. Keine weise Entscheidung. Von seiner möglichen Kraft verliert der Film durch diese Konstruktion sehr viel. Wir kennen Iris und ihre mutmaßliche Genialität kaum, so dass uns ihre Erkrankung, die schnell eingeführt wird, nicht so berührt wie nötig, da wir uns noch nicht besonders mit ihr identifizieren können. Es bleibt oft auch unklar, was die Vergangenheitsszenen nun gerade mit denen der Gegenwart zu tun haben, sie wirken willkürlich eingestreut und häufig wie Fremdkörper. Dem Zuschauer ist es kaum möglich, die Dramatik der Gegenwart zu ermessen, wenn unvermittelt immer wieder Szenen aus der Vergangenheit dazwischenfahren. Lediglich an einer Stelle - als John die Nerven verliert und Iris beschimpft - wirft diese Konstruktion eine Dividende für den Zuschauer ab.

Was "Iris" dennoch zu einem phasenweise sehenswerten Drama macht, sind die Leistungen der Darsteller in den Hauptrollen: Judi Dench überzeugt uneitel als verwirrter Geist, aber eigentlich ist dies Jim Broadbents Film. Sein "Oscar"-Gewinn ist völlig gerechtfertigt, wenn auch unklar ist, weshalb Broadbent als Nebendarsteller nominiert gewesen ist. Als hilflos-ehrpusseliger Gelehrter, welcher der Krankheit seiner Frau erst hilflos begegnet, dann oft zynisch begleitet, bringt er eine fabelhafte Leistung. Seine Rede in der Kirche, die ihm entgleitet, ist einer der Höhepunkte des Films und der Schauspielkunst.

Kate Winslet und Hugh Bonneville spielen die jüngeren Versionen von Iris und John und liefern passable Leistungen ab, die aber ihren älteren Kollegen nicht das Wasser reichen können. Dies gilt auch handlungsmäßig. Eigentlich alle erinnerungswerten Szenen sind die mit Miss Dench und Broadbent.

Als Versuch einer Biographie der großen Schriftstellerin Iris Murdoch scheitert "Iris", als Beschreibung einer ungewöhnlichen Beziehung ist er teilweise erfolgreich, als Schauspielerkino, das den Zuschauer berührt und packt, ist er ein Triumph.





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Land: USA, Großbritannien
Jahr: 2001
Genre: Drama
Länge: 90 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 16.05.2002
Regie: Richard Eyre
Darsteller: Juliet Howland, Kate Winslet, Saira Todd
Verleih: Buena Vista

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