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Kritik: Iris (2001)


Die irische Schriftstellerin Iris Murdoch lebte von 1919 bis 1999. Sie war eine unabhängige, scharfsinnige Frau, die mit ihren Romanen und Essays zu den bedeutendsten englischsprachigen Autoren des letzten Jahrhunderts gehörte. Aber 1994 wurde Alzheimer bei Miss Murdoch diagnostiziert, und die einstmals so redegewandte Frau verlor bald ihre Sprache und sämtliche geistige Fähigkeiten. Ihr Mann, der Literaturprofessor John Bailey, schrieb zwei Bücher über seine Frau, ihr Zusammenleben und die letzten Jahre, bis die geistig Erkrankte in einem Altenheim starb: "Iris: A Memoir" und "Elegy for Iris". Theaterregisseur Richard Eyre adaptierte zusammen mit Charles Wood die Bücher für die Leinwand und führte auch Regie.

Und er fällte die Entscheidung, die Geschichte nicht stringent zu erzählen, sondern zwischen Vergangenheit - Iris und John lernen sich im Oxford der Fünfziger kennen und lieben - und der Gegenwart - Iris verliert sich mehr und mehr in der Alzheimer-Krankheit - hin und her zu springen. Keine weise Entscheidung. Von seiner möglichen Kraft verliert der Film durch diese Konstruktion sehr viel. Wir kennen Iris und ihre mutmaßliche Genialität kaum, so dass uns ihre Erkrankung, die schnell eingeführt wird, nicht so berührt wie nötig, da wir uns noch nicht besonders mit ihr identifizieren können. Es bleibt oft auch unklar, was die Vergangenheitsszenen nun gerade mit denen der Gegenwart zu tun haben, sie wirken willkürlich eingestreut und häufig wie Fremdkörper. Dem Zuschauer ist es kaum möglich, die Dramatik der Gegenwart zu ermessen, wenn unvermittelt immer wieder Szenen aus der Vergangenheit dazwischenfahren. Lediglich an einer Stelle - als John die Nerven verliert und Iris beschimpft - wirft diese Konstruktion eine Dividende für den Zuschauer ab.

Was "Iris" dennoch zu einem phasenweise sehenswerten Drama macht, sind die Leistungen der Darsteller in den Hauptrollen: Judi Dench überzeugt uneitel als verwirrter Geist, aber eigentlich ist dies Jim Broadbents Film. Sein "Oscar"-Gewinn ist völlig gerechtfertigt, wenn auch unklar ist, weshalb Broadbent als Nebendarsteller nominiert gewesen ist. Als hilflos-ehrpusseliger Gelehrter, welcher der Krankheit seiner Frau erst hilflos begegnet, dann oft zynisch begleitet, bringt er eine fabelhafte Leistung. Seine Rede in der Kirche, die ihm entgleitet, ist einer der Höhepunkte des Films und der Schauspielkunst.

Kate Winslet und Hugh Bonneville spielen die jüngeren Versionen von Iris und John und liefern passable Leistungen ab, die aber ihren älteren Kollegen nicht das Wasser reichen können. Dies gilt auch handlungsmäßig. Eigentlich alle erinnerungswerten Szenen sind die mit Miss Dench und Broadbent.

Als Versuch einer Biographie der großen Schriftstellerin Iris Murdoch scheitert "Iris", als Beschreibung einer ungewöhnlichen Beziehung ist er teilweise erfolgreich, als Schauspielerkino, das den Zuschauer berührt und packt, ist er ein Triumph.





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