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Kritik: Bruce Allmächtig (2003)


Allmächtiger! Ein himmlisches Geschenk: Wenn ein vom Pech verfolgter Fernsehmoderator über Nacht zum Teilzeit-Gott mutiert, ist für die Menschheit Schluss mit lustig. Das Kinopublikum hat dafür umso mehr zu lachen - vor allem, wenn es sich dabei um einen himmelschreiend komischen Jim Carrey handelt, der als "Bruce Allmächtig" gnadenlos die Lachmuskeln traktiert, die tiefsten Niederungen dümmlichen Klamauks dabei jedoch haarscharf umschifft. Was mag einer wohl tun, wenn er vorübergehend Gottes Platz einnehmen darf? Krankheit, Tod und Hunger aus der Welt verbannen? Globale Zwangsabrüstung? Friede auf Erden? Nicht, wenn man Jim Carrey heißt und hinter einer scheinbar harmlosen Fassade stets ein wenig diabolisch grinst. Carreys Gott lässt jeden Bürger ein par Dollar in der Lotterie gewinnen, spielt unliebsamen Mitmenschen recht derbe Streiche, macht seinen Köter stubenrein, lässt sich auf Kosten anderer befördern und hat genialen Sex mit seiner Freundin Grace (bodenständig: Jennifer Aniston aus "Friends"), der er Mond und Sterne buchstäblich vom Himmel holt. Selbst wenn dadurch halb Japan überflutet wird. Gott - das ist ein schwarzer Mann im weißen Anzug (zu gütig: Morgan Freeman). Gott ist geduldig: Er gibt sich sogar mit Bruce Nolan (Carrey) ab, einem provinziellen Fernsehreporter, der in Buffalo im US-Bundesstaat New York die eher leichte Kost serviert. Ein irrwitziger Ausraster während einer Live-Schaltung kostet ihn nicht nur die Beförderung zum Moderator, sondern gleich seine Stellung. Der vom Pech verfolgte Nolan hadert daraufhin mit seinem Schicksal - und wird, schließlich sind wir in Hollywood, von Gott erhört! Dieser bestellt Bruce per Pager in ein leer stehendes Gebäude, wirkt zum Beweis ein paar kleinere Wunder - und überträgt ihm den göttlichen Job samt seiner Macht. Bruce könne es, meint Gott, ja vielleicht besser machen. Kann er nicht. Denn "Bruce Allmächtig" kommt aus der Manufaktur von Regisseur Tom Shadyac, dem die Welt Werke wie "Der Dummschwätzer" und "Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv" verdankt. Das Skript für diese Farce ist Carrey also auf den Leib geschrieben und das Ergebnis himmelschreiend komisch. Denn Bruce Nolan ist ein eher infantiler Gott: selbstsüchtig, kapriziös und ohne Weitblick. So dauert es eine gewisse Zeit, bis er erkennt, dass Gottsein mehr bedeutet, als die eigenen Wünsche zu verwirklichen - und dass man für die Folgen seines Handelns sogar als Allmächtiger gerade stehen muss. Außerdem sind da Millionen von Gebeten, die beantwortet werden wollen. Kein leichter Job, wenn man in erster Linie mit sich selbst beschäftigt ist. Konzeptionell ist "Bruce Allmächtig" eine One-Man-Show für Carrey, dessen grenzgeniales komisches Talent hier hemmungslos zur Geltung kommt. Doch, und das ist die eigentliche Überraschung, seine Co-Stars halten mit - und den Film damit in der Balance. So geraten selbst die unvermeidlichen Klamauktiraden nicht zu dümmlich, und die maliziösen Untertöne drängen sich nicht als unangenehm bedrohlich auf. Selbst Carreys Ausraster sind mental eher unbedenklich. Kurzum: An der Gummizelle schrammt Jim Carrey auch als Teilzeit-Gott noch mal vorbei. Für "Bruce Allmächtig" gilt: Frank Capra meets "The Grinch", weshalb am Ende doch noch zuckersüß und weichgespült gepredigt wird. Wir sind schließlich in Hollywood, und eine einfache Moral von der Geschicht bleibt einem somit nicht erspart.





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