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Mann unter Feuer
Mann unter Feuer
© United International Pictures

Kritik: Mann unter Feuer (2004)


"Man on Fire": Schwarzer Mann sieht rot Die Rache ist sein Oscar-Preisträger Denzel Washington brilliert in einer mit Stakkatoschnitten aufgepeppten Elegie als Rächer zwischen Schicksal, Selbstgerechtigkeit und Nihilismus.
"Kill Bill", "The Punisher" und "Walking Tall": In der Traumfabrik ist wieder Rachesaison. Natürlich darf da Drehbuchautor Brian Helgeland (43) nicht fehlen, zu dessen gewalttätigem Oevre artverwandte Filme wie "Payback" und "Mystic River" zählen. In "Man on Fire", einem Remake von 1987, schickt Helgeland nun den zweifachen Oscar-Preisträger Denzel Washington auf einen Rachefeldzug ohne Wenn und Aber, der beim Zuschauer allerdings mehr Ambivalenz als eine eindeutige Position erzeugt. Zu verdanken ist das Tony Scott ("Spy Game", "True Romance"), einem auf MTV-Stil abonnierten Regisseur, dessen knapp zweieinhalb Stunden langes Bombardement aus schnellen Schnitten, Schwenks und farbmodifizierten Wackelbildern durchaus als Belastungsprobe für den visuellen Cortex angesehen werden darf. Dass es Scott dennoch gelingt, seine Geschichte packend zu erzählen und dreidimensionale Charaktere zu kreieren, ist beinahe paradox, belegt jedoch die handwerkliche Souveränität des 60-Jährigen, der immer noch im Schatten seines sieben Jahre älteren Bruders Ridley ("Gladiator") steht. Denzel Washington spielt als John Creasy einen ehemaligen Agenten, der im Auftrag des Staates offenbar Unsägliches begangen hat. Nun plagt den Aussteiger das Gewissen, und er hat ein Alkoholproblem. Dennoch vermittelt ihn sein alter Freund Rayburn (Christopher Walken) nach Mexiko City, um dort Pita, die kleine Tochter eines mexikanischen Geschäftsmannes (Marc Anthony) und seiner amerikanischen Frau (Radha Mitchell) zu bewachen. Denn Kidnapping ist in diesem Teil der Welt ein von Korruption und Filz gedecktes Alltagsdelikt und Pita (Dakota Fanning aus "Uptown Girls" und "Ein Kater macht Theater") ein sehr veritables Ziel. Vom Charme der Kleinen überwältigt, mutiert Creasy langsam vom distanzierten Bodyguard zur Vaterfigur. Als das Mädchen dann wirklich entführt und nach einer gescheiterten Geldübergabe beseitigt wird, hegt ihr schwer verletzter Beschützer nur einen Gedanken: tödliche Rache an allen, die an dem Verbrechen beteiligt waren. "Ein Mann sieht rot" und räumt dort auf, wo das Justizsystem versagt – das Thema ist, zumal in Hollywood, nicht neu. Die Selbstgerechtigkeit, mit der Charles Bronson in den 70er-Jahren das Gesetz in die eigenen Hände nahm, bröckelt in "Man on Fire" jedoch ab: Scott inszeniert seinen Vergeltungsfeldzug so brutal und kompromisslos, dass das anfängliche Gefühl eines gerechten Ausgleichs zusehends einer Art von Nihilismus weicht. Mit jedem Täter, der Creasy zum Opfer fällt, wächst die Gewissheit, dass es in "Man on Fire" schließlich nur Verlierer geben kann.




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