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Drachenzähmen leicht gemacht
Drachenzähmen leicht gemacht
© Paramount Pictures Germany GmbH

Kritik: Drachenzähmen leicht gemacht (2009)


Kaum ein ordentlicher Fantasyfilm ohne die beschuppten und oft beflügelten Kameraden. Die Viecher, die ein wenig an Saurierverwandte erinnern und schon manch einem tollkühnen Recken den Garaus machten, verleihen dem Genre erst die richtige Würze. Ganz klassisch treten Drachen meist als fürchterliche feuerspeiende Bestien auf. Und ob in Legenden, in der Literatur oder im Film: Ihnen gebührt als mythische Wesen ein ganz besonderen Stellenwert.

Die Animationsschmiede Dreamworks, die Knüller wie "Shrek", "Madagaskar" oder "Kung Fu Panda", produzierte, bringt jetzt ein fetziges 3D-Spektakel in die Kinos, das vom Jahrhunderte währenden Kampf zwischen Drachen und Wikingern auf der kleinen Insel 'Berk', hoch oben im Norden, erzählt. Dort befinden sich die robusten Nordmänner in einem steten Clinch mit einer ganzen Menagerie an überaus gefährlichen Drachen, die regelmäßig ihre Siedlung überfallen und den Wikingern die Schafe wegfressen. Selbstverständlich sind die Wikinger inzwischen Experten im Erlegen von Drachen geworden. Einen gibt es aber, den fürchten sie mehr als alle anderen: den 'Nachtschatten'. Eine Kreatur, die blitzschnell aus der Dunkelheit zuschlägt. Keiner weiß genau wie er aussieht, schließlich hat noch nie jemand eine Konfrontation mit diesem Wesen überlebt, um davon berichten zu können.

Ausgerechnet dem schmalbrüstigen Hicks, dem Sohn des Führers des Wikingerstammes, dem niemand zutraut in einem Kampf gegen einen Drachen mehr als ein paar Sekunden zu überleben, gelingt es aber mittels einer selbstentwickelten Apparatur einen 'Nachtschatten' abzuschießen. Doch niemand glaubt ihm. Hicks macht sich auf die Suche nach dem Biest, anstatt aber einen toten Drachen zu finden, stößt er auf eine verwundete und verängstigte Kreatur. Ohne dass die anderen Wikinger davon Wind bekommen, versucht Hicks dem vermeintlichem Monster näher zu kommen und stellt bald fest, dass durchaus ein Weg der Verständigung existiert. Vielleicht ist das sogar der Beginn einer ebenso wundervollen wie außergewöhnlichen Freundschaft.

Überaus gelungen ist den Kreativen das Design von "Drachenzähmen leicht gemacht". Die Wikinger sind bärenstarke Kampfkolosse und die Drachen eine wundersam-bizarre Freakshow. Auch die 3D-Technik erweist sich als Gewinn. Vielleicht nicht so zwingend wie bei "Avatar", dennoch fügt die dritte Dimension auch hier der akrobatischen Flugshow einiges hinzu. Der Streifen kann aber auch in Punkto Figurenzeichnung punkten: Hicks & Co. sind nicht eindimensional-inhaltsarme bunte Hüllen. Mit Liebe zum Detail hat man ihnen Persönlichkeit verliehen und auch darauf geachtet, Dialoge zu gestalten, bei denen sich ältere Kinogänger durchaus nicht langweilen brauchen.

Ultimatives Highlight des Films ist aber natürlich der geheimnisvolle 'Nachtschatten'. Der hat zwar keinen Text und erinnert optisch irgendwie an eine Mischung aus Molch und Miezekatze, punktet aber als echter Charmebolzen mit Stitch-look-alike-Mimik. Kein Wunder, sind die Macher von "Drachenzähmen leicht gemacht", doch auch die Regisseure von "Lilo & Stitch" gewesen. Damals wurde natürlich unter Disneyhochheit produziert, was dazu führte, dass der Streifen seinerzeit final im üblichen Kitsch ersoff. Hier zeigt sich nun eine weitere Stärke von "Drachenzähmen leicht gemacht": Zwar ist und bleibt der Streifen ein familientauglicher Jugendfilm, der mit naiven Grundstrukturen operiert und auch mit teils sehr simplen Auflösungen aufwartet, trotzdem gelingt es ihm anderseits sich Ecken und Kanten zu bewahren und wenn schon nicht mit einem atypischen Ende komplett zu überraschen, zumindest mit einer ungewöhnlichen Wendung etwas Diskussionsstoff zu liefern.

Fazit: Sehr gelungener Animationsfilm, der Jung und Alt gleichermaßen verzaubern kann. Vordergründig ein temporeicher Spaß in toller 3D-Optik, wartet der Film aber auch mit anderen Qualitäten auf: Die Figuren sind facettenreich entwickelt und die Story ist ordentlich durchdacht. Dazu entwickelt sich eine positive Aussage über die Möglichkeit des Gelingens der Kommunikation zwischen zwei sehr unterschiedlichen Wesen. Eine wichtige Lektion, die auch im Alltag einer multikulturellen Gesellschaft Kindern wie Jugendlichen durchaus von Nutzen sein sollte.




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