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Cassandras Traum
Cassandras Traum
© 2007 Constantin Film, München

Kritik: Cassandras Traum (2007)


Woody Allens dritter London-Film ist gewissermaßen eine moralische Entschuldigung für "Match Point" – und dementsprechend lasch: Vorhersehbare Story, kein Humor und eine wackelige Allegorie um Schicksal, Schuld und Sühne, die selbst Gymnasiasten, die gerade Christa Wolf lesen (müssen) nerven dürfte.
Die Handlung: Zwei Londoner Brüder, Ian (Ewan McGregor) und Terry (Colin Farrell), stecken bis zum Hals in Schulden: Terry ist spielsüchtig und frönt dem Alkohol, Ian schwer in eine anspruchsvolle Diva verliebt. Als sich ihre finanzielle Situation zuspitzt, lassen sich die beiden auf einen finsteren Handel ein...

Sehenswert ist der Film allein der Schauspieler wegen; allen voran Colin Farrell, der mit seiner eindringlichen Darstellung des von Gewissensbissen geplagten Mechanikers seiner Karriere den entscheidenden Neustart verpassen könnte. McGregor gibt routiniert den ehrgeizigeren, berechnenderen Bruder – wenn auch die Liebesgeschichte, die seinen Charakter antreibt, absolut nicht überzeugt.
Überhaupt  fehlt "Cassandras Traum" all das, was "Match Point" auszeichnet. Es scheint, als würden Allen Ideen und der ihm sonst übliche gewitzte Charme in der Inszenierung ausgehen. Beide Brüder verfallen ganz einfach einem eitlen Anspruchsdenken mit dumpfer, unersättlicher Gier, die bei den wenigsten Sympathien wecken dürfte. Die Frau (Hayley Atwell), derentwegen McGregors Charakter alles riskiert, wirkt leblos – vage sexy ist sie zwar, aber mitnichten eine Femme Fatale. Die Dialoge sind – zumindest in der deutschen Fassung – hölzern und zuweilen arg Klischee-lastig. Was bei einem Woody Allen-Film schon einige Fragen aufwirft. 
Dabei entwickelt der Film zeitweise tatsächlich Tempo und Spannung, sobald die Brüder sämtliche Skrupel über Bord werfen und sich zu einer grauenhaften Tat überreden lassen.  Und zwar von Tom Wilkinson, der als Wunderonkel Howard die lahmste Vorstellung überhaupt hinlegt – was mit Sicherheit an den bleiernen Sätzen liegt, die Allen ihm in den Mund legt. Am ärgerlichsten stößt dann aber das fransige, fragwürdig moralische Ende auf.

So wie "Match Point" für Allen - dessen Humor offenkundig nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit liegt - ein überraschend frischer, präziser und unterhaltsamer Vorstoß ins Thriller-Genre darstellte, bewegt er sich mit "Cassandras Traum" weit hinter sein übliches Niveau zurück. Dennoch dürfte der Film dank der soliden Darstellungen seiner Stars nicht ganz untergehen.





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