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Ice Age 3 - Plakat
Ice Age 3 - Plakat
© 2009 Twentieth Century Fox

Kritik: Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los (2008)


Vor einiger Zeit eroberte eine illustre und leicht merkwürdige Urzeit-Combo im Fluge die Herzen der Kinofreunde: „Manni“ das melancholische Mammut, „Diego“ der moralische Säbelzahnkater und „Sid“ das meschuggene Faultier. Die drei Eiszeitbewohner, die optisch so gar nicht zusammenpassen wollten, wurden schnell dicke Kumpels und nannten sich fortan eine "Herde". Im ersten Teil ihrer Eiszeitabenteuer befanden sie sich auf einer Mission: Ein menschliches Baby, dessen Mutter beim Angriff von Diegos Säbelzahnkumpanen ums Leben gekommen war, sollte seinem Vater zurückgegeben werden. Die Gefahren, welche die drei während ihrer gemeinsamen Reise überstanden, schweißten sie zusammen. Der kommerzielle Erfolg dieses ersten Teils lies einen zweiten folgen.
Und obwohl ganze vier Jahre zwischen den beiden Abenteuern lagen, wirkte die Handlung vom Sequel irgendwie nicht besonders liebevoll gestaltet und sorgsam durchdacht: Wirr und etwas konzeptlos eierte die Geschichte um das plötzliche Ende der Eiszeit und um Mannis romantische Gefühle der neu eingeführten Figur „Ellie“ gegenüber, einer Mammutdame, die sich eigentlich für ein Opossum hält.
In Teil drei haben sich die Figuren weiter entwickelt: Manni und Ellie sind im Begriff, eine Familie zu gründen. Diego spürt die Last des Alters, befindet sich gewissermaßen in einer Midlife Crisis, und Sid ist traurig, da sich kein Faultiermädchen findet, das ihn lieb haben möchte, und auch etwas Neid auf das kommende Elternglück der beiden Mammuts kommt auf. Endzeitstimmung also für die Freundschaft der "drei Musketiere". Kurz bevor alle ihres Weges gehen, findet Sid in einer Eishöhle drei verwaiste, überdimensionierte Eier. An die Sonne gebracht, schlüpfen, zur Überraschung aller, alsbald drei T-Rex-Babys. Vermeintlich vor 65 Millionen Jahren ausgestorben, hat sich unterirdisch eine Ur-Urzeit-Welt erhalten. Und offensichtlich vermisst jemand seine Sprösslinge. Plötzlich taucht Mama T-Rex auf und möchte ihre Kinder zurück, und als Sid sich todesmutig dazwischen wirft, um "seine Babys" zu verteidigen, wird er gleich mit verschleppt. Grund genug für alle, sich ins Abenteuer zu stürzen und in eine Welt zu begeben, in der ein Fünf-Tonnen-Mammut wie ein Hamster anmutet. Eines haben alle „Ice-Age“-Abenteuer gemeinsam: Sie bezaubern visuell mit allerneuester Animationstechnik. Da macht auch der dritte Teil keine Ausnahme. Und um dem Fortschritt Rechnung zu tragen, gibt es ihn in entsprechend ausgestatteten Lichtspielhäusern auch in 3D zu sehen. Das neueste Sequel macht überdies inhaltlich einiges besser als der zweite Teil: Die Charaktere wirken weniger hingeschludert, verfügen wieder über mehr Seelenleben und auch über die Geschichte wurde sich offenbar mehr Gedanken gemacht. Neu eingeführte Figuren werden sorgsamer gezeichnet, und die Balance zwischen rasanter Action und erzählerischen Momenten stellt sich durchweg ein. Anderseits wird der Trend, der im vorigen Teil (leider) eingeschlagen wurde, fortgesetzt: Auf die Wissensvermittlung wird nahezu kein Wert mehr gelegt. Zeichnete sich der erste Teil insbesondere dadurch aus, dass ganz beiläufig den Kids viel über die Urzeit, Aussterbeereignisse und die Lebewelt der Vergangenheit nahe gebracht wurde, war dieser Lehraspekt beim Nachfolger schon stark geschrumpft und ging bei Teil drei nun drei vollends hops.
Die Tiere sind bis zum Seifenopercharakter vermenschlicht, jegliches Verhalten, dass sie vom Homo Sapiens differenziert, ist beinahe unauffindbar und selbst das Töten und getötet werden im struggle for life ist auf Waldorfniveau verharmlost. In jeder Episode der „Muppet Show“ ging es wilder und brutaler zu. Dass dies nicht ohne Grund passiert, ist ersichtlich: „Ice Age 3“ ist absolut familientauglich und kindgerecht; wendet sich somit überwiegend an ein junges Publikum. Die einzig "intellektuellen Motive" finden sich bei den klassischen Anleihen für die unterirdische Urzeit-Welt: Hier wurde sich eindeutig bei Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und Arthur Conan Doyles „Die Verlorene Welt“ bedient. Und Dank einer neuen und völlig durchgeknallten Figur gibt sich Edgar Rice Burroughs „Tarzan“ gewissermaßen die Ehre. Sieht man von Kitsch- und Schmalzeinlagen, sowie davon, dass die Dinos hanebüchene Proportionen aufweisen, ab, kann man aber durchweg lustvoll auf seine Kosten kommen. Vor allem der heimliche Star, der selbstverständlich wieder mit an Bord ist, das Säbelzahneichhörnchen „Scrat“, hält mal wieder die Stimmung hoch. Diesmal widmet er sich ausgiebig der Liebe und, davon nicht trennbar, auch dem Geschlechterkampf. Fazit: „Ice Age 3“ garantiert witziges und actionreiches Unterhaltungskino auf schönem Niveau. Die Story ist abwechslungsreich, bietet reichlich Abwechslung und die lieb gewonnenen Figuren haben nichts von ihrem schrägen Charme verloren. Auf der anderen Seite ist die kindgerechte Verkitschung der Tierwelt auf den Höhepunkt getrieben und muss kritische Geister nicht unbedingt begeistern. Trotzdem ist´s ein großer Spaß, den man sich guten Gewissens gönnen darf.




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