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Kritik: Grace is Gone (2007)


Stanley Pillips (John Cusack) kann seinen Töchtern Heidi (12) und Dawn (10) nicht beibringen, dass ihre Mutter im Irakkrieg gefallen ist. Also packt er sie kurzerhand ins Auto und fährt mit ihnen von Minnesota nach Florida, zum Vergnügungspark "Enchanted Gardens" (Dawns Idee), um den Moment noch ein wenig aufzuschieben und die richtigen Worte zu finden.
Was nach einer emotionalen Tour de Force klingt, ist ein seltsam unbeteiligter, fast beiläufiger Roadmovie mit trüben Bildern, ein paar schauspielerischen Höhepunkten, aber insgesamt wenig Substanz. Die Macher wollten offensichtlich das amerikanische Mainstreampublikum nicht verschrecken, daher wird die Frage nach dem Sinn des Kriegs gar nicht gestellt. Kritik äußert dann allein Stanleys Bruder John – ein über dreißigjähriger Slacker, der auf der Couch seiner Mutter schläft. Diese Unentschlossenheit zieht sich durch den ganzen Film.
Stanley wird als geradliniger, konservativer Mittelklasse-Vater und Bush-Wähler eingeführt, den die Nachricht vom Tod seiner Soldatenfrau Grace – die nur als Stimme auf dem Familien-AB präsent ist - völlig aus der Bahn katapultiert. Auf der Fahrt nach Florida wird er zwar seinen Töchtern gegenüber etwas lockerer (wobei sich das gemeinsame Rauchen einer Zigarette arg nach Drehbuchübung anfühlt), ändert sich ansonsten aber überhaupt nicht. Cusack spielt den versteckt Trauernden zwar präzise und scheinbar mühelos, lässt Stanleys Charakter aber dennoch nicht völlig sympatisch erscheinen. Stattdessen erlebt seine Tochter Heidi - Shélan O'Keefe, eine echte Entdeckung – einige prägnante Coming-of-Age-Momente: Von der ungewohnten Impulsivität ihres Vaters mißtrauisch geworden, forscht sie vorsichtig nach dem Hintergrund - wobei sie dann die korrekte Erkenntnis nicht an sich heranlässt. Der Wonneproppen Dawn (Gracie Bednarczyk) scheint dagegen ausschließlich als niedlicher Lichtblick zu fungieren.
Die Fahrt führt durch die Einöde amerikanischer Vorstädte, mit monotonen Landschaften und unheimeligen Hotels. Was eigentlich das Augenmerk auf die Figuren lenken sollte, aber dank unspektakulärer Dialoge und Geschehnisse nur den Eindruck der langatmigen Beliebigkeit verstärkt. Gegen Ende drängt sich dann plötzlich ein Saccharin-geschwängerter Musicscore von Clint Eastwood auf, wohl um emotional doch noch Gas zu geben...
"Grace is Gone" ist ein gut gemeinter, wenn auch nicht völlig befriedigender Familienfilm. Der Irakkrieg wird nur vage thematisiert, was vielleicht im Hinblick auf den predigenden Unterton anderer jüngerer Filme zum Thema, die allesamt floppten, zu verstehen ist. Allerdings hätte auch der Familiengeschichte ein wenig mehr Tiefe und Handlung gut getan.





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