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Klopka - Die Falle
Klopka - Die Falle
© Progress Filmverleih

Kritik: Klopka - Die Falle (2006)


Früher, als verweigerungswillige Wehrpflichtige noch in aufwendigen Verfahren ihren Pazifismus beweisen mussten, kam angeblich häufiger folgende Fangfrage zum Einsatz: "Stell Dir vor, ein bösartiger Angreifer will deine Familie abschlachten, Du aber hast eine Waffe. Was tust Du?" Wer damals Wert auf die Zulassung zum Zivildienst legte, musste dann einigermaßen überzeugend darlegen, dass er lieber seine Familie würde abschlachten lassen, als selbst eine Waffe in die Hand zu nehmen – obwohl vermutlich die allerwenigsten in einer solchen Situation tatsächlich die eigene Familie opfern würden.
Vor ein ähnliches moralisches Dilemma stellt der serbische Regisseur Srdan Golubovic in seinem ebenso intelligenten wie gemeinen Psychothriller "Klopka – die Falle" seine Hauptfigur Mladen. Der liebende Vater findet sich plötzlich und völlig unvorbereitet in einer brutalen Situation wieder, der ihm den Boden unter den Füßen raubt: Der Sohn liegt todkrank im Hospital, und die Ärzte machen unmissverständlich klar, dass der Junge sterben wird, sollten die Eltern nicht €30000 für die notwendige Operation auftreiben. Aber woher sollen sie die nehmen?

Der letzte Strohhalm nach dem Mladen greift, ist eine Zeitungsannonce mit der Bitte um Hilfe – aber solche Annoncen finden sich zu hunderten in den Zeitungen, und statt der ersehnten Euros bringt sie dem immer tiefer in wortloser Verzweiflung versinkendem Ehepaar Mladen und Marija, deren Ehe unter der Belastung mächtig ins Wanken gerät, nur Hohn und Gelächter.
Bis sich bei Mladen ein Mann mit einem unmoralischen Angebot meldet: Er bietet einen Tausch, Leben gegen Leben - das Leben von Mladens unschuldigem Sohn gegen jenes eines reichen, korrupten Geschäftsmanns, der angeblich selbst über Leichen geht. Mladen macht sich die Entscheidung nicht leicht...

Srdan Golubovic, 1972 in Belgrad geboren, legt mit "Klopka – Die Falle" seinen zweiten Spielfilm vor. Schon sein 2001 veröffentlichter Debütfilm "Apsolutnih sto" wurde auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals ausgezeichnet, und auch der erst sechs Jahre später entstandene zweite Film, ein in realistischem Stil gedrehtes Psychodrama mit Thriller-Elementen, hat zu Recht bereits einige Preise einheimsen können.

In trotz ihrer Kälte schönen, klaren Bildern mit trüben Farben, führt der Sohn des 1994 verstorbenen Regisseurs Predrag Golubovic die Zuschauer ins moralische Niemandsland einer von sozialer Kälte geprägten Gesellschaft, in der all jene am meisten verlieren, die versuchen, sich ihre Unschuld zu bewahren.

Das Drehbuch, mit einer kräftigen Prise Sozialkritik von Srdjan Koljevic, Professor für Drehbuch an der Fakultät für dramatische Künste an der Universtität Belgrad, und Melina Pota Koljevic verfasst nach einem Roman von Nenad Teofilovix, ist sauber konstruiert und stimmig bis ins Detail.

Zur Umsetzung konnte sich Regisseur Golubovic ein fantastisches Schauspieler-Ensemble sichern, dass mit enormer Intensität die emotionalen Folgen der tragischen Situation darzustellen weiß. Der 1969 geborene, bereits mehrfach ausgezeichnete Nebojsa Glogovac gibt brillant den sich wortlos in Wut, Angst und Schuldgefühlen verwickelnden Mladen. Natasa Ninkovic als Mladens Ehefrau Marija, deren immer tiefer sich ins Gesicht fressende Augenringe von den psychischen Qualen zeugen, die diese Frau an den Rand des Zusammenbruchs bringen, steht ihrem Filmpartner Glogovac in nichts nach. Dazu die wie immer großartige Anica Dobra, als der in dieser egoistischen Gesellschaft komplett unerwartete, und leider auch viel zu spät kommende, blonde Engel Jelena, der durch sein Erscheinen das moralische Dilemma Mladens nur noch vertieft und so die Tragödie zu ihrem dramatischen Höhepunkt treibt – bessere Hauptdarsteller hätte Golubovic wohl kaum finden können.

"Klopka – Die Falle" ist ein stiller Film, der intelligentem Drehbuch, sauberer Inszenierung und grandiosen Darstellern, ganz ohne jede Effekthascherei zu fesseln vermag wie wenige andere Psychothriller und dabei das traurige Bild einer Gesellschaft entwirft, die sich von Moral und Mitgefühl schon lange verabschiedet hat.





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