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The Bang Bang Club
The Bang Bang Club
© Central Film

Kritik: The Bang Bang Club (2009)


Es ist das Bild von einem Geier neben einem verhungernden Mädchen, das 1993 um die Welt ging und dem Fotografen Kevin Carter (Taylor Kitsch) den Pulitzer-Preis einbrachte. Nun sitzt er bei einem Radio-Interview und erzählt von dem "Bang Bang Club", einer Gruppe von vier Fotografen, die durch ihre Bilder von den letzten Tagen der Apartheid in Südafrika berühmt geworden sind. Es sind erschütternde Fotografien, die die Grausamkeiten der Auseinandersetzungen zeigen, aufgenommen von Männern, die für ein gutes Bild kein Risiko scheuen. Außer Kevin gehören noch Greg Marinovich (Ryan Philippe), Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach) und João Silver (Neels Van Jaarsveld) zu dem "Bang Bang Club". Der südafrikanische Regisseur und Drehbuchautor Steven Silver erzählt dessen Geschichte in seinem gleichnamigen Film spannend und unterhaltsam, wenngleich mit weniger Konsequenz als seine Protagonisten Bilder schießen.

Die Geschichte beginnt mit den Anfängen von Greg Marinovich in dem "Bang Bang Club". Er ist ein Neuling in Südafrika und verschafft sich den Respekt seiner Mit-Fotografen, indem er ein Lager der Inkatha Freedom Party besucht, einer Zulu-Organisation, die zeitweise mit dem Apartheid-Regime zusammenarbeitet und sich mit Mandelas ANC blutige Kämpfe liefert, und dort einige beeindruckende Fotos macht. Fortan ziehen sie gemeinsam los, stets auf der Suche nach dem besten Bild. Diese Sequenzen, die die Fotografen bei ihrer Arbeit zeigen, sind die stärksten des gesamten Films. Es mutet grotesk an, wie sie an einer Straßenecke inmitten einer Schießerei lauern, den besten Standpunkt suchen und auf das eine gute Bild hoffen. Als Greg beobachtet, wie ein Mann mit einer Machete niedergestreckt und anschließend angezündet wird, versucht er für einen kurzen Moment einzugreifen – macht dann aber doch das Bild. Dadurch wird die Distanz deutlich, die er zumindest für den kurzen Moment des Auslösens zu dem Geschehen empfindet. Dieses Foto wird Greg Marinovich einen Pulitzer einbringen – aber ist seine Arbeit wirklich mit seinem Gewissen zu vereinbaren? Denn mit dem Zeigen des Alltags der Fotografen macht Steven Silver zugleich die moralischen Fragen deutlich, die mit jedem Bild eines Kriegsfotografen zusammenhängen: Hätten sie den Opfern helfen müssen? Dürfen sie in einen Konflikt eingreifen? Darf man es überhaupt zeigen? Und ist ein Kriegsfotograf nicht auch ein Profiteur dieser blutigen Konflikte?

Bei den Antworten sind die Bilder entlarvender und eindrücklicher als die Geschichte – und hier überzeugt "The Bang Bang Club". Aber leider fügt Steven Silver dieser Handlung noch die privaten Verwicklungen der Fotografen hinzu, die ohnehin recht stereotyp angeordnet sind: Es gibt den Jähzornigen, den Neuen, den Süchtigen und den Nachdenklichen. Hier hätte sich Steven Silver vielleicht näher an der Wirklichkeit halten sollen. Ein aufschlussreicher Film ist aber dennoch gelungen.

Fazit: "The Bang Bang Club" erzählt eine interessante Geschichte und erlaubt einen etwas anderen Einblick in die Jahre 1990-1994 in Südafrika – sehenswert!





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