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Kill Your Darlings
Kill Your Darlings
© Koch Media

Kritik: Kill Your Darlings - Junge Wilde (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Kill your darlings" ist einer der wenigen Filme, der sich intensiv mit den frühen Jahren einiger der wichtigsten und prägendsten Figuren der modernen Literatur befasst. Die hier im Mittelpunkt stehenden Autoren, allen voran Allen Ginsberg und Lucien Carr, entwickelten sich zur Speerspitze einer ganz neuen, literarischen Bewegung der USA in den 50er-Jahren: der "Beat-Generation" mit ihren poetischen Texten und dem freien, avantgardistischen Gedankengut abseits steifer, eingefahrener gesellschaftlicher Normen und Traditionen. "Kill your darlings" spielt einige Jahre vor dem Ausbruch dieser Kunst-Bewegung und zeigt auf glaubwürdige, detaillierte Weise, wie die literarischen Ikonen ihre Studienzeit durchlebten und auf welchen Werten und künstlerischen Aspekten ihre Beziehungen untereinander beruhten.

"Kill your darlings" ist ein anspruchsvoller, großartig besetzter Film irgendwo zwischen Thriller und Drama geworden - dabei handelt es sich erstaunlicherweise um einen Debütfilm. Es ist das Erstlingswerk von John Krokidas, der nach der Weltpremiere des Films beim Sundance Film Festival 2013 gleich für den großen Preis der Jury nominiert wurde. Ihm gelingt ein ausgefeiltes, stimmiges Thriller-Drama mit Biopic-Elementen über eine Zeit, die bis heute filmisch kaum behandelt wurde: die Sturm- und Drangjahre einiger der wichtigsten US-Literaten des 20. Jahrhunderts, noch bevor sie in den 50ern mit ihren Werken (z.B. "Howl", "Naked Lunch") eine neue literarische Welle lostraten. Gebannt folgt man als Zuschauer den Ereignissen aus Sicht des jungen Allen Ginsberg und begleitet ihn dabei, wie er sich immer tiefer in die alkohol- und drogengeprägte Szene junger Poesie-Liebhaber um Lucien Carr begibt.

Die Ausstattung und Kulissen des Films sind dabei bestechend, als Zuschauer taucht man in die detailliert ausgestaltete Welt des studentischen Lebens in den USA der mittleren 40er-Jahre ein. Ein weiteres großes Plus: Die Besetzung um Daniel Radcliffe und Dane DeHaan ist großartig, alle Darsteller füllen ihre Rolle mit einer wohlproportionierten Mischung aus intellektuellem Charisma und Unnahbarkeit aus. Besonders stechen dabei eben Radcliffe und DeHaan ("Place beyond the Pines") hervor: Radcliffe spielt seinen Allen Ginsberg zurückhaltend und fast vorsichtig, was aber sehr gut zum damaligen introvertierten Wesen Ginsbergs passt. DeHaan hingegen mimt den exaltierten, eloquenten Lebemann Carr, dessen cholerisches Wesen es nicht nur dem Zuschauer immer wieder schwer macht. Auch für seine Literaten-Freunde ist die Mixtur aus unkontrollierten Wutausbrüchen und gesteigerter, fast manischer guter Laune inklusive kreativer Schübe unberechenbar. Eine zusätzliche Tiefe und bedrohliche Atmosphäre erhält der Film durch die Beziehung von Carr zu seinem Ex-Professor und Teilzeit-Liebhaber David Kammerer, der mit zunehmender Dauer des Films und intimer werdenden Freundschaft zwischen Ginsberg und Carr immer unberechenbarer wird.

Fazit: Bravourös gespieltes, detailreich und stimmig ausstaffiertes Thriller-Drama mit Biopic-Elementen über die Studienzeit einiger der prägendsten literarischen Köpfe des 20. Jahrhunderts.




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