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Old Dogs - Daddy or Deal
Old Dogs - Daddy or Deal
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Kritik: Old Dogs - Daddy oder Deal (2009)


Manchmal kann man sich kaum eine Träne unterdrücken, wenn man miterleben muss, wie ehemalige Topstars der amerikanischen Filmindustrie ihr Altenteil fristen oder versuchen ihre cineastische Wieder-Wiederauferstehung zu feiern. John Travolta, ehemalige Tanzikone der 70er Jahre, musste sich in den 80ern lange mit Klamauk-Familienfilmen über Wasser halten und hatte das Glück, von Quentin Tarantino 1994 als schmieriger Ganove Vincent Vega für "Pulp Fiction" besetzt zu werden. Der damals revolutionäre nichtlineare Erzählstil dieses Episodenfilms brachte sieben Oscarnominierungen ein und katapultierte Travolta quasi über Nacht an die Spitze der gefragtesten Fiesling- und Bösewichtdarsteller.

Zuletzt war Travolta – wieder in einer Gangsterrolle – in Tony Scotts Remake "Pelham 123" zu sehen, der aber weder von den Kritikern besonders wohlwollend aufgenommen wurde, noch die Kinokassen so recht klingeln lies. Nach diesem künstlerischen Misserfolg folgte auch noch die persönliche Tragödie: Im Januar 2009 verstarb sein Sohn Jett aufgrund eines Krampfanfalls, während eines Aufenthaltes auf den Bahamas. Eigentlich wollte Travolta danach keine Filme mehr drehen, doch offensichtlich kann er es nicht lassen; braucht die auf ihn gerichteten Scheinwerfer und Kameras. Anders lässt sich das Zustandekommen des aktuellen Streifens "Old Dogs", worin er erstmalig gemeinsam mit Robin Williams agiert, nicht erklären.

Robin Williams gehört sicherlich zu den vielseitigsten Hollywood-Mimen. Ihm verdankt man solch Kultfilme wie "Der Club der toten Dichter" oder "König der Fischer", er schlüpfte in eine Frauenrolle als schräges Kindermädchen "Mrs. Doubtfire", spielte einen homosexuellen Travestiekünstler in "The Birdcage". Ihm scheint jede Rolle und Figur zu liegen. Ob Drama oder Komödie – und sogar als soziopathischer Killer, wie in "One Hour Photo" oder "Insomnia" – das Multitalent meistert die Aufgabe. Aber in den letzten Jahren hagelte es auch für ihn nicht gerade Toprollen. Womöglich scheint jetzt auch für ihn die Zeit gekommen, sich mit unterklassigem Klamauk, Nebenrollen und Gastauftritten über Wasser zu halten.

"Old Dogs" wird daran bestimmt nichts ändern. Travolta und Williams spielen hierin die zwei gleichaltrigen Freunde Charlie und Dan – obschon der kaum ältere Williams fast wie Travoltas Vater wirkt – die schon seit ihren Kindertagen gemeinsam durch Dick und Dünn gehen und Besitzer einer Werbeagentur sind. Travolta fällt dabei selbstverständlich die Rolle des coolen Alphamännchens zu und Williams mimt den eher konservativ-spröden Typ. Allerdings hat auch er in der Vergangenheit schon mal einen Draufgemacht. Produkt solch einer Nacht sind Zwillinge, die er vor sieben Jahren unwissentlich zeugte. Plötzlich Vater, darf er prompt zwei Wochen auf die Kids aufpassen. Ihm zur Seite natürlich sein Old-Buddy und ein Hund, der bereits auf dem letzten Loch pfeift.

Diesem Hund verdankt diese steinzeitlich inszenierte Komödie, die weitaus peinlicher ist, als jeglicher Klamauk den Travolta in den 80ern ablieferte, auch den Namen. Größtes Rätselraten vermutlich nur, wer von den Dreien der Endfertigste ist: Für Travolta kann solch ein Streifen nicht mehr als eine Art Therapie sein; fraglich nur, ob danach wieder so ein Comeback wie in den 90ern hinlegen kann? Bei Williams hingegen wirkt das beinahe als Abgesang auf seine Karriere – Irrtum vorbehalten. Nur der tierische Dritte im Bunde sieht sich alsbald dem Hundehimmel entgegen und wird damit zumindest keinen Karrieregau produzieren.

Auch wenn mit "Old Dogs" prinzipiell eine sehr junge Zielgruppe ins Auge gefasst wird, ist die dargebotene Show äußerst zahm und wirkt wegen der zahlreichen Gaganleihen einfach abgeschmackt. Einige Lacher vermag der Film zwar zu produzieren; zu den Highlights gehören sicherlich die Partie Golf mit asiatischen Topkunden unter unfreiwilligem Drogeneinfluss, als auch der verliebte Gorilla, der sich eines Mitarbeiters von Charlie und Dan bemächtigt und diesen nicht mehr freigeben will.

Fazit: Fader Spaß mit wenigen Glanzpunkten, der auf ein sehr junges Publikum zielt, aber dennoch wegen seiner altertümlichen Inszenierung keine Frische ausstrahlt und kaum zu gewinnen vermag. Auch die Besetzung mit zwei Hollywood-Veteranen macht das nicht besser – erhöht womöglich noch den Peinlichkeitsfaktor. Was den Machern beim Dreh dieses Streifens durch den Sinn ging, wird wohl auf immer Rätsel aufgeben. Da hat es manch ein in Ungnade gefallener ehemaliger Topstar wie Charlie Sheen mit seiner kultigen Dauerbrenner-Sitcom wesentlich besser getroffen.




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