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The Way Back - Hauptplakat
The Way Back - Hauptplakat
© 20th Century Fox © Splendid Film

Kritik: The Way Back - Der lange Weg (2009)


Erinnert man sich an Diktaturen im vergangenen Jahrhundert, gilt meist der erste Gedanke dem Nazi-Regime, das von 1933-1945 über Deutschland herrschte und einen verheerenden Krieg auslöste, der fast 60 Millionen Menschen zum Verhängnis wurde. Ein großer Teil dieser kam in den unzähligen Konzentrationslagern um. Doch nicht nur der NS-Staat kannte solche Lager: Die damalige Sowjetunion unter dem kommunistischen Terrorregime Josef Stalins (1878 – 1953) unterhielt in den eisigen sibirischen Steppen ebenfalls Lager, Gulag genannt. Wer Kritik am Regime oder Stalin äußerte, eine anderslautende Meinung vertrat oder auch nur ein wenig vom der Maxime der Einheitspartei (KpdSU) abwich, verschwand im Gulag und ward meist nie wieder gesehen.

Nach dem Roman "The Long Walk: The True Story of a Trek to Freedom", der auf einer wahren Begebenheit beruht, inszenierte Regisseur Peter Weir ("Master and Commander – Bis ans Ende der Welt") sein Flucht-Epos "The Way Back". Die Geschichte ist 1940 angesiedelt. Ein Gruppe von sieben Männern entkommt während eines Schneesturms aus einem Gulag. Ihr fernes Ziel ist das von der damaligen Kolonialmacht Großbritannien regierte Indien, viele Tausende Kilometer weit entfernt. Zwölf Monate ist die Gruppe auf ihrem Weg in die Freiheit unterwegs, durch die frostigen Wälder Sibiriens, die endlosen Ebenen der Mongolei und die Gluthölle der Wüste Gobi, bis hinauf zu den lebensfeindlichen Höhen des Himalayas. Unvorstellbare Strapazen und Entbehrungen müssen sie überstehen, bevor sie auch nur hoffen können, das ihr gewagtes Unterfangen gelingen könnte. Viele werden Indien dennoch niemals erreichen.

Mit Starbesetzung und unter großem Aufwand wurde diese Produktion realisiert. Mit Ed Harris ist einer der renommiertesten Charakterdarsteller Hollywoods mit an Bord, des weiteren Jim Sturgess, Colin Farrell und Jungtalent Saoirse Ronan. Gedreht wurde "The Way Back", der mit eindrucksvollen Naturaufnahmen aufwarten kann, quer durch die Welt von Bulgarien bis Marokko und so lebt diese Geschichte auch überwiegend von ihren visuellen Reizen; denn die Story an sich wurde leider so langweilig als möglich umgesetzt.

Ohne makaber oder rassistisch werden zu wollen: Die Inszenierung wirkt von ihrer atmosphärischen Dichte her derart nüchtern, dass kaum Flair aufkommen will und erinnert (unfreiwillig komisch) an das alte Lied von den zehn Negerlein, die nacheinander auf die eine oder andere Weise verscheiden. Elegisch langzogen ist die Flucht und trotz allem durchlebten Leid und Elend gewinnen die Charaktere weder an Profil, noch führen die Ereignisse dazu, dass sich eine nennenswerte Sympathie- oder Mitgefühlebene einstellt. Das Ganze krankt regelrecht an einer sterilen Noblesse, die handwerklich alles schön einfängt, sich aber scheut in wirkliche Abgründe einzusteigen. Selbst die Spannungen zwischen den Gruppenmitgliedern, bei denen es oft um die nackte Existenz geht, erreichen zumeist nicht mehr als das Intensitätsniveau einer Wandertruppe, die sich im heimischen Forst verlaufen hat.

Ed Harris sticht trotz allem von seiner Präsenz hervor und auch Colin Farrell, der mit Abstand den unsympathischsten aller Charaktere gibt, vermag als gewissenloser Mörder noch einige Akzente zu setzen. Ansonsten wäre der Cast aber beliebig durch- wie auswechselbar. Wirklich Schade, dass aus soviel Potenzial insgesamt so wenig gemacht wurde. Da lobt man sich solch zeitlose Klassiker wie "Gesprengte Ketten", "Papillon" oder "Der Unbeugsame".

Fazit: Großer Cast, imposante Schauplätze und Naturaufnahmen, aber lahm umgesetzte Story, der es einfach nicht gelingt zuzupacken und zu fesseln. Langatmig dümpelt diese Flucht dahin, dass selbst das Sterben der Figuren zur Routine verkommt.





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