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Der Adler der Neunten Legion - Hauptplakat
Der Adler der Neunten Legion - Hauptplakat
© 2010 Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: Der Adler der Neunten Legion (2010)


Römische Feldherren und ihre getreuen Legionen, waren seit jeher ausgezeichnete Motive für manch ein Sandalenepos oder Historienschinken. Auch wenn dieses Genre nicht mehr gerade frisch ist, totzukriegen ist es, ähnlich dem Western, ebenfalls nicht. Das letzte große Spektakel in dieser Richtung stellte sicherlich Ridley Scotts "Gladiator" dar . Danach folgte "Die letzte Legion", dies es trotz Top-Besetzung kaum über das Niveau eines B-Movies schaffte und erst vor kurzem "Centurion", der als reines DVD-Release teilweise mit A-Movie-Schlachtspektakeln aufwarten konnte. Aktuell folgt nun "Der Adler der neunten Legion".

Es ist das Jahr 140 nach Christus. Ganz Britannien ist von den Römern besetzt. Ganz Britannien? Nicht wirklich: Gerade mal die Hälfte der Insel konnten sie unter ihre Herrschaft bringen. Die andere Hälfte, bevölkert von unbeugsamen Kelten und wilden Pikten, wehrt sich verbissen. Marcus Aquila entstammt einer angesehenen römischen Familie, deren Männer stets Kommandos im römischen Herr inne hatten. In den letzten Jahrzehnten verfolgt sie aber das Pech: Marcus Vater wurde vor 20 Jahren in Britannien samt der neunten Legion, die er befehligte, in einen Hinterhalt gelockt und mitsamt all seinen Männern aufgerieben. Auch Marcus kehrt nach seiner ersten Schlacht verwundet zurück. Seine Karriere scheint damit beendet. Die einzige Chance, die er noch sieht, damit der Familienname vom Makel des Versagens wieder reingewaschen wird, läuft drauf hinaus ins Piktenland jenseits des Hadrianwalls zu gehen und die Standarte – einen Adler – der neunten Legion zurückzuholen. Ihm zur Seite steht dabei lediglich ein keltischer Gefangener, der sich dort gut auskennt und ihm einen Eid schwört, ihn nicht zu verraten. Dafür soll er im Anschluss seine Freiheit zurück erhalten.

Was ein ordentliches Hauen und Stechen erwarten lassen würde, präsentiert sich reichlich betulich. Fast schon verschwenderisch ist der Umgang mit der Zeit, bis die beiden Protagonisten zu ihrer Quest aufbrechen. Als Römer Marcus darf dabei Channing Tatum seinen Alphamännchen-Body in die Kamera halten, während Jamie Bell als Kelte Esca mit von der Partie ist. Über wirklich schöne Landschaftaufnahmen und einen visuellen Charakter der atmosphärische Dichte erzeugt, darf sich dann auch sichtlich gefreut werden, und selbst am Spannungsregler wird kontinuierlich gedreht; schließlich knistert es zwischen dem Römer und seinem nicht ganz freiwilligen Reiseführer, da sich beide trotz ihrer wechselseitigen Versprechen nicht wirklich über den Weg trauen. Nur ernstlich viel passiert trotzdem lange nichts.

Interessant gestaltet sich dafür, wie sich der Film im Verlauf dreht. Aus den beiden Gegenspielern, die lediglich durch ihr Wort aneinander gebunden sind, werden zusehends Freunde, so dass der Film später regelrecht Buddy-Movie-Qualitäten erkennen lässt und gerade im Finale an Klassiker wie "Flucht in Ketten" erinnert. Etwas befremdlich sind dafür die Pikten, diese erinnern irritierender Weise an blaugrau angemalte Indianer, so dass man sich zwischenzeitlich zu fragen beginnt, ob man auch noch im richtigen Film ist. Darüber hinaus weist "Der Adler der neunten Legion" zudem auch deutliche dramaturgische wie handwerkliche Schwächen in den (spärlichen) Kampfszenen auf: Es ist nicht ersichtlich oder nachvollziehbar warum, aber die Kampfchoreographien, der Kameraeinsatz und die perspektivische Umsetzung in den jeweiligen Szenen haben eher durchschnittliches TV-Niveau, als dass man sie in einem großen Kinospielfilm erwarten würde. Das verdirbt zwar nicht den ganzen Film, schmälert das Vergnügen aber schon ein Stückweit.

Fazit: Optisch und atmosphärischer wunderschöner Abenteuerfilm, der gefühlt sowohl etwas an "Der 13. Krieger" als auch an "Der letzte Mohikaner" erinnert und positiver Weise inszenatorisch etwas vom Mainstream weg realisiert wurde. Wenn er dann noch in den Actionsequenzen sich etwas knackiger gezeigt hätte, wärs ein rundum Feelgood-Movie für einen großen Kinoabend geworden.





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