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Der Plan
Der Plan
© Universal Pictures Germany

Kritik: Der Plan (2010)


"Der Plan" will ganz schön viel: Romanze, Action-/Verfolgungsthriller, Politdrama, existenzielle Fragen und Science Fiction… so richtig zusammen passt das alles nicht. Macht aber nichts – der Film funktioniert trotzdem, als unterhaltsames Fantasymärchen, das sich nur an einigen Stellen für tiefsinniger hält, als es tatsächlich ist.

Der Film basiert sehr lose auf der Kurzgeschichte "Adjustment Team" des amerikanischen Autors Philip K. Dick, von dem schon viele Stories verfilmt wurden: Unter anderem "Blade Runner", "Total Recall", "Minority Report", "A Scanner Darkly" und "Paycheck". Adaptiert hat den Stoff der Autor George Nolfi ("Ocean´s Twelve", "Das Bourne Ultimatum"), der mit dem Film außerdem sein Regiedebüt gibt. Matt Damon spielt den steil aufsteigenden Kongressabgeordneten David Norris, den ein harmloser Collegestreich die Wahl zum Senator von New York kostet. Als er am Abend der Niederlage auf einer Herrentoilette seine Rede einstudiert, überrascht ihn dort eine draufgängerische junge Frau (Emily Blunt), in die er sich prompt verliebt (was meist sperrig oder überzogen erzählt wird, funktioniert hier durch den an Screwballkomödien erinnernden Dialog). Doch nach einem Kuss verschwindet sie. Kurz nachdem David sie dann zufällig wieder trifft, wird ihm einigermaßen rabiat klar gemacht, dass sie nie ein Paar werden können: Bedrohliche Anzugträger - Sachbearbeiter einer Anpassungsbehörde, welche dezent das Leben aller Menschen gemäß eines mysteriösen, sich unablässig wandelnden Planes regulieren - erklären ihm, seine Liebe zu Elise entspreche nicht "dem Plan" und er solle sie daher aufgeben – oder man würde sein Gehirn resetten. David erkennt a) dass sich die Möglichkeit eines Blickes hinter den Vorhang auf die Mächte, welche das Schicksal bestimmen, nicht unbedingt lohnt und b) dass ihn das aber nicht weiter schert. Niemand kann ihn dazu bringen, Elise aufzugeben. Schließlich muss David allerdings eine fiese Entscheidung treffen: Entweder kann er seine und Elises Karriere und womöglich sogar die Zukunft der Menschheit retten, oder er kann mit Elise zusammen sein. Vorbestimmung versus freier Wille.

Spätestens an dieser Stelle beschleicht einen das Gefühl, die Geschichte schon zu kennen – erinnert sie doch vage an (u.a.) die "Matrix", "Vergiss mein nicht", "Brazil" und "Der unsichtbare Dritte". Ach ja, und Michael Ende: Die perfekt gekleideten und behuteten Sachbearbeiter ähneln Momos grauen Herren; und innerhalb der Stadt existiert ein verborgenes Labyrinth aus Türen, das die Sachbearbeiter nutzen, um blitzschnell von einem Ort zum anderen zu kommen – ganz wie im Tausendtürentempel ("Die unendliche Geschichte"). Die Liebesgeschichte steht eindeutig im Vordergrund: Wer den Plan entwirft, in dem winzige Details wie verschütteter Kaffee im richtigen Moment globale Konsequenzen nach sich ziehen, interessiert David nur insofern, als das er ihn für die Verhinderung seiner großen Liebe zur Verantwortung ziehen will. Dass diese einigermaßen funktioniert liegt vor allem an seiner Partnerin: Blunt strahlt als quirlige, charmante Ausdruckstänzerin in ihren vergleichsweise knappen Szenen mühelos weitaus mehr Charakter aus, als Damon in Davids verzweifeltsten Momenten. Trotzdem stimmt die Chemie. Da kann man dann auch verzeihen, dass einige romantisch gemeinte Momente schnell ins Schnulzige abdriften. Eher irritierend wirkt Anthony Mackies Charakter, Sachbearbeiter Harry Mitchell: Er zeigt eindeutig Mitgefühl für David und seine Situation. Warum, wird nicht so richtig klar.
Unterm Strich ist "Der Plan" ein gelungenes, visuell schillerndes – selten war New York so glamourös – wenn auch nicht herausragendes Regiedebüt.




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