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Immer Drama um Tamara
Immer Drama um Tamara
© Prokino

Kritik: Immer Drama um Tamara (2010)


Ewedown in der englischen Grafschaft Dorset ist ein beschauliches kleines Örtchen, oder, in den Worten des aufmüpfigen Teenagers Jody, „das Ende der Welt“. Also der perfekte Ort zur Erholung für reiche Londoner – und für aufstrebende Schriftsteller, die auf der Stonefield Farm Ruhe und Inspiration suchen. Dort lebt der für seine „Doctor Inchcombe“-Krimis berühmte Autor Nicholas Hardiment (Roger Allam) mit seiner Frau Beth (Tamsing Greig). Beth sorgt sich rührend um ihre Gäste, verwöhnt sie mit ihrer Kochkunst und kümmert sich um die Geschäfte ihres selbstgefälligen Ehemannes. Nicholas hingegen produziert ebenso viele Bestseller wie außereheliche Affären, aber bislang hat ihm Beth jedes Mal verziehen. Sie schlittern gerade wieder in eine Ehekrise, als Tamara Drewe (Gemma Arterton) in ihre Heimat zurückkehrt. Einst durch eine große Nase verunstaltet, ist sie seit einer Schönheitsoperation äußerst attraktiv und zudem eine erfolgreiche Kolumnistin in London. Nun ist ihre Mutter gestorben und sie will das Haus in Ewedown verkaufen. Mit ihrer Ankunft kommt Bewegung in das erstarrte Beziehungsgeflecht des kleinen Ortes und sie verdreht den Männern reihenweise den Kopf: der Rockstar Ben zieht eine Weile zu ihr, ihr Jugendfreund Andy hilft ihr bei der Renovierung und auch Nicholas wäre einer Liaison nicht abgeneigt. Doch erst dank des gelangweilten Teenagers Jody (Jessica Barden) kommt das Liebeskarussell kräftig in Schwung.

„Immer Drama um Tamara“ ist weitaus besser als der deutsche Titel vermuten lässt. Stephen Frears inszeniert eine hintersinnige romantische Komödie mit vielen lustigen Episoden. Dabei überzeugt sein Film vor allem dank seiner großartigen Darsteller: Roger Allam ist hervorragend als arroganter Beststeller-Autor, Tamsing Greig als Beth schließt der Zuschauer sofort ins Herz und Bill Camp als amerikanischer Autor Glen mit Schreibblockade ist einfach begeisternd anzusehen. Deshalb sind es auch die vermeintlichen Nebenhandlungen, die diesen Film tragen. Die Verwicklungen auf Stonefield sind weitaus amüsanter als die Geschichte um Tamara Drewe, die als Figur merkwürdig blass bleibt.
Hauptdarstellerin Gemma Arterton verleiht ihrer Figur kaum Konturen, sie reduziert Tamara auf ihr Aussehen – und der Zuschauer fragt sich, weshalb sich Tamara auf diese Weise verhält. Dadurch verliert der Zuschauer das Interesse an dem Schicksal von Tamara und konzentriert sich stattdessen auf die Ereignisse auf der Stonefield Farm und hofft auf ein Happy End für Beth.

Es sind die Details, die diesen Film zu einem Vergnügen machen. So ist mit den Teenagern Jody und Casey ein gelungener erzählerischer Einfall verbunden, die wesentlich zu dem Charme des Films beiträgt. Anfangs sind sie einfach nur zwei gelangweilte Teenager, die an der Bushaltestelle herumhängen, Autos mit Eiern bewerfen und für das amouröse Treiben in dem Ort gleich einem antiken Chor witzige Kommentar finden. Doch letztendlich setzen sie die Handlung in Gang, sie sind die treibende Kraft hinter den Entwicklungen. Insbesondere Jessica Barden als verliebte Jody spielt mitreißend und mit der richtigen Mischung aus Teenagerrotzigkeit und kindlicher Naivität. Deshalb ist es auch mehr als eine schöne Randbeobachtung, dass sie viel mehr Phantasie als die auf Stonefield versammelten Schriftsteller hat. Denn inmitten all der amourösen Verwicklungen hat Frears ein unterhaltsames Spiel mit Kunst und Literatur platziert, das „Immer Drama um Tamara“ aus dem Einheitsbrei der romantischen Komödien hervorragen lässt.

Fazit: Insgesamt ist „Immer Drama um Tamara“ eine abwechslungsreiche romantische Komödie, die dem Zuschauer eine vergnügliche Zeit beschert.





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