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True Grit
True Grit
© Paramount Pictures Germany

Kritik: True Grit (2010)


Die Brüder Joel und Ethan Coen haben als Autor-Regisseur-Produzenten-Gespann schon in ihrem grandiosen Debüt "Blood Simple" 1984 eine unverwechselbare Handschrift präsentiert und diese kontinuierlich weiterentwickelt. Ihre Filme spielen eigentlich in einer ganz eigenen Realität, einer rabenschwarzen Welt des grandiosen Scheiterns, der vor skurrilen Charakteren nur so strotzt - und in dem meist die Frauen die patenteren, lebensfähigeren Charaktere sind. Als Autoren entwickeln sie brillante Dialoge voller Wortwitz.
Beim Casting greifen die beiden gerne auf befreundete Darsteller, wie etwa Frances McDormand, die Ehefrau von Joel Coen, auf John Turturro oder Steve Buscemi zurück. Und natürlich ist auch Jeff Bridges, der nun in "True Grit" den abgehalfterten Marshall Rooster Cogburn gibt, kein Unbekannter im Coen-Land. Andererseits aber beweisen die Coens auch immer ein besonderes Händchen für außergewöhnliches Casting und ringen Darstellern ungeahnte Leistungen ab.
Als Regisseure zeigen die Brüder immer große Kenntnisse der Genretheorie - die sie allerdings im allgemeinen dafür einsetzten, gerade keinen reinen Genrefilm zu drehen. Ihre Filme kommen eher als unbestimmbare Mischung aus unterschiedlichen klassischen Genres daher. So war ihr Debüt "Blood Simple" eine Kombi aus bitterbösem Krimi, einem Noir-Thriller, mit einem Schuss Western und schwarzer Komödie - passenderweise wurde er 2009 von Zhang Yimou als skurriler Asia-Western "A woman, a gun and a noodle Shop" neu verfilmt, das Remake wurde im vergangenen Jahr auf der Berlinale präsentiert.

Der Western "True Grit" ist insofern Coen-typisch und gleichzeitig eine echte Ausnahme: Bei der Besetzung ist den Brüdern mit dem Engagement der erst 14jährigene Newcomerin Hailee Steinfeld wieder einmal ein großer Coup gelungen – zurecht wurde sie für ihre Darstellung der mit jugendlichem Starrsinn und enormen Selbstbewusstsein augestatteten Mattie Ross mit einer Oscarnominierung belohnt – wenngleich irritierenderweise als Nebendarstellerin. Ihr zur Seite steht Jeff Bridges als abgehalfterter Marschall Rooster Cockburn ein altbekannter Coen-Darsteller, der als versoffenes Rauhbein in jenem Rollenschema bleibt, dass er bekanntermaßen aus dem EffEff beherrscht. Auch die Nebenrollen sind mit Josh Brolin als gesuchter Verbrecher Tom Chaney und Matt Damon als Texas Ranger LaBoef herausragend besetzt. Das Drehbuch, dass, wie die Brüder in der Pressekonferenz zum diesjährigen Berlinale-Eröffnungsfilm nicht müde wurden zu betonen, von ihnen auf Basis des gleichnamigen Western-Romans von Charles Portis verfasst wurde, und nicht etwa auf der ersten Verfilmung mit John Wayne aus dem Jahr 1969, strotzt vor grandios konstruierten, rabenschwarzen Dialogen. Entsprechend ist aus dem Ganzen jedoch ein für Coen-Verhältnisse überraschend klarer, eindeutiger Genre-Film geworden – der in den USA nicht nur allerlei Preise eingeheimst hat, sondern auch die Kinokassen für einen Western überraschend mächtig zum Klingeln gebracht hat. Ob ihm das auch in Europa gelingen wird, wo die Coens mit ihren Filmen in der Vergangenheit oft erfolgreicher waren als in ihrer Heimat, sei dahingestellt: Zumindest auf der Berlinale jedenfalls waren auch einige ob des so "uncoenhaften" Films (mild) enttäuschte Stimmen zu hören. Eines allerdings ist sicher: Egal wie wieviel Biss "True Grit" an europäischen Kinokassen zeigen wird – in den nächsten Jahren werden wir mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine wahre Westernschwemme erleben.

Fazit: Schwarzer Humor, grandiose Dialoge, fantastische Besetzung – den Coenbrüdern hauchen dem längst totgeglaubten Western-Genre neues Leben ein. Schon deswegen einen Kinobesuch wert. Ansehen!





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