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Hereafter - Das Leben danach - Hauptplakat
Hereafter - Das Leben danach - Hauptplakat
© 2010 Warner Bros. Ent.

Kritik: Hereafter - Das Leben danach (2010)


Dass sich der 80-jährige Clint Eastwood mit dem Tod beschäftigt, ist an sich nicht erstaunlich. Schon in "Mystic River" und "Million Dollar Baby" hat er sich mit dem Sterben auseinandergesetzt, wenngleich unter anderen Vorzeichen. Ging es in "Mystic River" um vergangene Schuld und in "Million Dollar Baby" noch um Sterbehilfe, so ist Clint Eastwood mit "Hereafter" im Jenseits angekommen.

Die Handlung besteht aus drei Erzählsträngen, die weitgehend parallel verlaufen: Die französische Star-Journalistin Marie (Cécile de France) wird in Indonesien von dem Tsunami auf dem Markt überrascht und hat ein Nahtoderlebnis. Sie kehrt aus dem "Hereafter" zurück, stellt sich aber unweigerlich die Frage, wie sie mit diesen Erfahrungen weiterleben soll. In London leben die zwölfjährigen Zwillinge Marcus und Jason (Frankie und George McLaren) in einer Sozialbausiedlung, kümmern sich um ihre drogensüchtige Mutter und schlagen sich tapfer durchs Leben. Doch dann stirbt Jason bei einem Unfall. Marcus verliert seinen Bruder, der sich bislang immer um alles gekümmert hat und landet in einer Pflegefamilie. Dort wird er von dem Wunsch geplagt, mit seinem toten Bruder in Kontakt zu treten. Der dritte Handlungsstrang erzählt nun von dem Amerikaner George Lonegan (Matt Damon), der lange Zeit als Medium gearbeitet hat, mittlerweile aber eine Beschäftigung als Lagerarbeiter vorzieht. Er versucht verzweifelt, ein normales Leben zu führen. Aber schon eine Berührung mit der Hand reicht aus, um von fremden Menschen intime Geheimnisse zu erfahren.

Leider lässt der Film keinen Zweifel an Georges Gabe, die er darüber hinaus gebetsmühlenartig als Fluch bezeichnet. Stattdessen wird diese Kontaktaufnahme mit dem Jenseits in überflüssigen und für Eastwood ganz und gar untypische Bilder gefasst. Ohnehin lässt der Film nur wenig Interpretationsraum. Die Existenz eines "Hereafter" wird als gegeben angenommen, auch die Figuren erhalten kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Maries Begegnung mit dem Tod führt dazu, dass sie sich nicht mehr auf die Gäste ihrer Politsendung konzentrieren kann. Sie nimmt sich eine Auszeit, in der sie letztendlich ein esoterisches Buch verfasst. George hadert weiterhin mit seiner Gabe/Fluch, während Marcus auf der Suche nach einem Medium allerhand Scharlatanen begegnet, die er aber schnell durchschaut. Problematisch wird es vor allem im letzten Drittel des Films, als erst in geschmackloser Weise die Terroranschläge von London verbraten werden und dann noch die drei Figuren entgegen aller Wahrscheinlichkeit zusammengeführt werden. Diese Wendung ist sehr konstruiert und unglaubwürdig, zumal hier der Film durchaus Ansätze von einer romantischen Komödie zeigt. Hinzu kommt außerdem noch ein völlig überflüssiges und unnötig kitschiges Happy End.

Fraglos reicht Eastwoods Können dennoch aus, um aus "Hereafter" einen unterhaltsamen Film zu machen. Gerade in den ersten Minuten konzentrieren sich Eastwood und sein Drehbuchautor Peter Morgan auf die drei Figuren und entwickeln in jedem der Handlungsstränge interessante Aspekte. Leider verlieren sie sie aus den Augen und kommen im Verlauf des Films im esoterischen Mittelmaß an. Dabei könnte jeder der drei Handlungsstränge einen eigenen Film tragen. Deshalb stellt sich am Ende des Films vor allem die Frage, ob der Name Clint Eastwood weiterhin gute Filme garantiert oder er sich durch seine ungeheure Produktivität zu wenig Zeit zur Entwicklung seiner Stoffe lässt. Denn an vielen Stellen liefert er in "Hereafter" auf kluge Fragen fadenscheinige Antworten.

Fazit: Mit "Hereafter" hat Clint Eastwood einen durchschnittlichen Hollywoodfilm inszeniert, der viel Potential verschenkt und vor allem im letzten Drittel enttäuscht.





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