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Star Trek Into Darkness - Plakat
Star Trek Into Darkness - Plakat
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Star Trek Into Darkness (2013)


Es war vor einigen Jahren, als Regisseur J.J. Abrams das Star-Trek-Reboot einleitete und das Franchise aus dem Dornröschenschlaf, zum Wohlgefallen vieler, wenn auch nicht aller Trekkies, erweckte. Es gab immerhin auch Stimmen, die meinten, "Star Trek" wäre im Grunde "gemordet worden"; und der Schöpfer dieses Universums, Gene Roddenberry, hätte beim Anblick dessen, was aus seiner Utopie gemacht worden war, im Grab rotiert. Dass sich Abrams ein Höchstmaß an Freiheiten herausnahm, lässt sich nicht verleugnen: Er erschuf eine eigene Timeline, in der die Geschehnisse aus knapp einem halben Jahrhundert Future-History samt zehn Kinofilmen und fünf TV-Serien bedeutungslos wurden, sodass er schalten und walten konnte, wie es ihm beliebte – und obendrein löschte er auch mal eben den Planeten Vulkan aus, den zweitwichtigsten nach der Erde im Star-Trek-Kosmos. Der Film selbst war allerdings derart rasant inszeniert, dass dem Publikum angesichts der CGI-Adrenalin-Achterbahnfahrt kaum Zeit blieb, über solche Feinheiten oder gar den Sinngehalt der Story nachzugrübeln.

Nachdem es für die Fans nun deutlich länger dauerte, als ihnen lieb gewesen wäre, gelangt mit "Star Trek Into Darkness" die Fortsetzung ins Kino. Dass es im Grunde wieder gelungenes Popcorn-Entertaintment sein würde, stand schon im Vorfeld prinzipiell außer Frage; die große Unbekannte war, wie es Abrams gelingen könnte, die auf Warp-10 getrimmte Action-Engine des Vorgängers noch zu übertreffen. Nun, ganz einfach: Er versucht es gar nicht erst. Stattdessen zeigt sich der Film erstaunlich versöhnlich und überschüttet die Kenner der Classic-Serie geradezu mit derart vielen Referenzen aus der Zeit der Ur-Enterprise, dass sich unweigerlich das Gefühl einer Retrospektive einstellt. Die eigentliche Story gerät dabei jedoch ins Hintertreffen. Vor allem die Gewitterwolken zwischen Kirk (Chris Pine) und Spock (Zachary Quinto). Zwischen den beiden krachts zu Beginn ganz gewaltig. Kirk ist der Meinung die Direktiven der Sternenflotte nach Bedarf verbiegen zu dürfen, und Spock meint, er müsse all diese Verstöße dem Oberkommando melden. Das führt dazu, dass Kirk das Kommando über die Enterprise entzogen wird. Ein Glück, dass gerade in diesem Augenblick ein Schurke (Benedict Cumberbatch) auftaucht, der die Sternenflotte enthauptet, sodass Kirk die Karriereleiter rasch wieder emporklettert.

Gerade diese Spannung zwischen Kirk und Spock und die Motive eines besonders den Classic-Fans geläufigen Fieslings hätten das Potenzial gehabt, "Star Trek Into Darkness" Substanz zu verleihen. Leider aber verliert Abrams diese Handlungselemente nahezu völlig außer Augen, kaum das er sie einführt. Besonders tragisch, dass der Hauptwidersacher dabei zum Katalysator der Handlung degradiert wird. Fast scheint es, als würde der Regisseur die Psychologie und die Plotdynamik, die eigentlich in der Geschichte enthalten ist, gar nicht begreifen (können). Als Notbehelf überzieht er über den gesamten Filmverlauf alles mit wohldosierter Action der gehobenen Special-Effects-Kategorie. Die nicht zu Ende gedachten Enden baumeln indes lose im galaktischen Äther; doch auch hierfür weiß Abrams Rat und bedient sich kurzerhand bei der nächsten (klassischen) Vorlage. Am Ende vermittelt das den Eindruck eines zusammengeschusterten Films ohne nennenswerte eigene Inspiration, der an eine Scifi-Suppe aus Star Trek II, VI und X, gewürzt mit einer Prise Höllenfahrt der Poseidon, erinnert.

Die Darsteller mühen sich zwar das Beste aus dieser Instant-Brühe herauszuholen, vermögen das Ganze aber dennoch nicht zu retten. Vor allem das Finale, dass in seiner simplen Naivität kaum als Aufsatz in der Grundschule bestand gehabt hätte, hinterlässt schlichtweg Kopfschütteln. Pine gibt dafür zumindest den Kirk inzwischen erstaunlich gut und Cumberbatch zeigt, trotz phasenweise Unterforderung, dass er einen formidablen Bösewicht auf Lager hat. Das Urteil zu Quintos Spock muss hingegen ambivalenter ausfallen: Dieser neue, deutlich gefühlsbetontere Spock, ist durchaus gewöhnungsbedürftig, wohingegen der neue Scotty (Simon Pegg) diesmal deutlich Richtung Karikatur läuft. Und der Rest der Crew bleibt dann schon leidlich blass.

Fazit: Das mag noch halbwegs passables Unterhaltungskino sein. Trotz versuchten Schulterschlusses mit den mitunter verprellten Classic-Fans wirkt "Star Trek Into Darkness" aber dennoch wie ein wenig geistreiches Hochglanz-Abziehbildchen vorangegangener Filme. Am besten fährt immer noch derjenige, dem, ob nun "Star Trek" oder "Star Wars", alles einerlei ist und der sich einfach nur zwei Stunden scifi-entertainen möchte.





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