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Das ist das Ende - Hauptplakat
Das ist das Ende - Hauptplakat
© Sony Pictures

Kritik: Das ist das Ende (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Seth Rogen zeigte sich in den letzten Jahren nicht nur im Schauspielfach äußerst umtriebig, sondern trat auch als Produzent und Autor in Erscheinung. So verfasste er unter anderem eine Folge für "Die Simpsons" und war an der Vorlage zur Science-Fiction-Komödie "The Watch – Nachbarn der 3. Art" (2012) beteiligt. Mit "Das ist das Ende" gibt Rogen nun, unterstützt von seinem alten Weggefährten Evan Goldberg, sein Debüt als Regisseur. Auch wenn inszenierende Schauspieler mittlerweile zu einer Modeerscheinung geworden sind, hat das Bestreben in diesem Fall durchaus seine Berechtigung. Immerhin basiert das Werk auf dem von Rogen und Goldberg geschriebenen Kurzfilm "Jay and Seth Versus the Apocalypse" (2007), in dem das absurde Weltuntergangsszenario bereits in kleinem Rahmen beschworen wird. Die von derber Komik durchzogene Langversion besticht vor allem durch einen selbstironischen Anstrich, wird mit ihrer konsequent-abgedrehten Eskalation der Ereignisse aber sicher geteilte Meinungen hervorrufen.

Die Tatsache, dass eine Reihe von Hollywood-Stars fiktive Varianten ihrer selbst spielen, trägt entscheidend zum Reiz des Films bei. Verweise auf das Schauspielgeschäft oder die Filmindustrie im Allgemeinen und die auftretenden Darsteller im Besonderen brechen das ohnehin verspielte Geschehen immer wieder auf. Schon bei Francos ausschweifender Hausparty werden Klischees, Behauptungen und reale Bezüge wild durcheinander gewirbelt. So verkörpert ausgerechnet der harmlos erscheinende Michael Cera (Michael Cera) das mutmaßlich zügellose Sex- und Drogenleben der Hollywood-Prominenz. Auch das künstlerische Interesse des betont lässigen Gastgebers findet mehrfach Erwähnung – etwa wenn Franco stolz auf zwei Bilder hinweist, auf denen nichts weiter zu sehen ist als sein eigener Name und der seines Freundes Seth Rogen. Dies ist keineswegs die einzige Szene, die Francos Image und seine vielgestaltigen Talente bewusst karikiert.

Während im Katastrophenfilm zumeist durchschnittliche Menschen im Fokus stehen, die über sich hinauswachsen müssen, richten Rogen und Goldberg ihren Blick auf bekannte Filmstars, von denen per se eine heroische Aura ausgeht. Gerade diese will, vor allem in der ersten Hälfte, nie wirklich zum Vorschein kommen. Ganz im Gegenteil: Nach dem ersten Schrecken begegnen die Schauspieler den widrigen Umstände mit gesteigertem Unernst. Im Drogenrausch und ausgestattet mit Amateurequipment, drehen sie eine dilettantische Fortsetzung zur Kultkomödie "Ananas Express", an der Rogen, Franco, McBride und Robinson 2008 mitwirkten. Überaus bezeichnend ist zudem die überhebliche Einschätzung des Hausherrn, dass sie als bedeutende Schauspieler zuerst gerettet würden, sollte tatsächlich das Ende der Welt bevorstehen. Eine derart einfache Lösung hält das unnachgiebige Drehbuch freilich nicht bereit. Der aberwitzige Streit um die spärlichen Vorräte und handfeste Eitelkeiten sorgen vielmehr für eine Zuspitzung der Lage, die oftmals – wie soll es bei sechs eingesperrten Männern anders sein – von geschmacklosen und sexistischen Ausfällen begleitet wird. Durch eine grotesk anmutende Diskussion bringen es die Filmstars sogar fertig, die kurzzeitig im Haus Zuflucht suchende Emma Watson (Emma Watson) zu vertreiben.

Der im Vergleich zu seinen Leidensgenossen bodenständige Jay dient nicht nur als Identifikationsfigur für den Zuschauer. Über ihn etablieren Rogen und Goldberg auch den durchaus vorhandenen emotionalen Unterbau ihrer Geschichte. Wie sich zeigt, bildet das Katastrophenszenario außerhalb der Villa in erster Linie den Rahmen für eine Annäherung der Figuren, die Werte wie Freundschaft, Vertrauen und Ehrlichkeit im Angesicht des Untergangs neu schätzen lernen. Damit greift der Film traditionelle Drehbuchmuster auf, verpasst jedoch nicht die Chance, sie in einem köstlich ausufernden Finale zu ironisieren.

Wirklich ernstnehmen kann man den wendungsreichen und abstrusen Plot natürlich nicht. Das ist spätestens dann unverkennbar, als die Ereignisse im letzten Drittel vollkommen aus dem Ruder laufen und das apokalyptische Wüten in Form dämonischer Kreaturen konkret Gestalt annimmt. Das anschließende Feuerwerk an Spezialeffekten drängt die emotionale Ebene zwar nicht in den Hintergrund, hätte aber dennoch dezenter ausfallen können. Zuschauer, denen offene Geschmacklosigkeiten nicht behagen, werden sicherlich schon vorher ihre Schwierigkeiten mit "Das ist das Ende" haben. Gleichwohl ragt Rogens Regiedebüt doch sehr deutlich aus dem standardisierten Komödienallerlei heraus – schon allein, weil sich Hollywood selten so ausgelassen auf die Schippe nimmt.

Fazit: Wer sich mit der direkten und nicht selten vulgären Art von "Das ist das Ende" anfreunden kann, dürfte reichlich Freude an dem turbulenten, zitatreichen und selbstironischen Weltuntergangsspaß haben.





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