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Kritik: Krystal (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese Coming-of-Age-Geschichte eines Teenagers, der aus seinem langweiligen, von Vorsicht und Vermeidung bestimmten Alltag ausbricht, unterhält recht gut als launige Schmunzelkomödie. Der Schauspieler William H. Macy ("Fargo – Blutiger Schnee") übernimmt darin nicht nur die Rolle des Familienvaters Wyatt, sondern zeichnet auch für die Regie verantwortlich. Das Drehbuch von Will Aldis verbindet Humor mit ernsten Themen wie innerer und äußerer Not, Versuchung, Glauben, Hilfe zur Selbsthilfe.

Der aufgrund einer Neigung zum Herzrasen überbehütete 18-jährige Taylor beschließt, als er sich Hals über Kopf in die wesentlich reifere Krystal verliebt, neue Wege zu gehen und ein wenig Wildheit und Übermut zu wagen. Die mit ihrer Sucht und Labilität kämpfende Afroamerikanerin lenkt Taylors Blick auf eine soziale Realität, von der er in seinem bildungsbürgerlichen Elternhaus nichts mitbekam. Die soziale Kluft und die mit ihr zusammenhängende Doppelmoral der Bessergestellten entwickeln, als der Teenager Krystal und ihren Sohn zum Essen im Familienkreis einlädt, eine ungeahnte Sprengkraft. Taylor geht auf Distanz zu seiner Familie und droht bald jeglichen Halt zu verlieren, denn die Liebe ist mit schmerzlichen Erfahrungen verbunden.

Aber der Film thematisiert ja auch den Glauben, die gute Macht, die den Weg durch die Angst weist und das Gespür für richtiges Verhalten schärft. Diese religiöse Komponente taucht vor allem bei den Treffen der Anonymen Alkoholiker auf und in Gestalt der fantasierten teuflischen Figur, die nach strauchelnden Menschen greift. Aber schon am Beispiel von Taylors liberalem Vater, der sich eher intellektuell mit Spiritualität befasst, zeigt sich, dass es dem Film dann doch an religiösem Bekehrungseifer fehlt. Es geht ihm eher allgemein darum, wie Menschen ihren inneren Kompass finden.

Nick Robinson ist der Star dieser Komödie, weil er so sympathisch darstellt, wie sich Taylor plötzlich als Rockertyp ausprobiert und auch zu Tricksereien greift. Taylor wirkt lustig in seiner gespielten Coolness, aber durchaus auch stark. Auch die anderen Darsteller – selbst die große Kathy Bates ist mit von der Partie – überzeugen. Der Film versprüht seinen Optimismus vielleicht ein wenig zu blauäugig, aber er wirkt dabei weder aufdringlich, noch abgehoben.

Fazit: Unter der Regie des Schauspielers William H. Macy entfaltet diese Coming-of-Age-Komödie einen launigen Schmunzelhumor, während sie zugleich ernste Themen wie Drogenabhängigkeit und soziale Benachteiligung streift. Nick Robinson überzeugt als der charmante 18-jährige Hauptcharakter Taylor, der als Sohn aus gutem Hause und aufgrund seines zum Rasen neigenden Herzens gelernt hat, Aufregungen zu meiden. Doch als er sich in Krystal, eine Frau mit Vergangenheit, verliebt, zieht es ihn plötzlich in raueres Fahrwasser. Die altklugen Selbstreflexionen des Teenagers und das unbeschwerte Spiel der Darsteller sorgen für entspannte Unterhaltung.




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