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Kritik: Escape Plan (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Doppelt hält bekanntlich besser und deshalb kommt spätestens seit "Alien vs. Predator" (2004) in Hollywood auch eine Kampfmaschine selten alleine. So verwundert es nicht, dass in "Escape Plan" mit dem Ex-Terminator und Ex-Gouvernator Arnold Schwarzenegger und dem Ex-Rambo und Ex-Rocky Sylvestor Stallone die beiden größten Ikonen des 80er-Jahre-Testosteron-Kinos erstmalig gleichberechtigt gemeinsam auf der großen Leinwand zu sehen sind. Interessanterweise sind die berüchtigten Muskelpakete in diesem Film nicht die beiden großen Antagonisten, sondern die Verbündete im Kampf gegen ein übermächtiges System. Bemerkenswert ist auch, dass die beiden weniger für ihr ausgefeiltes Schauspiel, als für ihre markigen One-liner bekannten Schauspieler in diesem Action-Thriller nicht als Männer der schlagkräftigen Argumente, sondern als hochintelligente Geistesarbeiter eingeführt werden. Der für seinen unnachahmlichen Dackelblick berühmte Silvester Stallone mimt das größte Gefängnis-Konstruktions-Genie der Welt, während Schwarzenegger seinen Akzent einmal ganz offiziell anwenden darf, um den einzigen Mann zu spielen, der den Aufenthaltsort des berüchtigten Wirtschaftsverbrechers Mannheim kennt.

Die imposante Gefängniskonstruktion "Das Grab" deutet mit seinen gläsernen Zellen ebenfalls eindeutig darauf hin, dass man hier, wenn überhaupt, nicht mit purer Muskelkraft, sondern nur mit dem scharfen Verstand eines Schachgroßmeisters herauskommt. So erscheint "Escape Plan" über weite Strecken kein klassischer Hau-Drauf-Actionfilm zu sein, sondern ein gerade für seine beiden Stars recht langsamer Gefängnisausbruch-Film, bei dem es mehr um das Aushecken eines genialen Planes, als um das Ausschalten möglichst vieler Gegner geht. Auch sind Schwarzenegger und Stallone ja nicht mehr die Jüngsten und so erscheint es nur konsequent, dass sie hier im Vergleich zu ihren alten Klassikern mal einen Gang herunterschalten. Die für lange Zeit brachialste Szene des Films ist deshalb auch keine Actionszene sondern eine, in der Schwarzenegger alias Emil Rottmayer mimt, dem Wahnsinn anheimzufallen. Der gebürtige Österreicher, der einen gebürtigen Deutschen spielt, gerät in dieser famosen Szene derart in Rage, dass er auf einmal in seiner Muttersprache spricht und dabei nichts als wirres Zeug von sich gibt.

Das ist auch die wahrscheinlich einzige Szene von "Escape Plan", die länger im Gedächtnis haften bleiben wird. Denn irgendwann wurde dem Regisseur Mikael Håfström ("Zimmer 1408") offenbar bewusst, dass mit all der halbherzigen Guantanamo-Kritik und den mit gigantischen Logiklöchern gespickten Versuchen einen intelligenten Aufbau vorzutäuschen, irgendwann einmal Schluss sein muss. Ab dem Zeitpunkt münden all die ach so cleveren Ausbruchspläne in die altbewährte Taktik von maximaler Schuss-und Schlagkraft. Ab da sind sowohl Schwarzenegger, als auch Stallone endlich wieder so richtig in ihrem Element. Wie bereits Bruce Willis in der "Die Hard"-Serie treten auch sie an um zu beweisen, dass selbst in einer hochtechnisierten Welt ein sich vorrangig durch seine rohe Muskelkraft auszeichnender und deshalb wild schwitzender Mann noch immer am längeren Hebel sitzt.

Fazit: "Escape Plan" möchte ein intelligenter Ausbruchsfilm sein und vielleicht sogar ein wenig Gesellschaftskritik üben. Aber vor allem möchte er seine Hauptdarsteller als die Action-Ikonen, die sie nun einmal sind, inszenieren. So muss irgendwann natürlich auch endlich die Action her und darf alles, was zuvor recht halbherzig aufgebaut wurde, einfach wieder plattwalzen.




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