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Stoker - Hauptplakat
Stoker - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Stoker (2012)


Wir seien nicht verantwortlich für das, was aus uns wird, sagt India (Mia Wasikowska) am Anfang des Films "Stoker" von Park Chan-Wook. Sie steht an einem Feldrand, trägt die Schuhe ihre Onkels, den Gürtel ihres Vaters und die Bluse ihrer Mutter. Es sind diese Einflüsse, die ihr Leben ausmachen, in dem sie das Gefühl hat, ebenso wenig eine Wahl zu haben wie die Blumen über ihre Farbe bestimmen können. Die Kamera fährt durch das Feld, zeigt die Blumen und führt den Zuschauer zu dem Anwesen der Stokers. India läuft durch den Wald, über die Wiese und entdeckt auf einem Baum schließlich ein Geschenk. Es ist ihr Geburtstag, sie ist 18 Jahre alt geworden – und es ist der Todestag ihres Vaters (Dermot Mulroney). Sie hatte zu ihm eine weitaus engere Beziehung als zu ihrer Mutter (Nicole Kidman), deren Einsamkeit und Verlorenheit in diesem großen Haus und ihrer Familie offensichtlich ist.

India ist ein seltsames Mädchen. Sie hört und spürt mehr als andere, kann es nicht ertragen, berührt zu werden, und wirkt der Zeit entrückt. Mia Wasikowska vereint in ihrem Schauspiel Indias Verletzbarkeit, ihren Argwohn und ihre innewohnende Stärke. Sie ist eines der Mädchen, die weitaus hilfsbedürftiger und unschuldiger erscheinen als sie letztlich sind. Als ihr Onkel Charlie (Matthew Goode) zur Beerdigung ihres Vaters erscheint, ist sie misstrauisch. Sie wusste bisher nichts von ihm, außerdem findet ihre Mutter allzu viel Gefallen an ihm. Schon bald ereignen sich merkwürdige Dinge in dem Haus: die langjährige Haushälterin verschwindet, Indias Tante (Jackie Weaver) taucht plötzlich auf. Außerdem übt ihr Onkel eine bedrohliche Faszination auf sie aus, die ihre Lust und Sexualität zu erwecken scheint – mit allen einhergehenden Konsequenzen.

"Stoker" ist der erste amerikanische Film des koreanischen Regisseur Park Chan-Wook. Er spielt geschickt mit dem Mythos der Familie Stoker, so dass Bram Stoker, sein Dracula und die Vampirwelt stets im Hintergrund schwelen. Verknüpft mit Anspielungen auf Shakespeare und immer wieder Hitchcock entsteht auf diese Weise ein Gefühl der Bedrohung, das sich aber nicht konkretisieren oder benennen lässt. Vielmehr zieht sich eine Anspannung durch den Film, die gleich der Spinne, die Indias Beine hochkrabbelt, ihr Ziel nur erahnt. Dazu tragen auch die hypnotisierenden Bilder von Kameramann Chung-Hoon Chung bei, die zeitlos und entrückt sind, von makelloser Schönheit – und voller Entdeckungsmöglichkeiten. Im Zusammenspiel mit der hervorragenden Musik von Clint Mansell entwickelt "Stoker" einen faszinierenden Sog, den man sich nicht entziehen mag. Vielmehr verführt der Film den Zuschauer geradezu wie Charlie versucht, seine Nichte zu verführen – mit einigen Längen zwar, am Ende aber sehr effektiv.

Fazit: "Stoker" überzeugt mit hypnotisch schönen Bildern, einem hervorragenden Score und guten Hauptdarstellerin. Sehenswert.




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