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Sherlock Holmes: Spiel im Schatten - Hauptplakat
Sherlock Holmes: Spiel im Schatten - Hauptplakat
© Warner Bros.

Kritik: Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (2011)


Sherlock Holmes ist zurück! Vor zwei Jahren läutete Guy Ritchie mit seinem Film "Sherlock Holmes" die Wiederkehr des britischen Meisterdetektivs ein, der seither in der sehenswerten BBC-Serie auch die Gegenwart erobert hat. Doch im Gegensatz zu der BBC-Verfilmung hat Guy Ritchie schon in dem ersten Teil die Handlung nicht in das Heute transponiert, sondern ist dem 19. Jahrhundert stilistisch treu geblieben und hat dank des Steampunks sowie visuell ansprechenden Actionszenen einen unterhaltsamen Blockbuster kreiert.

Die Fortsetzung knüpft nun nahtlos daran an. In "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten" steckt der britische Meisterdetektiv (Robert Downey Jr.) tief in einer Auseinandersetzung mit seinem Erzfeind Professor Moriarty (Jared Harris). Er hat den Verdacht, dass Moriarty hinter zahllosen Anschlägen in verschiedenen Ländern steckt, weiß aber noch nicht genau, was er vorhat. Also jagt er mit Dr. Watson (Jude Law) quer durch Europa, um Moriarty auf die Spur zu kommen. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die Wahrsagerin Sim (Noomi Rapace) ein, deren Bruder sich in den Händen des Bösewichts befindet.

Einen beträchtlichen Teil seiner Unterhaltsamkeit zieht der Film aus den zahlreichen Actionszenen, die schon im ersten Teil zu den Höhepunkten des Filmes gehörten. Allerdings war es dort noch überraschend und neu, wenn Holmes erst den Verlauf eine Auseinandersetzung antizipierte – im Film durch extreme Zeitlupe visualisiert – und dann der Kampf tatsächlich so abläuft. In der Fortsetzung erfreut das Wiedersehen, aber das Stilmittel wird zu häufig angewendet. Ohnehin brilliert Sherlock Holmes in Guy Richties Film weniger mit seinem Verstand, der eher der Erklärung der vielen Ortswechsel dient, als vielmehr mit seinen Kampfeskünsten. Sicherlich sind viele Actionszenen sehenswert – beispielsweise eine Verfolgungsjagd in einem Wald in Deutschland –, aber auch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem Film an Atmosphäre und auch Handlung fehlt.

Dazu trägt vor allem bei, dass die Nebenfiguren in dem Film blass bleiben. Die aus dem ersten Teil bekannten Figuren werden entweder liquidiert (Irene Adler) oder bleiben eine amüsante Randnotiz (Holmes Ehefrau Mary und Inspector Lestrade). Neue Figuren bekommen hingegen kaum Profil. Das liegt nicht an den Schauspielern, sondern vielmehr am Drehbuch, das die Zeichnung dieser Charaktere zugunsten zahlreicher Klamaukeinlagen und Altherrenwitzen vernachlässigt. Das fügt sich in der Figur von Sherlocks Bruder Mycroft (Stephen Fry) trefflich zusammen. Aber insbesondere bei der Etablierung von Professor Moriarty wird viel Potential verschenkt. Jared Harris spielt Sherlocks Erzfeind mit viel kontrollierter Bösartigkeit, er lässt erkennen, dass hinter dieser zutiefst spießigen Fassade ein abgrundtiefer Schurke steckt. Dahinter verbirgt sich eine Geschichte, die in diesem Film nicht erzählt wird. Und auch ein tatsächliches – und äußerst spannendes – intellektuelles Duell liefern sich Moriarty und Holmes erst im letzten Aufeinandertreffen.

So ist es letztendlich das Zusammenspiel von Robert Downey Jr. und Jude Law, das diesen Film unterhaltsam macht. Sie harmonieren hervorragend miteinander, die homoerotische Komponente der Beziehung wird insbesondere von Downey stärker betont. Er ist ein guter Schauspieler und Komödiant, das zeigt er in diesem Film in vielen Szenen. Daher ist es fast zu verzeihen, dass er mitunter wie eine Persiflage auf den deduktiven Meisterdetektiv wirkt. Denn insgesamt bietet die Fortsetzung für alle Fans des ersten Teils gute Unterhaltung – auch wenn von der literarischen Vorlage nicht mehr viel in dem Film zu finden ist.

Fazit: "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten" ist unterhaltsames Popcorn-Kino und wird insbesondere Fans des ersten Teils begeistern. Viel Neues bietet er aber nicht.





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