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Cloud Atlas - Poster
Cloud Atlas - Poster
© X Verleih

Kritik: Cloud Atlas - Der Wolkenatlas (2012)


Seit Jahren wollten Tom Tykwer ("Lola rennt") und Lana und Andy Wachowski ("Matrix") einen Film zusammen machen, aber erst ihre Leidenschaft für David Mitchells über 600 Seiten langen Roman "Wolkenatlas" hat sie zusammengeführt. Um ihren Film weitgehend unabhängig von der Studiopolitik in Hollywood zu drehen, suchten sie sich unabhängige Finanziers. Dennoch erinnert "Cloud Atlas" an eine Hollywoodproduktion, bei der der äußere Anschein oftmals vor dem Inhalt steht.

Die Handlung in "Cloud Atlas" gliedert sich in sechs verschiedene Stränge, die in einem gleichmäßigen Tempo erzählt werden. Dadurch steuern sie gleichzeitig auf ihren Höhepunkt zu, und es ergeben sich durch wiederkehrende Symbole, folgenschwere Taten und Ereignisse zunehmend Anknüpfungspunkte. Außerdem kehren die Schauspieler in den verschiedenen Strängen wieder, manche sind mal gut und in der anderen Handlung böse, andere bleiben stets gut – wie Halle Berry – oder böse. Diese Inszenierung setzt Mitchells Idee von der Wiedergeburt und dem Wiederkehren in einer anderen Zeit schön um, wenngleich auch deutlich wird, dass die Schauspieler allein optisch in manche Rollen besser passen als in andere. So wirken Jim Sturgess und Jim Broadbent als koreanischer Regime-Treuer bzw. koreanischer Musiker futuristisch unecht und unbeweglich unter der dicken Maske. Auch Hugo Weaving ist als despotische Schwester Noakes eher eine Drag-Queen denn eine grausame Altenpflegerin. Daran zeigen sich bereits die Grenzen dieses im Grunde genommen reizvollen Konzepts – und gerade der Abspann hält noch einige Überraschungen bereit, wie genau es verfolgt wurde. Dabei sind die Übergänge von einer Handlung in die andere durch mitunter optisch äußerst reizvollen Match-Cuts sehr gelungen.

Jeder Handlungsstrang ist zugleich Ausdruck seiner Zeit. In kräftigen Farben und großen Bauten werden die dekadenten 1930er Jahre, die wilden 1970er und die futuristische Welt des New-Tokyo dargestellt, dazu passend wird die Handlung als Drama, Politthriller und Science-Fiction-Film inszeniert. Pompöse Bilder stehen hier neben mitunter überraschend emotionalen kleineren Momenten, in denen insbesondere die Schauspieler dazu beitragen, den Film nicht vollends abheben zu lassen.

In allen Strängen steht das Streben und der Kampf nach Freiheit im Mittelpunkt, der in den verschiedenen Zeiten unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt ist. Eine Konstante ist der Wille einiger Menschen, über andere zu herrschen, hinzu treten weitere Bedrohungen: Rassismus, Überheblichkeit, Gier und Aberglaube. Je weiter die Handlungen in der Zukunft spielen, desto stärker wird zudem die Endlichkeit der Ressourcen betont. Dennoch fügen sich die einzelnen Stränge letztlich nicht vollends überzeugend zu einem Gesamtwerk. Dazu trägt vor allem bei, dass letztlich alle Erzählungen auf die Botschaft hinauslaufen, das alles zusammenhängt. Aber diese Erkenntnis ist weder tiefgreifend noch überraschend, sondern für einen großangelegten Film zu banal.

Dennoch ist "Cloud Atlas" keine Minute langweilig. Allein das Suchen nach Zusammenhängen und wiederkehrende Schauspieler sowie die optische Opulenz bieten gute Unterhaltung.

Fazit: "Cloud Atlas" ein oberflächlich schöner Film, dem das Bemühen seiner Macher, etwas Großes zu leisten, anzusehen ist. Aber ihm fehlt der tiefergehende Sinn, so dass er dem Zuschauer ein fast dreistündiges opulentes Seh-Vergnügen bereitet, bei dem hinterher aber dennoch ein Gefühl der Leere zurückbleibt.




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