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Red Lights
Red Lights
© 2012 Millennium Entertainment

Kritik: Red Lights (2012)


Mit dem Psychothriller "Red Lights" versucht das spanische Regie-Wunderkind Rodrigo Cortés, sich nun auch in Hollywood zu etablieren. Die Erwartungen sind hoch: Vor zwei Jahren sorgte sein klaustrophobischer Thriller "Buried – Lebendig begraben" mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle weltweit für Furore. Der Film, der 90 Minuten lang das Leid eines in einem Holzsarg lebendig begrabenen LKW-Fahrers zeigt, wurde von der Kritik und vom Publikum ("Buried" spielte das Sechsfache seiner Produktionskosten ein) gleichermaßen euphorisch aufgenommen. Nach diesem Welterfolg dauerte es nicht lange, bis sich die Traumfabrik bei Cortés meldete. Anfang 2011 war es dann soweit: von Februar bis April durfte Cortés seinen ersten Film mit Traumbesetzung und Riesenbudget drehen. Das Ergebnis ist der Psychothriller "Red Lights", der sich mit der Aufdeckung und Entlarvung paranormaler Phänomen befasst und nun auch in den deutschen Kinos startet. Leider gelingt es Regisseur Cortés mit diesem Werk jedoch nicht, an die Klasse und Qualität von „Buried“ anzuknüpfen. Der zwar handwerklich einwandfrei umgesetzte Film enttäuscht mit seinen zerfahrenen, konfusen Mystery-Elementen in der zweiten Filmhälfte und einem arg überzogenen Finale.

Ob Gedankenlesen, Gespräche mit Verstorbenen oder sich wie von Geisterhand bewegende Tische – dank jahrelanger Erfahrung und eines messerscharfen Verstandes, deckt die routinierte Psychologin Dr. Margaret Matheson (Sigourney Weaver) seit Jahren vermeintliche parapsychologische Phänome auf. Gemeinsam mit ihrem begabten Assistenten Tom Buckley (Cillian Murphy) entlarvt sie Scharlatane und Betrüger, die übersinnliche und –natürliche Fähigkeiten vorgaukeln. Als der legendäre Magier Simon Silver (Robert De Niro) nach 30 Jahren sein Bühnen-Comeback feiert, sieht vor allem Buckley die große Chance gekommen, auch ihn endlich als Lügner zu überführen. Doch Margaret zögert. Ihrer Ansicht nach ist Silver zu gefährlich. Der ehrgeizige Buckley entschließt sich, es im Alleingang zu versuchen. Doch dabei legt er sich mit einem undurchsichtigen Gegner an und entwickelt eine gefährliche Obsession, die am Ende sogar die Beziehung zu seiner Freundin Sally Owen (Elizabeth Olsen) bedroht.

In der ersten Hälfte ist "Red Lights" ein stringenter, spannender Psycho-Thriller mit Grusel-Touch ohne dramaturgische Lücken. In düsteren, unterkühlt wirkenden Bildern schildert Regisseur Cortés in dieser Phase des Films in erster Linie die Arbeit von Matheson und Buckley, ein perfekt harmonierendes, wissenschaftliches Dream-Team. Mit modernster Messtechnik, viel Erfahrung und messerscharfem Verstand ausgestattet, untersuchen die Beiden paranormale Ereignisse und Fähigkeiten, für die sie jedoch stets rationale und wissenschaftliche Erklärungen parat haben. So wird man als Zuschauer Zeuge, wie die Wissenschaftler zu Beginn des Films das Phänomen eines angeblichen "Poltergeistes" aufklären, der regelmäßig eine Familie heimsucht. Oder wie sie einen Gedankenleser enttarnen, der sich die relevanten Informationen von einer Assistentin über einen Knopf im Ohr durchgeben lässt. Cortés inszeniert diese Geschehnisse spannend, packend und mit eben jener kühlen, dämmerigen Bildsprache, die so perfekt mit der Thematik des Films harmoniert, wie Assistent Buckley mit seiner Chefin. Sigourney Weaver und Cillian Murphy liefern darüber hinaus gewohnt souveräne Leistungen ab und verleihen ihren Figuren charakterliche Tiefe.

Der dritte große Star des Films, der zweifache Oscar-Preisträger Robert De Niro, steht schauspielerisch jedoch klar im Zentrum von "Red Lights". De Niro spielt den geheimnisvollen, blinden Simon Silver, der sich als Mentalist einen Namen gemacht hat. Und De Niro zeigt hier dank seiner bitterbösen, diabolischen Darstellung des Magiers, vermutlich seine gelungenste Leistung seit Jahren. Jedoch vollzieht sich mit zunehmendem Auftreten von Silver im Film auch eine Art stilistischer Bruch. Widmete sich der Film in der ersten Hälfte noch der erfolgreichen Arbeit von Matheson und Buckley in seriöser Polit-Thriller-Manier, driftet "Red Lights" nach etwa einer Stunde in überzogene Mystery- und Verschwörungs-Gewässer ab. Dann verliert sich der Film in verwirrenden, Traumsequenzen, unnötigen Wendungen und schließlich einem überzogenen, mit allerlei Effekten aufgeblähten Brachial-Finale, das im krassen Gegensatz zu der leise und souverän inszenierten ersten Filmhälfte steht. Am Ende wäre weniger mehr gewesen. Hätte Cortés beim Finale auf den ausufernden Bombast verzichtet und wäre stattdessen seinem Inszenierungsstil der ersten sechzig Minuten (kühle Bildsprache, konsequente Erzählweise ohne Brüche) treu geblieben, wäre ihm mit "Red Lights" ein tatsächlich sehenswerter Thriller gelungen. So aber bleibt letztlich trotz der bemerkenswerten Besetzung ein fader Nachgeschmack. Wieso die Macher darüber hinaus die Nebenhandlung des im Koma liegenden Sohnes von Dr. Matheson im Film platziert haben, die in keinerlei Bezug zur Story steht und absolut unnötig ist, bleibt zudem ein Rätsel.

Trotz einer erstklassigen Besetzung und einer gelungenen, spannenden ersten Filmhälfte enttäuscht "Red Lights" aufgrund eines unnötigen Stilbruchs ab der Hälfte sowie des übertriebenen Brachial-Finales.





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