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Godard trifft Truffaut (2010)

Deux de la Vague

Französische Doku: In den 50er Jahren arbeiten zwei Männer für die Film-Zeitschrift Cahiers du Cinema: Francois Truffaut und Jean-Luc Godard. Die beiden Freunde wagen schließlich den Wechsel hinter die Kamera und werden als Vertreter einer neuen Stilrichtung, der "Nouvelle Vague" bekannt und gefeiert. Ihre Freundschaft allerdings findet mit Aufkommen der Studentenbewegung 1968 ein jähes Ende...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

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"Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague" ist die Geschichte einer Freundschaft. Einer Freundschaft, die in so vielem die Geschichte des französischen Kinos verkörpert. Jean-Luc Godard wurde 1930 geboren; Francois Truffaut zwei Jahre später. Die Liebe zum Film bringt die beiden zusammen, als sie für dasselbe Filmmagazin schreiben: "Cahiers du Cinema". Der Jüngere der beiden macht als erster den Schritt zum Filmemacher. Mit dem Film "The 400 Blows – Les quatre cents coups" ("Sie küssten und sie schlugen ihn") feiert er gleich einen Triumph beim Filmfestival in Cannes. Mit diesem Erfolg in Rücken ermöglicht Truffaut seinem Freund Godard als Regisseur zu arbeiten – er bietet ihm an, das Drehbuch von "A bout de souffle – Breathless" ("Außer Atem") zu verfilmen. Godard greift zu und wird 1960 mit seinem ersten Langfilm nun ebenfalls bekannt. Die Nouvelle Vague als weitreichend bekannte, neue Stilrichtung ist nun endgültig geboren.
In den 1960ern unterstützen sich die beiden gegenseitig, wo es nur geht. 1968 kommt es dann zum Bruch aufgrund unterschiedlicher politischer und geschichtlicher Ansichten. Sie finden nie wieder zusammen. Denn während Godard mehr und mehr in radikalem politischen Denken aufgeht, verfolgt Truffaut weiterhin vor allem seine Karriere als Regisseur. Wie ein Scheidungskind zwischen den beiden hin- und hergerissen wird dabei der Schauspieler Jean-Pierre Leaud. Mit ihm in der gleichen Situation ist nahezu die gesamte Avantgarde des französischen Film- und Kulturbetriebs ...

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Filmkritik

Bei den Filmfestspielen von Cannes im Jahr 1959 stellte François Truffaut seinen Film "Sie küssten und sie schlugen ihn" vor. Nachdem er ein Jahr zuvor noch als Filmkritiker von dem Festival ausgeschlossen wurde, erhält er nun für seinen Debütfilm den Preis für die beste Regie. Aber dieser Film ist weit mehr als ein aufregendes Erstlingswerks: Er markiert den ersten sichtbaren Höhepunkt der "neuen Welle", der "Nouvelle Vague", im französischen Kino. Diese Bewegung bedeutete die Abkehr vom Kommerz- und Hinwendung zum Autorenfilm. Mit ihr sind Namen wie Claude Chabrol, Eric Rohmer und Jacques Rivette verbunden. Im Zentrum aber stehen François Truffaut und Jean Luc Godard.

Die Freundschaft dieser außergewöhnlichen Regisseure dient Emmanuel Laurent und seinem Drehbuchautor Antoine de Baecque in "Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague" vornehmlich als Anlass, einen Dokumentarfilm über die Nouvelle Vague zu drehen. Fraglos ist die Verbindung dieser Ausnahmeregisseure dazu bestens geeignet. Beginn und Ende der Freundschaft markieren auch den Anfang und das Ende dieser Bewegung, darüber hinaus sind sie die Protagonisten.

Doch die Freundschaft von Godard und Truffaut ist auch ohne dieses Bezugsfeld ein spannendes Thema. Die Regisseure sind höchst unterschiedlich: Godard ist in einem großbürgerlichen Umfeld in der französischen Schweiz aufgewachsen, Truffaut stammt aus einem armen Elternhaus. Mit seinen Filmen will Godard die Mythen der Vergangenheit zerstören, Truffaut will den Film authentischer machen. Aber sie verbindet die Liebe zum Kino. Schon als Kind war das Kino für sie eine Zufluchtsstätte. Außerdem begannen beide ihre Karriere als Filmkritiker bei den "Cahiers du cinéma" und huldigten Vorbildern wie Alfred Hitchcock. Als erster bricht der zwei Jahre jüngere Truffaut in seinem Film "Sie küssten und sie schlugen ihn" mit den herrschenden Regeln – und ruft mit seinem Film heftige Reaktionen hervor. Daraufhin unterstützt er Godard bei seinem Debüt und stellt ihm sein Drehbuch zur Verfügung, das Godard unter dem Titel "Außer Atem" verfilmt. Dieser Film macht Jean Paul Belmondo zum Star – und verschafft der Nouvelle Vague den endgültigen Durchbruch. Die gegenseitige Unterstützung dieser Ausnahmeregisseure hielt noch bis zum Boykott der Filmfestspiele von Cannes als Folge der Mai-Unruhen 1968 an. Aber sie zogen unterschiedliche Konsequenzen aus den Aufständen – und entfremdeten sich. Zum endgültigen Bruch kam es, als Godard im Jahr 1973 Truffauts "Eine amerikanische Nacht" heftig kritisierte und ihm Verrat an der gemeinsamen Sache vorwarf.

Emmanuel Laurent erzählt in "Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague" die Geschichte dieser Freundschaft mit viel Archivmaterial aus Zeitungen und Filmen, das von einer fiktiven Rechercheurin (Isild Le Besco) gesichtet wird. Aber dieser Beitrag zur Dramatisierung wirkt in dem gradlinigen Film unmotiviert, weil Emmanuel Laurent selbst aus dem Off als Erzähler auftritt. Das verstärkt den Eindruck, hier einen informativen Film für filmhistorisch interessierte Zuschauer zu sehen, die vermutlich aber bereits einiges über diese Bewegung wissen. Daher ist es schade, dass nicht mehr über deren Wirkung im französischen Kino zu erfahren ist – zumal mit Isild Le Besco nicht nur eine der interessanten französischen Schauspielerinnen, sondern auch Regisseurinnen der Gegenwart in diesem Film mitwirkt.

Fazit: "Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague" ist ein Lehrfilm über die Nouvelle Vague, der darüber hinaus einen Blick auf die Bedeutung des Films in Frankreich erlaubt.




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Land: Frankreich
Jahr: 2010
Genre: Dokumentation
Länge: 91 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 28.04.2011
Regie: Emmanuel Laurent
Darsteller: Fritz Lang, Jeanne Moreau, Jacqueline Bisset
Verleih: barnsteiner-film

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