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Total Recall - Hauptplakat
Total Recall - Hauptplakat
© Sony Pictures

Kritik: Total Recall (2011)


Kein Film ist für die Ewigkeit gemacht. Selbst das größte cineastische Meisterwerk verblasst irgendwann in der kollektiven Erinnerung und wird zur Notiz in Fachbüchern. Gut, wenn durch ein geschickt angegangenes Remake dieser Stoff neuen Generationen wieder zugänglich gemacht wird; idealerweise als liebevolle Hommage an das Original oder als durchdachtes eigenständiges Werk.
"Die totale Erinnerung – Total Recall" aus dem Jahre 1990 von Regisseur Paul Verhoeven (nach literarischer Vorlage des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick) ist sicherlich noch den meisten Filmfans, die sich gerade nicht unbedingt im Teen- oder Twen-Alter befinden, in guter Erinnerung.

Damals spielte Action-Ikone Arnold Schwarzenegger den Arbeiter Douglas Quaid aus dem Jahre 2084, der gelangweilt von der Eintönigkeit seines Lebens etwas Abwechslung sucht. In dieser Zukunft geht das am Einfachsten, in dem man sich virtuelle Erinnerungen neurochemisch implantieren lässt, die dann zu eigenen echten Erinnerungen werden. Quaid sucht eine darauf spezialisierte Agentur auf – "Total Recall" genannt – beim Versuch Erinnerungen in sein Gehirn einzupflanzen, wurden allerdings plötzlich andere, unterdrückte, aktiviert. Quaid entpuppt sich als viel mehr denn ein einfacher Arbeiter. Er ist ein Doppelagent, extrem gefährlich und es wird nun gnadenlos auf ihn Jagd gemacht.

Auch die Neuadaption von Len Wiseman hält sich ungefähr an diesen Fahrplan. Allerdings wurde der Mars, der im Original eine zentrale Rolle einnahm, samt seiner verfolgten Mutanten-Minorität einfach mal wegrationalisiert. Die Story ist nun komplett auf der Erde angesiedelt. Ende des 21. Jahrhunderts sind nach einem verheerenden III. Weltkrieg nur noch zwei Erdteile bewohnbar. Um zu seiner Arbeitsstätte zu gelangen, muss der Arbeiter der Zukunft via eines gigantischen Fahrstuhls einmal quer durch den Erdkern fahren; wie bitte? Nicht etwa, das SciFi im Grunde nicht alles als machbar erklären dürfte. Ein wenig an den Naturgesetzen zu haften, ist aber der Glaubwürdigkeit halber vielleicht nicht ganz verkehrt. Jeder Mensch, der auch nur einen Funken gesunden Menschenverstand sein Eigen nennt, wird sich angesichts solch hanebüchenen Unfugs die Haare raufen, und jeder noch so kleine Hobbyphysiker ist sich darüber im Klaren, dass wir eher mit einem Raumschiff auf der Oberfläche der Sonne landen, als durch den Erdkern zu bohren. Aber sei's drum: cooler Effekt!

Die Erde wird in der Zukunft von der United Federation of Britain unter dem tyrannischen Kanzler Cohaagen regiert und Australien hat den Status einer Kolonie. Colin Farell, der die Nachfolge von Arnold Schwarzenegger antritt, hat wenig für den Kanzler übrig und würde gerne als Geheimagent gegen ihn antreten, zumindest in seiner Phantasie. Auch er sucht eine Rekall-Agentur auf. Und das Schicksal nimmt daruafhin seinen Lauf.
Konnte man bis zu diesem Augenblick noch auf eine halbwegs innovative Neuinterpretation der Geschichte – samt einiger Referenzen – hoffen, sucht man fortan vergeblich nach einer Story. Der gesamte Film verkommt zu einem einzigen (langweilen) Action-Overkill. Die Luft wird dabei dermaßen Bleihaltig, dass selbst der Passivkonsum im Kinosaal zu einer Vergiftung führen kann. Und wenn mal nicht geschossen wird, fightet sich Farell in bester Bourne-Manier durchs Geschehen.

Um Eigenständigkeit bemüht, ist dem Film genau hier ein Totalversagen zu attestieren. Die neue Story besitzt die Stärke von Seidenpapier und dient als Alibiummantelung, um ein Effekt- und Action-Feuerwerk abzufackeln. Jegliche erwähnenswerte Leistung, falls man sie denn findet, der Schauspieler, angefangen von Farell über Kate Beckinsale zu Jessica Biel, geht darin selbstredend unter. Wobei gerade die beiden Damen offenbaren, dass sie im Grunde außer zu Eye-Catchern und zu manch probater physischer Performance wenig taugen. Positiv herauszuheben wäre der visuelle Stil des Films, mit mitunter imposanten Panoramen auf das filmische Dystopia, leider kann jedoch auch der letzten Endes nicht verhehlen, dass hier reichlich bei Genrevorlagen wie "Blade Runner", "I Robot" oder "Minority Report" gewildert wurde.

Wer das Original kennt, wird überdies den speziellen Charme, Witz und Ironie dessen schmerzlich vermissen. Das "Total Recall"-Remake wurde davon porentief grundgereinigt. Die Macher der Neufassung wollten ihr Werk tatsächlich ernst verstanden sehen. Selbst aber, wenn man jeglichen Vergleich mit dem Original oder anderen Filmen unterlässt, bleibt lediglich ein handlungsarmer, effektüberladener Streifen ohne wirkliche Akzente oder Erinnerungswerte.

Fazit: Für Fans des Originals ist das nicht wirklich was. Action- und Adrenalinjunkies, die mehr auf das drumherum als auf den Inhalt fokussiert sind, bieten sich hier zwei Stunden leicht verdaulicher Kost an.





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