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Der Diktator
Der Diktator
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Der Diktator (2011)


Die Werbekampagne zu "Der Diktator" läuft schon seit einiger Zeit auf Hochtouren: Sasha Baron Cohen kam als Diktator General Aladeen zur Oscar-Verleihung und schüttete einen Eimer Asche über Ryan Seacrest, in dieser Rolle besucht er Talkshows und gibt Interviews. Zweifellos eine gut durchdachte Werbung, allerdings handelt es sich bei "Der Diktator" im Gegensatz zu "Brüno" und "Borat" um einen fiktionalern und inszenierten Film, der allenfalls mit der Wirklichkeit spielt.

General Aladeen ist der absolutistische Herrscher des kleinen reichen Wüstenstaates Wadiya und gerade mit dem Bau einer Atomwaffe beschäftigt. Doch dann droht die UNO mit dem Einmarsch von Truppen, also reist Aladeen auf Geheiß seines Vertrauten Tamir (Ben Kingsley) nach New York. Dort fällt er einer Intrige zum Opfer und wird entführt. Sein Kidnapper kann ihn nicht töten, aber seinen Bart abschneiden. Und ohne den erkennt ihn keiner. Also landet er bei seiner Zufallsbekanntschaft Zoey (Anna Faris), einer engagierten Bio-Feministin, und will mit der Hilfe eines ehemaligen Dissidenten die Macht wieder zurückerlangen.

Während der Mittelteil – die Begegnung von Aladeen und Zoey sowie die Rückkehrversuche – eher eine Aneinanderreihung von Sketchen ist, sind der Anfang und das Ende von "Der Diktator" mit bitterbösem, politisch völlig unkorrektem Humor durchzogen. Der Film beginnt mit einer Widmung an den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il, Aladeen spielt an seiner Wii den Anschlag der Olympischen Spiele von München 1972 nach und tituliert Ahmadinejad als "snitch from Miami Vice". Dabei werden selbst die geschmackslosesten Witze derart überzogen, dass sie grotesk komisch sind. Und auch die Verbindung von Macht, Geld und Sex wird genüsslich persifliert. Nachdem sich beispielsweise Aladeen von seiner teuren Bettgenossin (Megan Fox spielt sich selbst) verabschiedet hat, die seinen Wunsch noch ein wenig zu kuscheln, mit dem Hinweis abwehrt, sie müsse nach Italien weiter reisen, blickt er auf seine Wand. Dort sind Polaroid-Aufnahmen zu sehen, die ihn mit allerhand Prominenten nach einem Stelldichein zeigen.

Die Handlung ist wenig überraschend, allerdings verweigern sich die Drehbuchautoren den Genre-Konventionen an einem entscheidenden Punkt. In diesem Film wird aus Aladeen kein guter Mensch. Stattdessen hält er in einer großartigen Rede vor internationalen Journalisten – die beste Sequenz des Films! – die Vorzüge einer Diktatur gegenüber der Demokratie hoch: Beispielsweise würde das Vermögen in den Händen weniger liegen, während die Kosten auf viele verteilt sind; man dürfe Menschen ohne rechtliche Grundlage festnehmen und foltern; die Medien könnten so tun als seien sie frei, werden aber tatsächlich von einigen alten Männern kontrolliert. Und spätestens hier beginnt man dann doch, die Kraft von Sasha Baron Cohens früheren Komödien zu vermissen. Denn seine Stärken liegen in der Konfrontation der Komödie mit der Wirklichkeit.

Fazit: "Der Diktator" ist ein witziger, geschmackloser und bitterböser Film, der gerade am Anfang und Ende mit groteskem und satirischem Humor unterhält.




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