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Gambit - Hauptplakat
Gambit - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Gambit - Der Masterplan (2012)


Filme wie "Fargo" oder "The Big Lebowski" machten die Coen-Brüder zu Kultregisseuren, und mit "No Country for Old Man" wurden ihnen 2008 dann gleich dreifach Academy-Award-Ehrungen zuteil. Nicht alles in ihrer Karriere war jedoch von Glanz und Glorie begleitet: Die Brüder versuchten sich auch an einigen Remakes, wie "Ladykillers", der den Nerv des Publikums nicht wirklich traf. Und bevor sie mit der Neuadaption von "True Grit" ihren bislang größten finanziellen Erfolg feiern konnten, blieb "A Serious Man", von der Kritik hochgelobt, im Kinosaal leidlich unbeachtet.

Mit "Gambit – Der Masterplan" versuchen sie sich nun am Remake eines englischen Krimi-Klassikers. Dafür wurde das Skript kräftig entstaubt, in dessen Mittelpunkt der Kunstexperte Harry Deane (Colin Firth) steht, der einen Plan entwickelt, es seinem stinkreichen, exzentrischen und vulgären Boss, Lionel Shahbandar (Alan Rickman), unter dem er schon seit Jahren leidet, heimzuzahlen. Leider entsprang bei der zeitgemäßen Anpassung aber keinerlei inhaltliche Verbesserung. Und auch der ursprüngliche Wunschcast aus Hugh Grant, Sandra Bullock und Ben Kingsley kam nicht zustande. Folglich verzichteten die Coens gleich ganz auf die Regie und legten die Umsetzung der Heist-Farce in die Hände von Michael Hoffman ("Tage wie dieser").

Bereits 1966 besaß das Original ("Das Mädchen aus der Cherry-Bar") nicht wirklich das Potenzial, um unvergänglichen Ruhm zu erlangen, doch während Michael Caine und Shirley MacLaine seinerzeit ihr Bestes gaben, um einem Plot, der nicht allzu sehr vor Inspiration sprühte Persönlichkeit, Charme und Witz zu verleihen, stehen die Schauspieler im aktuellen Remake eindeutig auf verlorenem Posten. Zwar kann Firth, der für "The King's Speech" 2010 mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, auf Kommando very british sein, doch als Caine-Ersatz versagt er kläglich. Außer in wenigen Szenen wirkt er erschreckend unbeteiligt – geradezu gelangweilt. Vermutlich war ihm schon beim Einstudieren des Drehbuchs bewusst, dass es in diesem Streifen außer der Gage keine Lorbeeren zu ernten geben wird.

Cameron Diaz in der Rolle des handfesten texanischen Rodeogirls "PJ" hingegen, zeigt sich zwar erfreulicherweise weniger nervig-überdreht als gewohnt; allerdings ist ihre Figur schon wieder dermaßen auf Superblond und dusselig getrimmt, dass dem Publikum schnell die Laune vergeht. Einziger Schauwert: Cameron Diaz in Unterwäsche. Ernstlich punkten kann in der illustren Runde ohnehin nur Alan Rickman, der gesegnet gut Bösewichter darzustellen weiß und diesmal als ekelhafter Milliardär-Freak und Mitarbeiter-Tyrann in der sonst eher glanzlosen Inszenierung hervorsticht. Wäre "Gambit – Der Masterplan" um seine Filmfigur herum konzipiert worden, wäre womöglich noch eine halbwegs ansehnliche Geschichte daraus geworden.

Fazit: Der Neuauflage des Klassiker gelingt es, nahezu nichts besser zu machen. Obendrein killt dieses Remake noch das letzte bisschen an angestaubtem Charme des Originals. Weitestgehend unbeteiligte Darsteller, die agieren als hätten sie sich in die falsche Show verirrt und Pointen, die weder durch Timing noch durch Eleganz überzeugen wollen, verwandeln den Streifen in eine unterdurchschnittliche Krimi-Klamotte ohne großen Reiz oder Erinnerungswerte.




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