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Kritik: Gone (2012)


Serienkiller-Thriller, in denen man einer toughen weiblichen Hauptdarstellerin dabei zusehen konnte, wie sie Jagd auf einen unerbittlichen Killer macht, gab es seit "Das Schweigen der Lämmer" (1991) eine ganze Reihe. Jonathan Demmes wegweisender und mit Preisen überhäufter Film definierte das Thriller-Genre neu und sorgte für eine regelrechte Flut an Filmen, in denen es eine weibliche, oft durch frühere Ereignisse traumatisierte Hauptfigur mit einem scheinbar übermächtigen Psychopathen zu tun bekam. So ging etwa Sigourney Weaver vier Jahre später in "Copykill" (1995) als traumatisierte Psychologin auf Verbrecherjagd. Auch Angelina Jolie bekam es in "Der Knochenjäger" (1999) mit einem eiskalten Killer zu tun, der sich brutal durch New York mordete.

In der Tradition dieser Serienkiller-Thriller sieht sich auch "Gone", das Hollywood-Debüt von Heitor Dhalia. Der brasilianische Regisseur konnte die weibliche Hauptrolle mit einer der gegenwärtig gefragtesten Jungdarstellerinnen der Welt besetzen: Amanda Seyfried, die ihr Talent und ihre Wandlungsfähigkeit in jüngster Zeit in Horror-Märchen ("Red Riding Hood", 2011) und Science-Fiction-Filmen ("In Time", 2011) unter Beweis stellte. Gegen eine löchrige, hanebüchene Story und eine konfuse Erzählweise kommt jedoch auch eine Amanda Seyfried hier beim besten Willen nicht an. "Gone" kann zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise an seine berühmten Vorbilder anknüpfen.

Ein Schock für die junge Jill Parrish (Amanda Seyfried): Ihre Schwester Molly (Emily Wickersham) wurde entführt. Das Verbrechen erinnert sie an das, was ihr selbst vor einem Jahr zustieß. Sie wurde von einem Serienkiller brutal bedroht, entführt und konnte nur knapp aus einem Erdloch im Wald entkommen. Sie ist sich sicher, dass der gleiche Kriminelle nun auch ihre Schwester entführt hat. Das Problem: Die Polizei glaubt ihr nicht, da man vor einem Jahr weder eine Spur vom Entführer noch das angebliche Erdloch finden konnten. Die Polizisten halten Jill für geisteskrank und nehmen ihre Aussagen und Ängste nicht ernst. Aber Jill weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, um ihre Schwester zu retten. Also begibt sie sich alleine auf die Jagd nach dem unbekannten Entführer. Doch existiert der Killer wirklich – oder verliert Jill langsam aber sicher ihren Verstand?

Das Gute vorweg: An Hauptdarstellerin Amanda Seyfried liegt es sicher nicht, dass "Gone" als Serienkiller-Thriller nicht zündet und letztlich nur selten überzeugen kann. Sicherlich, Seyfried verfügt (noch) nicht über das Charisma und die Leinwandpräsenz einer Jodie Foster oder Sigourney Weaver. Letztlich ist es ihr jedoch zu verdanken, dass der Film nicht zum völligen Totalausfall gerät. Seyfried setzt mir ihrer eindringlichen, intensiven und durchaus glaubwürdigen Darstellung der psychisch angeschlagenen aber mit eisernem Überlebenswillen ausgestatteten Hauptfigur positive Akzente. Die von Michael Grady ("Freunde mit gewissen Vorzügen") geführte Kamera folgt ihr von Beginn an, lässt sie nicht mehr aus den Augen und zeigt das Geschehen stets aus der Sicht von Jill, die alles tut, um das Leben ihrer Schwester – und schließlich auch ihr eigenes – zu retten. Zudem gelingen Regisseur Dhalia durchaus das ein oder andere Mal echte Spannungsmomente und er lockt den Zuschauer nicht nur einmal auf eine denkbar falsche Fährte. Jedoch vollzieht er dies mit Hilfe gängiger, bereits oft gesehener (Thriller-) Klischees (etwa die Katze im dunklem Schrank oder – mal wieder – eine an "Psycho" angelehnte Dusch-Sequenz) und setzt dabei ganz auf klassische Genrekonventionen und altbekannte Muster.

Die größte Schwäche von „Gone“ ist jedoch die löchrige Story, die mit zunehmender Dauer des Films immer mehr an Glaubwürdigkeit einbüßt. Regisseur Dhalia versucht, mit immer neuen und unerwarteten Wendungen und Entwicklungen Spannung aufzubauen, verursacht beim Zuschauer mit der Zeit aber das Gegenteil: gähnende Langeweile und mitunter unfreiwillige Komik, wenn Jill sich auf der Jagd nach dem Killer in zunehmend frag- und unglaubwürdigere Ereignisse verstrickt. Diese konfuse Erzählweise sorgt schließlich dafür, dass man sich bereits nach der Hälfte nach dem erlösenden Finale sehnt, mit dem schließlich der Gipfel der Unglaubwürdigkeit erreicht wird. Gegen diese Missstände kommen letztlich auch Amanda Seyfried sowie die gelungen eingesetzten Schockmomente nicht an.

Fazit: "Gone" verfügt mit Amanda Seyfried über eine überzeugende und glaubwürdig agierende Hauptdarstellerin sowie einige echte Schockmomente. Über die gesamte Dauer betrachtet, scheitert der Serienkiller-Thriller jedoch an seiner unglaubwürdigen Story und den vielen unrealistischen Wendungen.





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