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Kritik: Das krumme Haus (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein englisches Landschloss wird zum Schauplatz detektivischer Ermittlungen nach dem Mord am reichen Unternehmer Aristide Leonides. Er lebte dort im Kreise seiner Angehörigen wie ein König mit seinem Gefolge. Weil seine Enkelin Sophia glaubt, dass der Mörder unter den Hausbewohnern zu finden ist, ruft sie ihren Ex-Freund, den jungen Privatdetektiv Charles, zu Hilfe. Die markanten, untereinander verfeindeten Hausbewohner, die Figur des jungen Detektivs, der aus einem Noir-Film entsprungen scheint, und das stilvolle Gemäuer sind reizvolle Zutaten dieser Verfilmung des gleichnamigen Romans von Agatha Christie.

Der französische Regisseur Gilles Paquet-Brenner ("Sarahs Schlüssel") versammelt etliche namhafte Schauspieler, die dafür sorgen, dass die Vorstellung der drei Generationen, die unter einem Dach wohnen, sehr kurzweilig gerät. Paquet-Brenner versteht es sehr gut, mit den Versatzstücken des Genres zu spielen – und so gehört ein gemeinsames Abendessen, bei dem der Detektiv Zeuge des böswilligen Umgangstons wird, zu den Höhepunkten des Films. Aber das Familienanwesen ist nicht der einzige Schauplatz dieser Ende der 1950er Jahre spielenden Handlung. Der Detektiv und Sophia besuchen ein Rock‘n‘Roll-Konzert in London, zu den weiteren Handlungsorten zählen Scotland Yard und das schummrige Büro des Detektivs. Paquet-Brenner entwirft ein Noir-Universum, das zugleich humorvoll gebrochen wird. Denn Charles ist ein junger, gewitzter Mann, der frischen Wind und freche Fragen in die Familie bringt. Dennoch hechelt er dem verbrecherischen Treiben in Noir-Manier ziemlich ratlos hinterher.

Max Irons spielt den Detektiv als zentrale Identifikationsfigur zwar sehr lebendig, aber der Charakter wirkt dennoch kaum greifbar. Es gibt in diesem Film so viel zu zeigen, zu erledigen – da kann die Regie offenbar nicht auch noch darauf achten, dass die Figuren an Tiefe gewinnen, untereinander eine Chemie entwickeln. Die Liebe, die Charles immer noch für Sophia empfindet, wirkt mindestens so rätselhaft wie der Mordfall, um den es geht.

Auch die anderen Charaktere bleiben in ihrer Entfaltung bald stecken. Als Ensemble erinnern sie an eine andere, in ihrem Wohlstand und der allgemeinen Lieblosigkeit gefangenen Familie, die Michael Haneke in "Happy End" porträtierte. Wenn die Kamera in "Das krumme Haus" die Hinterbliebenen aus Untersicht aufnimmt, wirkt ihr Machtanspruch vom Patriarchen abgeschaut, der im Treppenhaus maliziös von seinem Gemälde herablächelt.

Fazit: Unter der Regie von Gilles Paquet-Brenner entfaltet die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Agatha Christie gekonnt die Reize einer detektivischen Mördersuche unter den an einem Ort versammelten Verdächtigen. Weil die Familienangehörigen des verstorbenen Patriarchen schillernde Charaktere sind, gestalten sich die Ermittlungen spannend. Ein Hauch von Humor durchzieht die Dialoge und die mit der Person des Detektivs verbundenen Anspielungen auf das Film-Noir-Genre. Den Charakteren fehlt es jedoch an emotionaler Substanz.




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