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Kritik: Sleep Tight (2011)


Voller Angst, entdeckt zu werden, versteckt sich ein Mann in einer Badewanne, wird nass, als die Dusche aufgedreht wird - und schafft es vor Kälte zitternd schließlich doch noch unentdeckt zur Tür - nur um feststellen zu müssen, dass sie abgeschlossen, er in der Wohnung gefangen ist.

Eine typische Thriller-Szene, die hier dadurch auf den Kopf gestellt wird, dass der Mann, der sich versteckt kein Opfer, sondern der Täter ist. Denn Jaume Balagueró, Regisseur der Horrorfilme "Rec" und "Rec 2", erzählt in seinem neuesten Film, dem Psychothriller "Sleep Tight", die Geschichte eines Stalkers fast komplett aus der Täterperspektive:

César (Luis Tosar) ist Portier in einem Mehrfamilienhaus und nicht in der Lage, Freude zu empfinden. Tagsüber zuvorkommend und höflich, heckt er nachts allerlei Bösartigkeiten aus mit dem Ziel, die Menschen um ihn herum ebenso unglücklich zu machen wie er selbst es ist. Sein "Lieblingsopfer" ist dabei die junge Carla, die ihn mit ihrer Fröhlichkeit und dem Dauerlächeln zur Weißglut treibt. So greift er bei seinen Versuchen, ihr die Freude auszutreiben, zu immer drastischeren, perfideren Methoden...

Die gewählte Täterperspektive erlaubt es Regisseur Balagueró, typische Thrillerszenen umzudeuten - führt aber zu einem großen Problem: Obwohl der Plot eine ganze Reihe Gemeinheiten bereit hält, von Beginn an geschickt inszeniert und von dem bereits mehrfach mit dem spanischen Filmpreis Goya ausgezeichneten Hauptdarsteller Luis Tosar gut gespielt ist, wirkt "Sleep Tight" leider nur mäßig spannend.
Zwar setzt der zweifelsohne begabte Balagueró genug inszenatorische Tricks ein, dass man seinen Thriller für ein Filmseminar zum Thema Spannungsinszenierung nutzen könnte -dummerweise aber taugt der bösartige Portier César einfach nicht zur Identifikationsfigur. Zwar ist die Logik seines Handelns intellektuell einigermaßen nachvollziehbar , sie ist aber dennoch dermaßen verquer, dass es einfach schwer fällt, richtig mitzufühlen.
Den Opfern Césars hingegen würde man hingegen durchaus wünschen, dass sie dem Portier auf die Schliche kommen - hier aber wird man durch die distanzerzeugende Täterperspektive daran gehindert, ernsthaft mitzufiebern. Denn in Césars Augen, durch die man die Handlung ja beobachtet, ist Carla eine eine schier unerschütterliche und dadurch nervtötende Frohnatur. Viel zu selten und zu kurz sieht man die Folgen von Césars Quälereien, viel zu selten Carlas Leid. Und da man zudem noch ständig dazu gebracht wird, über die Inszenierungsweise nachzudenken will echte Spannung einfach nicht aufkommen, sie bleibt rein oberflächlich, inszeniert eben, vermag aber nicht wirklich zu fesseln. Und so kann "Sleep Tight" Spannungssuchende enttäuschen - obwohl er durchaus sehenswert und intelligent ist.

Fazit: Thriller ohne echten Thrill, dafür mit viel Grips und gutem Hauptdarsteller trick- und fintenreich inszeniert.




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