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Kritik: The Big Wedding (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wie unschwer zu erkennen ist, hatte Regisseur und Autor Justin Zackham mit "The Big Wedding" eine abgedrehte und turbulente Familienkomödie im Sinn. Angesichts des beachtlichen Darstellerensembles, dem mit Robert De Niro, Diane Keaton, Susan Sarandon und Robin Williams in der Rolle des Pfarrers allein vier Oscar-Preisträger angehören, scheinen die Voraussetzungen mehr als günstig. Umso ärgerlicher ist dann allerdings das Ergebnis. Denn der Film schafft es zu keiner Zeit, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Schon die Ausgangsidee, die Zackham dem französisch-schweizerischen Spielfilm "Wie eine richtige Familie" entlehnt hat, wirkt seltsam belanglos. Dass Alejandro Madonna die Scheidung der Adoptiveltern um jeden Preis vorenthalten will, erscheint nicht nur angestaubt, sondern ebenso wenig plausibel. Schließlich werden die Griffins als unkonventionelle und damit keineswegs konservative Familie eingeführt. Warum Alejandro plötzlich Angst vor den vermeintlich altmodischen Moralvorstellungen seiner leiblichen Mutter hat, ist vor diesem Hintergrund nur schwer nachvollziehbar. Zur Verwirrung trägt sicherlich auch der Umstand bei, dass Alejandros Verhältnis zu Madonna nie klar umrissen wird. Seine panische Reaktion ergäbe nur dann Sinn, wenn er eine besonders intensive Beziehung zu ihr pflegen würde. Regelmäßigen Kontakt scheint Alejandro aber nicht zu haben, schließlich kennt Madonna noch nicht einmal seine Adoptiveltern. So stellt man sich als Zuschauer mehr als einmal die Frage, weshalb der angehende Ehemann seiner leiblichen Mutter eine ungelenke Lüge präsentiert, anstatt ihr einfach die Wahrheit zu sagen.

Auch als die Täuschung beschlossene Sache ist, schafft es der Film nicht, Fahrt aufzunehmen und aus der wenig überzeugenden Ausgangsidee zumindest eskalierende Konflikte abzuleiten. Peinliche bzw. erklärungsbedürftige Situationen, in denen die Wahrheit ans Licht zu kommen droht, werden nur halbherzig heraufbeschworen und lösen sich zumeist in Wohlgefallen auf. Lediglich die Sprachbarrieren – Alejandros leibliche Mutter spricht ausschließlich Spanisch – werden von Zackham charmant in Szene gesetzt. Wie Diane Keaton und Robert De Niro bei Madonnas Ankunft radebrechen, ist äußerst amüsant.

Im weiteren Verlauf versucht der Regisseur, all seinen Figuren und ihren jeweils eigenen Problemen gleichwertig gerecht zu werden. Damit rücken Alejandro und Missy, deren Trauung immerhin der Anlass für das Familientreffen ist, immer mehr in den Hintergrund. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn die Handlung insgesamt temporeicher und vor allem zwingender vorangetrieben würde. Doch leider versanden die mitunter sehr konstruierten Verwicklungen viel zu früh. Was für eine Komödie aber noch schlimmer ist: Wirklich witzige Szenen hat "The Big Wedding" nur selten zu bieten. Vielmehr verliert sich der Film in einer merkwürdigen Mischung aus pubertärem Humor und bedeutungsvoll aufgeladenen ernsten Momenten, in denen der Zusammenhalt der Familie beschworen wird.

Fazit: Ausgehend von einer banalen Grundidee entwickelt "The Big Wedding" ein familiäres Katastrophenszenario, dem es an Witz, Tempo und zwingenden Konflikten fehlt, was angesichts der verheißungsvollen Darstellerriege umso enttäuschender ist.




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