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Kritik: The Dallas Buyer's Club (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Dallas Buyers Club" ist ein US-amerikanischer Independentfilm, bei dem der Franco-Kanadier Jean-Marc Vallée (C.R.A.Z.Y.) Regie geführt hat. Doch insbesondere ist dies die Ein-Mann-gegen-den-Rest-der-Welt-Show von Matthew McConaughey in der Rolle des sympathischen Ekels Ron Woodroof. Der texanische Schauspieler hat seit seiner Rolle als psychopathischer Profikiller in William Friedkins "Killer Joe" (2011) in einer ganzen Reihe von Filmen bewiesen, dass er ein Ausnahmetalent in der Darstellung exzentrischer Charaktere ist. Diese Fähigkeit hat er zuletzt in Martin Scorceses "The Wolf of Wall Street" unter Beweis gestellt. Dort hat der Mime nur eine einzige größere Szene, doch die reicht ihm vollkommen aus, um den gesamten Film entscheidend mitzuprägen. "Dallas Buyers Club" wiederum wäre ohne Matthew McConaughey in der Hauptrolle erst recht nur halb so gut. Die Regie von Jean-Marc Vallée ist für einen amerikanischen Film ungewöhnlich zurückhaltend: fast dokumentarischer Duktus, nur natürliches Licht und nicht verwackelte Handkamera. Das passt zu dem überwiegend sehr nüchternen bis leicht bedrückenden Ambiente. Ron Woodroofs Welt besteht zunächst nur aus seiner ranzigen Bude, der Rodeo-Arena, dunklen Spelunken und Strip-Shows. Hinzu gesellen sich alsbald zahlreiche mehr unfreiwillige Aufenthalte in einer sterilen Klinik, in der die warmherzige Ärztin Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) den einzigen Lichtblick darstellt.

Matthew McConaughey gelingt es diesen Ron einerseits als typisches texanisches Urgestein und als Unterschichten-Macho-Proleten darzustellen und auf der anderen Seite glaubhaft zu vermitteln, dass dieser anfängliche Antipath im Verlaufe der Handlung eine erstaunliche menschliche Entwicklung durchläuft. Dabei umschifft der Film geschickt die bei der Thematik naheliegenden – und im Falle eines reinrassigen Hollywoodfilms fast unvermeidlichen – Fallstricke in Form Tränendrüsen drückender Kitsch-Exzesse. Zwar ist es tatsächlich so, dass der anfänglich förmlich Testosteron ausdünstende Schwulenhasser Ron nach und nach eine echte Freundschaft zu Rayon (ebenfalls fabelhaft: Jared Leto) aufbaut und sich sogar zu einem richtigen Helden der schwul-lesbischen Community entwickelt. Doch durchläuft Ron trotzdem keine klassische (und zumeist völlig unglaubwürdige) Wandlung vom Saulus zum Paulus. Zunächst einmal betreibt er seinen "Dallas Buyers Club" aus reinem Geschäftssinn und Eigeninteresse. Er will nicht gleich möglichst viele Homosexuelle retten, sondern die Gelegenheit nutzen, um ganz kaltschnäuzig und pragmatisch möglichst gut abzukassieren und zugleich die eigene Versorgung an lebensverlängernden Medikamenten sicherzustellen. Selbst als Ron sich zum Schluss zum David entwickelt, der gegen Goliath in Form des amerikanischen Rechtssystems, kämpft, so bleibt er selbst da noch eine Spur Egoist. Zugleich verspürt Ron das Bedürfnis mit seinem Leben etwas bewegen zu können, was bleibt, obwohl er seinen persönlichen Kampf am Ende zwangsläufig verlieren muss. Ein großer Film.

Fazit: "Dallas Buyers Club" ist die großartige One-Man-Show von Matthew McConaughey in der Rolle des knorrigen Anti-Helden Ron Woodroof. Der auf einem authentischen Fall basierende Film zeigt eindringlich, was es bedeutet hat, in den 80er-Jahren ausgerechnet in Texas an AIDS zu erkranken.





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