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Seeking a Friend for the End of the World
Seeking a Friend for the End of the World
© Focus Features

Kritik: Auf der Suche nach einem Freund für's Ende der Welt (2012)


Es gab die Zeit, datiert auf die Jahre vor der Jahrtausendwende, als Katastrophen-Filme zum Trend der Zeit emporstiegen – schließlich stellte sich die Menschheit auf die Apokalypse, Hungersnöte, Börsencrashs und Sintfluten ein. Das 21. Jahrtausend stand bevor! Findige Kino-Produzenten erkannten das Potenzial für die Geldbörse Hollywoods und nutzen diese Marktlücke mit Filmen wie „Armageddon oder „Deep Impact“ gleich mehrfach aus. Satte 140 Millionen Dollar drückten sie alleine Michael Bay in die Hand, um Bruce Willis als heldenhaften Astronauten die Welt retten zu lassen. 141 Minuten, ein zertrümmertes Paris als kleiner Seitenhieb Hollywoods an Frankreich und viele erschöpfte, aber glückliche (amerikanische) Helden später und die Rettung der Welt war auch für den Präsidenten und sein heiß gelaufenes Telefon abgehakt. Denn eine Sache ist im Untergangsblockbuster elementar: Der Makrokosmos Katastrophenszenario.

Das genaue Gegenteil erzählt der Plot der romantischen Liebeskomödie „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt“. Regisseur-Newcomerin Lorene Scafaria, die bisher an erfolgreichen Drehbüchern wie „Nick und Norah“ gearbeitet hatte, springt mit ihrem Debütwerk gleich ins kalte Wasser des Haifischbeckens Hollywood. Ihr Werk, welches die Vorzeichen der Apokalypse verkehrt und statt mit Präsidenten, Astronauten und Helden das nahende „Ende der Welt“ viel lieber aus der Perspektive einer mikrokosmischen zwischenmenschlichen Zufallsbeziehung zweier unterschiedlicher Charaktere beobachtet, wirft einen augenzwinkernden Blick auf die traditionelle Apokalypse, legt Wert auf die Schönheit der zufälligen Begegnung und steht zu den Gefühlen, die der Film am Ende wehleidig und gleichzeitig hoffnungsvoll ausstrahlt. „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt“ blüht in den Kleinigkeiten, in den stillen Tönen und sensiblen Momenten auf, brüskiert aber zugleich mit makaberen, aber höchst unterhaltsamen Humor! Ein echter Marktlückenfüller und ein außergewöhnliches Drehbuch.

Ein Nachrichtensprecher verkündet, dass die letzte Hoffnung der Menschheit, die Raumschiffmission, die den kilometergroßen Asteroiden aufhalten soll, gescheitert und die Crew tot ist. In drei Wochen ist Schluss, dann erreicht der monströse Meteroidenklumpen die Erde und zerstört alles, was sich darauf befindet. Scafarias Anfang nimmt dem Zuschauer jede Hoffnung auf ein gutes Ende, stellt ihn vor eine ausweglose Situation, wenn Steve Carell als Dodge mit ansehen muss, wie seine Frau Sekunden nach der Nachricht wie von der Tarantel gestochen das Auto verlässt und wegrennt.

Schon in dieser Szene zeigt sich wie ungewöhnlich der Film ist, der es versteht seine Ausgangsidee nicht mit unnötigen Brimborium auszufüllen, sondern von Vornherein klar macht, dass es um den Durchschnittsmenschen und nicht um heldenhafte Astronauten oder wichtigtuerische Präsidenten geht. Dodges Blick, wenn er das Radio ausstellt und seiner Frau hinterher schaut, zeichnet die darstellerische Stärke von Carell aus, der in seiner subtilen Ernsthaftigkeit ein ungemein humorvolles Antlitz verkörpert.
Mit der Flucht der Ehefrau kommt aber auch eine weitere Ebene ins Spiel, die einen beinahe fahlen Beigeschmack in den Film hineinmischt. Jeder kennt die Bierdeckelweisheit „Lebe jeden Tag, als wäre er dein letzter“. Scafarias Film zeigt mit viel Humor und einem Schuss Bösartigkeit, was es bedeutet nach dieser Prämisse zu leben, wenn sie den Menschen von außen aufgezwungen wird. Hier zeigen sich nicht nur allgemeingültige Auswirkungen, wie Anarchie, Gewalt und Meuterei auf den Straßen, die man bei einem zerbrechenden System in jeder Zivilisation ausmachen könnte, sondern auch die Kleinigkeiten in den zwischenmenschlichen Beziehung, wenn im Büro Kleiderordnungen aufgegeben werden, Nachrichtensprecher offen aussprechen, was Sache ist - „Sieht scheiße aus“ - und nette Nachbarschaftsabende zu Alkohol-, Drogen und Sexorgien ausarten, weil man es jetzt endlich machen kann. Keine Standards oder der Gedanke an morgen halten den Menschen nun noch von seiner wahren Bestimmung ab. Dann gehört niemand mehr zu niemand, jeder ist auf sich alleine gestellt. Scarafari versteht es diese Nebenkomponente des Films mit ungemein viel trockenen Humor und makaberen Dialogwitzen so heiter, wie komisch, so bizarr wie erschreckend zu erzählen, wodurch der Film als schwarze Komödie auf die Apokalypse ungemein viel Spaß macht. Aber zugleich verwehrt sich Scarafari gegen das „Egoisten“-Prinzip. Im zweiten Teil positioniert sie sich eindeutig: Menschen brauchen sich!

So entwickelt sich „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt“ in eine andere Richtung, trennt sich weitgehend von seinem sarkastischen Unterton ohne diesen komplett zu verlieren und fokussiert sich auf seine beiden so unterschiedlichen Hauptfiguren. Während der Zuschauer sich selbst die Frage stellt, was er mit seinen letzten Tagen auf der Erde anstellen würde, ist es Steve Carells Figur Dogde, die erst einmal den alltäglichen Lebensrhythmus weiter verfolgt, zur Arbeit geht, seiner Frau nachtrauert und sein Leben ganz „normal“ weiterleben will. Dogdes Sicherheitsgedanke wird durch die sporadische und impulsive Art von Nachbarin Penny auf die Probe gestellt, die mit Keira Knightly die ideale Besetzung bildet. Carell und Knightly harmonieren als Pärchen auf Zeit wunderbar, verkörpern die Schönheit einer zufälligen Begegnung und veredeln mit ihren Kontrasten den sich entwickelnden Roadtrip mit vielen skurrilen Momenten und herzensguter Unterhaltung. Das Ende zelebriert Gefühle und sorgt dabei für sagenhaft romantische, aber ehrliche Momente, während die frische, motivierte und kaum einordbare Geschichte, die schon mit ihrer tollen Ausgangsidee vieles über das menschliche Zusammenleben erzählt, das Stichwort „Hoffnung“ niemals aus den Augen lässt. So schafft es die Genre-Mischung, die neben der schwarzen Komödie, dem Road-Movie und dem Liebesfilm ungemein viele Stilrichtung einfließen lässt, es dank einer sicheren Inszenierung und einer ungeschliffenen Erzählweise sich vom Normalprodukt „Hollywood“ abzuheben.

Fazit: Wenn das Ende der Welt naht und kein Bruce Willis im Mittelpunkt steht: Die liebevolle Komödie „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt“ dreht den Spieß um, konzentriert sich auf den Durchschnittsmenschen und baut um eine fabelhaft charmante Zufallsgeschichte einen ungemein witzigen, wie rührenden Film auf. Sehr sehenswert!





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