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Urban Explorer
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© www.urbanexplorer-themovie.com

Kritik: Urban Explorer (2011)


Willkommen auf der dunklen Seite von Berlin. Gemeint ist nicht das kriminelle Milieu der deutschen Metropole, sondern der Untergrund. Und der ist keine illustre Künstlerszene, sondern ein gefährliches Subterrain unter der Erde. Tatsächlich erfreut sich Berlin eines dicht verzweigten, kilometerlangen, labyrinthischen Tunnel- und Bunkersystems, dass die Nazis während des II. Weltkrieges ausgehoben haben und die Stasi im Ostteil der Stadt nach dem Ende des Krieges für ihre Zwecke weiter nutzte. Aus dieser Grundlage schuf der Regisseur Andy Fetscher einen deutschen Suspense- und Horrorthriller, der sich nicht verstecken braucht.

Zu Beginn folgt der Zuschauer dem Tunnelgänger Kris (Max Riemelt) und einer Gruppe abenteuerlustiger Touristen auf einer ganz besonderen Tour: Es geht zum mysteriösen Fahrerbunker, einem Ort der zu Nazi-Zeiten der Erforschung sogenannter Wunderwaffen gedient haben soll und an dem mutmaßlich abscheuliche Experimente durchgeführt wurden. Auf dem Weg dorthin gerät die Gruppe mit ein paar Neonazis aneinander, die dort unten ihren Geschäften nachgehen. Das Ganze geht aber glimpflich ab. Beim vermeintlichen Ziel angekommen, erweist sich alles als weit weniger spektakulär, als erhofft. Auf dem Rückweg nimmt das Unheil dann aber seinen Lauf: Kris stürzt in einen Schacht und verletzt sich schwer. Die Gruppe teilt sich daraufhin. Zwei bleiben bei ihm, die anderen machen sich auf den Weg, Hilfe zu organisieren. Wenig später taucht wie aus dem Nichts ein seltsamer Mann auf, der vorgibt ihnen helfen zu wollen. Ohne eine bessere Wahl müssen sie ihm vertrauen.

Fetscher gelingt es schnell atmosphärische Dichte zu erzeugen. Die Vorgehensweise mag dabei an Filme wie "The Descent" erinnern, das fällt aber nicht sonderlich störend ins Gewicht. Dadurch, dass die Handlung in architektonischen Relikten unter unseren Füßen angesiedelt ist, in denen ganz alltägliche Gefahren lauern, denen man ähnlich auch Nachts in einer dunklen Gasse begegnen könnte, zieht das Geschehen den Zuschauer ohnehin klaustrophobisch beklemmend in seinen Bann. Hinzu kommt, dass nicht übereilt schnell enthüllt wird, dass die Handlung schlussendlich auf Horrorpfade führt. Diese Ungewissheit hält den Spannungsbogen zusätzlich lange hoch.

Der Plot will das indes nicht immer voll überzeugen. Manch eine Wendung dient offensichtlich bloß dazu, der Handlung einen Schubs in die gewünschte Richtung zu geben, und der Logikgehalt einiger Aktionen wirkt zuweilen überaus bescheiden: Filmcharaktere sich auf eine bestimmte Weise verhalten zu lassen, dass es der Dramaturgie dient, aber wenig nachvollziehbar ist, mutet nicht sonderlich elegant an. Zuweilen führt das sogar dazu, dass Figuren die aus dem Fokus der Geschichte geraten, anschließend nur noch als Staffage für Schockeffekte herhalten. Es ist in solchen Augenblicken dann schon angeraten, mindestens ein Auge zuzudrücken und sich aufs Geschehen einzulassen, ohne allzu viel zu Hinterfragen, wenn man sich den Spaß nicht vergällen möchte.

Darstellerisch sind die Leistungen ordentlich, aber nicht immer will man die extremen Gefühlslagen den Figuren vollends abnehmen. Als Glücksgriff erweist sich aber Klaus Stiglmeier. Seine Figur, die zwischen raubeinigem hilfsbereitem Onkel und bestialischem Tunnel-Unhold pendelt, lässt das Blut in den Adern gefrieren. Zu diesem Zeitpunkt macht der Film allerdings auch keinen Hehl mehr daraus, dass es sich um eine waschechte Horrorstory handelt. Und leider kann diese letzten Endes nicht anders, als sich vergleichbar bekannter Genrevorbilder, wie "Hostel" oder "The Texas Chainsaw Massacre", der üblichen klischeehaften Stilelementen zu bemühen. Dies zieht Fetscher in "Urban Explorer" dann allerdings extrem konsequent durch.

Fazit: Horror aus deutschen Landen, der das Rad zwar nicht neu erfindet, sich aber nicht vor den Hollywood-Produktionen verstecken muss. Besonders das Motiv des Unheimlichen direkt unter unseren Füßen, will dabei gefallen.





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